Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1886)
- Date
- 1886-02-09
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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107 zwischen Rußlands, wo den Juden der Aufenthalt ohne Privilegien verboten ist, in 13 Gouvernements nicht ein einziger jüdischer Kaufmann I. Gilde ist, in 10 blos je einer, in 2 je zwei, in 3 je drei, in 1 zehn und nur in den Residenzen (Petersburg und Moskau) und den 4 dem Ansiedlungsrayon nahegelegenen Gouvernements jüdische Kaufleute I. Gilde in größerer Anzahl sich finden, nämlich: im Smolenskischen Gouvernement 12, im Pskowschen 29, im Eharkowschen 17 und im Kijewschen 137. — Dem General-Gouverneur von Orenburg und Turkestan stand bis jetzt das Recht zu, mittelasiatische Juden in den russichen Unterthanenverband aufzunehmen; von nun an aber steht, nach dem „Hamelitz" (Nr. 91), dieses Recht nur dem Minister des Innern zu und zwar auf Grund derselben Gesetzbestimmungen des § 992 des Neichsgesetzbuches Bd. IX (Ausgabe 1876), nach welchen ausländische Juden in Rußland sich niederlassen dürfen. — Anläßlich der Frage über die Zulassung der Juden zum Staatsdienst, in welchem bis jetzt wenige Juden sich befinden, hat soeben die sogen. „Pahlen'sche Judencommission", wie der „Hamelitz" aus sicherer Quelle berichtet, eine Verordnung in Vorschlag gebracht, der zufolge Juden, selbst getaufte, künftighin von der Staatscarriere auszuschließen und der Staatsdienst erst den Nachkommen getaufter Juden zugänglich sein soll. Zu ferneren Rechtsbeschränkungen der Juden liegt in dieser Commission noch eine ganze Reihe von Fragen ausgearbeitet, welche alle Seiten der juristischen, öconomischen sittlichen und intellectuellen Lage der Juden berühren. — lieber die Anzahl der jüdischen Schüler in den allgemeinen Lehranstalten des Wilna'schen Lehrbezirks (welcher die Gouvernements: Wilno, Minsk, Grodno, Kowno, Witebsk und Mohilew in sich schließt) bringen ofsicielle Berichte folgende Data. In Gymnasien dieses Bezirks befinden sich 1057 Juden, was 24 bis 25 °/0 sämmtlicher Schüler der Gymnasien ausmacht, in Progymnasien 148 oder 19,4»/,; in den Realschulen 309 oder 20,4»/,; in 3 Mädchen-Gymnasien 189 oder 20,3— Betrübend ist es, daß, je größer die Bildung der Juden ist, desto mehr Hemmnisse gegen dieselben auf die Tagesordnung gebracht werden. Wenn die Maßregel, nach dem jüngsten Circularschreiben des Ministers des Innern, die Zahl der jüdischen Schüler in sämmtlichen mittleren Lehranstalten auf 10» , zu beschränken, hier wie allüberall nächstens, wie es aus sicherer Quelle verlautet, durchgeführt werden soll, kann man-sich vorstellen, wie viel Hunderte jüdischer Knaben wieder von der Bildung werden zurückgehalten werden.— Dem „Journal des Ministeriums der Volksaufklärung" zufolge, wurde die Universität zu Charkow im verflossenen Jahre von 320 jüdischen Studenten besucht. Die Gesammtzahl der Studierenden beträgt 1227. Im Jahre 1884 waren daselbst unter den 1067 Studenten 280 Inden. — In die baltische Universität zu Dorpat wurden Juden ausnahmsweise nach keinem reducirten Procentsatz ausgenommen. Sie zählt jetzt nahezu 200 Juden. Bekanntlich haben hier die jüdischen Studenten vor einigen Jahren, mit Bewilligung des Rectors der Universität, einen „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" gebildet. Wie dem „Hamelitz" geschrieben wird, hat sich, außer dieser sowohl für das religiöse als auch für das sittliche Leben unserer studirenden Jugend so wichtigen Institution, unter der dortigen jüdischen Studentenschaft ein zweiter unter dem Namen „Musikalisch-literarischer Verein" und soeben ein dritter „Wissenschaftlicher Verein" gebildet. Abgesehen von den verschiedenen Namen, hat jeder der drei Vereine es sich zum Ziel gesteckt, durch Anschaffung entsprechender Bücher, Zeitschriften und Vorträge dem Sinn für jüdische Kenntnisse unter den Studirenden jüdischer Confessio» möglichst große Verbreitung zu geben. Besonders besteht das Bestreben dieser Vereine darin, mit der jüdischen Geschichte der Vergangenheit, zumal des Mittelalters, die Jünger jener alma mater vertraut zu machen. Jeder Verein hat bereits sein Local und seine Bibliothek. Am Abend jedes Samstages werden von den Mitgliedern in Reihenfolge Vorlesungen über jüdische Geschichte, Literatur, Kunst u. dergl. gehalten. Außerdem haben sich die Vereine die Aufgabe gestellt, für die Unterstützung unbemittelter jüdischer Studenten Sorge zu tragen. Zu diesem Zwecke werden, abgesehen von den Monatsbeiträgen der Vereinsmitglieder, oft Concerte oder sogenannte musikalische Abende von den Mitgliedern veranstaltet, wobei diese selbst Mitwirken. Mögen dieselben ihren schönen und edlen Zweck voll und ganz erreichen und viel Nachahmung in den Kreisen der jüdischen Studentenschaft finden! Moses Feinkind. Amerika. New-Orlcans, 1. Januar. (Privatmitth.) Die Rabbinerkonferenzen sind jetzt hier zu Lande an der Tagesordnung. Am 29. Dez. fand die Conferenz der „südlichen Rabbiner", d. h. der Rabbiner aus den Südstaaten unter dem Vorsitze des Rev. James K. Gutheim statt. Die Zahl der Anwesenden betrug 15, 6 Andere hatten sich entschuldigt. Der Bericht des Vorsitzenden handelte über den hundertjährigen Todestag Moses Mendelssohns, die Union amerikanischer Gemeinden und das von dieser unterhaltenen Rabbinersemiuar in Cincinnati, endlich über die Rabbinerconferenz zu Pittsburg. Der Bericht behielt sich die volle Freiheit vor, in praktischer Beziehung die Consequenzen der Pittsburgcr Resolution abzulehnen. Beschlossen wurde eine Fünfercommission, um der nächsten Versammlung ein Elaborat vorzulegen, ob und wie die Einheit in den Text- und Gebetbüchern, in den Synagogen und Schulen zu bewahren sei, ferner eine l*