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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-20 · Heft 17 (20.4.1886) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 17 (20.4.1886)
Date
1886-04-20
Page
Seite 258 (sequence 2)
Language
German
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258 bei der Befreiung eingeholt werden. Diese wird wohl regelmäßig ertheilt werden, sie bleibt aber trotzdem nur eine Gnade, während sie ein Recht sein sollte. Schlimmer schon ist die Aufstellung der Preßburger Jeschibah als Rabbinatsschule. Das ist ein trauriges Ueberbleibsel aus der Zeit des vormaligen Absolutismus, aus der Zeit des Kampfes für Thron und Altar. Die Preßburger Jeschibah istjadurchauskeineRabbinatsschule,sie ist im besten Falle eine Schule, in welcher sich neben Leuten von zweifelhafter Vergangenheit und zweifelhafter Zukunft auch solche befinden, die später einmal Rabbiner werden könnten, ebenso wie sie als Schächter und Vorbeter, als Leinenhändler und Landkrämer ihre Carriere beschließen können. Endlich ist die Preßburger Jeschibah auch fachlich durchaus nicht geeignet, dem Rabbinerstande würdige Jünger zu liefern. Selbst das Talmudstudium wird in ihr vernachlässigt, alles wird nach dem Rccepte des seligen Moses Sofer auf äußerliche Frömmigkeit gegeben, dabei wird jede allgemeine Bildung perhorrescirt, wozu als Beweis dienen mag, daß, als vor einigen Jahren der ungarische Unterrichtsminister im Reichstage davon sprach, man müsse den Jüngern der Jeschibah das Recht der Militärfreiheit entziehen, wenn sie nicht mindestens ein Untergymnasium absolvirt haben, der Rabbiner Benjamin Schreiber eine Audienz nachsuchte, um seine Schüler von dieser Geserah zu befreien. Endlich könnte man den ungarischen Gemeinden solche Rabbiner gönnen wie der vor einigen Jahren verstorbene David Deutsch in Jarmud, von dem seine Söhne in der Vorrede zu einem posthumen pilpulistischen Werke wörtlich sagen: „Hervorragend ist seine heldenmüthige Leistung in den Kriegen des Herrn, seitdem im Jahre 1868 sich verbanden die Zuchtlosen unseres Volkes uoy *sr.s sich Götzen höhnend zu errichten, zu untergraben das Fundament der Thora. Er war der erste, der sie bekämpfte und als durch unsere großen Sünden den Zuchtlosen ihr trauriges Werk gelang u. s. w." Also dagegen wäre nichts einzuwenden, traurig aber ist es, daß die Jünger einer solchen Schule, wenn sie nur lesen und schreiben gelernt haben, sich als modern gebildete Prediger geriren und dem rabbinischen Namen Schande machen, wodurch auch die besseren Elemente von dem rabbinischen Amte zurückschrecken. Endlich wird auch davon gesprochen, daß die Candidaten des rabbinischen Amtes vor Eintritt in ihre Studien — sit venia verbo — ein Untergymnasium oder nicht einmal das absolvirt haben sollen. Das ist eine Bestimmung, die geradezu ein Hohn auf die wissenschaftliche Entwicklung der jüdischen Theologie genannt werden muß. Selbst die Katholiken, welche das Priesteramt als ein sacramentales betrachten, legen ihren Candidaten die Verpflichtung auf, sechs Gymnasialklassen zum mindesten absolvirt zu haben, ehe sie in eine theologische Lehranstalt eintreten. Mehr als diese haben die jüdischen Seelsorger die Pflicht, dem Wissen ihrer Zeit gewachsen zu sein und wie kann man annehmen, daß einer, der geregelte Schulbildung und akademische Studien aufweist, sich einem Berufe zuwenden sollte, in dem er Leuten gleichgestellt sein würde, welche nicht einmal die Fertigkeit besitzen, ihre Muttersprache correct schreiben zu können. Selbst in der josephinischen Verordnung waren dem Rabbiner die philosophischen Studien jener Zeit zur Pflicht gemacht, die also dem heutigen Bildungsgrade nach Absolvirung eines Gymnasiums entsprechen, daher diese Bestimmung doch heute zum mindesten aufrecht erhalten werden muß. Wenn wir schon nicht Faktoren im jüdischen Gemeindeleben besitzen, welche sich zu diesem Zwecke an competenter Stelle verwenden, so sollten die Leitungen der deutschen Seminarien im Interesse ihrer Jünger energische Schritte zur Wahrung ihrer Autorität an maßgebender Stelle unternehmen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei. Bonn, 14. Aprile n n«*r nosn mwn Der Weisheit Anfang ist Gottesfurcht. Diesem Ausspruche des Psalmisten (111, 10) begegnen wir noch öfter in der heil. Schrift. Als das Resultat der Discussionen im 1. Theile des Buches Hiob wird (28, 28) aufgestellt: „Siehe, die Furcht des Herrn ist Weisheit, das Böse meiden Einsicht." In der Einleitung zu den Sprüchen Salomonis wird als die Grundthese (1, 7) hingestellt: „Die Gottesfurcht ist der Erkenntniß Anfang;" 9, 10 heißt es: „Der Beginn der Weisheit ist Gottesfurcht," und 15, 33: „Die Gottesfurcht ist Zucht zur Weisheit." Als Inhalt derselben wird 8, 13 angegeben: „Die Gottesfurcht ist Böses hassen, Hoffarth und Hochmuth und bösen Wandel." Als Wirkung hebt der Spruchredner (14, 26, 27) hervor: „In der Gottesfurcht ist mächtige Zuversicht, den Kindern noch wird sie Zuflucht sein; die Gottesfurcht ist Quell des Lebens, des Todes Schlingen fern zu bleiben." Und 19, 23: „Die Gottesfurcht führt zum Leben; satt ruht der Gottesfürchtige, nicht heimgesucht vom Bösen;" und auch Jesaias (33, 6): „Sicherheit und des Heiles Fülle wird durch Weisheit und Erkenntniß gewährt, Gottesfurcht ist ihr Schatz." — So erscheint uns in der h. Schrift die Gottesfurcht als die Quelle und Bedingung des echten religiösen Sinnes und Lebens. So mögen wir ihr wohl einmal unsre besondere Aufmerksamkeit zuwenden. — Vor Allem müssen wir den tiefgehenden Unterschied zwischen Furcht und Ehrfurcht uns klarstellen. Furcht ist die Anerkennung einer stärkeren Macht, von deren Anwendung wir Schaden, Gefahr, Untergang erwarten. Ehrfurcht ist die Anerkennung größerer Macht, von deren An-

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