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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-09 · Heft 7 (9.2.1886) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 7 (9.2.1886)
Date
1886-02-09
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 Commission von Dreien für die zukünftige Form der Trauungsceremonie, der Confirmation und der Begräbnisse; eine andere Commission von dreien über einen Normalplan für die Religionsschulen. Die Versammlung resolvirte auch eine Empfehlung der Alliance isr. univ., und daß für dieselbe jährlich an Purim Sammlungen veranstaltet werden, eine Empfehlung des schon gedachten Rabbinerseminars, einer gottesdienstlichen Feier des Todestages Moses Mendelssohn's und zwar am 8. Januar. Die Versammlung sprach sich dahin aus, daß mit allen Kräften die Einigkeit unter den amerikanischen Juden zu erstreben und zu erhalten sei. So wird man die Ziele und den Geist dieser Versammlung nur rühmend anerkennen müffen. Bonn, 31. Januar. (Notizen.) Die „Voss. Ztg." schreibt vom 27. Januar: Der Lexikograph vr. Freund, der heute in Breslau seinen achtzigsten Geburtstag begeht, stammt aus einer jüdischen Familie der Posenschen Kleinstadt Kempen. Seine Schulbildung erhielt er Anfangs in seiner Heimath, später in Breslau. Der Besuch des Gymnasiums, der dazumal bei den Juden, insbesondere bei den ärmeren, wenig Brauch war, wurde ihm, der vollkommen mittellos war, lediglich durch Stipendien ermöglicht. Mit 18 Jahren erhielt Freund das Zeugniß der Reife und ging nach Berlin, um Boeckh und Schleirrmacher zu hören. 1827 erwarb er sich den Doctorhut. 1834 erschien die erste Lieferung seines „Wörterbuches der lateinischen Sprache nach historisch - genetischen Principien", das seinen wissenschaftlichen Ruf begründete. Die Methode Freund's war neu. Er beschränkte sich nicht, wie vor ihm von Forcellini, Gesner, Scheller, die Etymologie und Exegese eines Wortes zu geben, sondern er gestaltete einen jeden Artikel seines Lexikons so, daß er darin die Bedeutung eines jeden Wortes und den Wandel, den es während der gesammten Latinität durchgemacht hatte, zusammenstellte. Jedes Stichwort wurde so zu einem historischphilologischen Abrisse. Die Bearbeitung des gesammten Wörterbuches erforderte mehr als ein Jahrzehnt angestrengter Arbeit. Das Werk erschien in 8 Halbbänden, die insgesammt 9000 Foliospalten enthalten. In den folgenden Jahren bearbeitete Freund noch zwei andere Lexica, ein zweibändiges „Gesammtwörterbuch der lateinischen Sprache" und ein „Lateinisch-deutsch-griechisches Wörterbuch." Im Vergleich mit seinen Arbeiten zur Lexikographie fällt die übrige literarische Thätigkeit Freund's wenig in das Gewicht. Seine Schülerbibliothek hat ihm sogar manchen seiner wissenschaftlichen Freunde entfremdet. Er schrieb noch mehrere Handbücher für das Studium der Philologie, wie das „Triennium philologieum“, die „Prima“, einen „Cicero historicus“. Seine Lehrtätigkeit begann Freund nach einem mißlungenen Versuch eine Privatschule zu gründen am Elisabethgymnasium zu Breslau, das er selbst besucht hatte. Gegen das Ende der vierziger Jahre stand er längere Zeit dem Progymnasium zu Hirschberg als Rector vor. 1855 übernahm er die Leitung einer höheren Bürgerschule zu Gleiwitz. Im Jahre 1853 wurde ihm von der Berliner Akademie ein Reisestipendium bewilligt zu sprachlichen Studien in den romanischen Theilen von Graubündten und Tirol. Zuvor hielt er sich längere Zeit in London auf, wo er die lexikographischen Schätze des britischen Museums durchmusterte. Seit 1870 lebt Freund in Breslau lediglich seinen Studien. Vor zwei Jahren beging er das Fest der goldenen Hochzeit. (Freund's literarische Thätigkeit für seine Glaubensgenossen erwähnt die Voss. Ztg. nicht; wir haben sie in vor. Nummer schon angegeben.) Ieuillelon. Menah's Hochzeit. Episode aus einer Afrikareise. Von Clara Biller. (Fortsetzung. Ich mochte etwa vierzehn Tage in Tanger sein, es war an einem Sonntag, da kam Menah nicht nur pünktlich, sondern sogar ehe die Chocolade noch auf dem Tische stand. Sie kam mit ungeschminkten Nägeln — es mußte sich etwas Außergewöhnliches ereignet haben. War die Großmutter gestorben? Sie schüttelte den Kopf. Wie ein kleiner Vogel, der im Sturm Schutz sucht, war sie schnell zu mir geflattert. Nun stand sie vor mir, fand Thränen, keine Worte. Beinah hätte ich in der Erregung ihre Tasse selbst aus dem Schranke genommen. Ich dachte, das Frühstück würde beruhigend wirken, und hatte sogleich danach geklingelt. Aber wie sie mich den Schrank aufschließen sah, kam ihr die Besinnung und sie sprang noch rechtzeitig hinzu, um Taffe und Teller vor der Verunreinigung durch Christenhand zu retten. Ueber ihren Eifer mußte sie dann selbst ein bischen lachen. Als sie aber gelacht, fand sie auch bald die Sprache wieder, und konnte erzählen, was sie erschreckt. Der Onkel Ascher war aus Tetuan gekommen und hatte die Nachricht gebracht, daß die Verwandten es für ihre Pflicht hielten, sich der verwaisten Tochter ihres Stammes anzunehmen. Angesichts des bald zu erwartenden Todes der Ahne, sollte Menah die glückliche Gattin eines wohl-

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