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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-10-20 · Heft 43 (20.10.1868) · p. Seite 861

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 43 (20.10.1868)
Date
1868-10-20
Page
Seite 861 (sequence 12)
Language
German
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81 wnnscheiiSwerthen Einführungen im iC-c^c sind, und dafür Dingen Borschnb leisten, die ein gesunder religiöser Sinn anders haben will. Dagegen bekam die roinantisircnde, pietistisch thuenre (um nicht zu sagen rückschrittliche) Richtung unseres Vorstandes einen thätigen Bundesgenossen an rem Rkanne, den dieser zum Prediger in der Leopoldstadt an Stelle Jellinekö bcstiinmt hatte. Derselbe war auch schon in der Gemeinde, wo er früher mehrere Jahre Rabbiner gcwesen war, als Mann der Allen unr des Alten ziemlich offen ausgetreten und ließ sich als solcher auch gerne „ansrufen," besonders als die conservative berliner Repräsentanz um jeden Preis einen von den Alten haben wollte. Kaum war er in seiner Stelle, als unsere frommen, frömmeren und frömmsten streife sich so wunderlich zu diesem seltenen Manne hingezogen fühlten, daß man meinen müßte, der neue Prediger sei nicht ein junger Doetor, sondern ein altehrwürdiger Nab nach Art der Ez. Landau oder Moses Sofer. Was thut cs, wenn man einen Prediger gewählt, der alles eher als Prediger für Wien ist, was verschlägt es, wenn den Hunderten der Gemeinde das Einzige, was der Gottesdienst zur frommen Belehrung ihnen bieten sollte, unerträglich gemacht wird: unsere Hohen brauchen einen Mann von „ehrenhaften Gesinnungen, wackerem Wesen," einnehmendem Exterieur, die Predigt — die brauchen sie nicht. — Und endlich, was Gelehrtheit und theologische Qualification anlangt, so. wird man doch auch" hierin etwas leisten können, wenn man Jahre lang aus den Banken eines Semiuares gesessen hat! So zog also Frieden und Befriedigung mit dem neuen Prediger bei uns ein. Der andere Repräsentant des geistlichen Amtes aber, der Prediger in der Stadt, hatte von jetzt ab eine noch viel abschüssigere, ärgere Stellung. Was nützt cs, wenn sein Wort die gedrängte Schaar seiner Zuhörer hinreißt, was thut cs, wenn er bei jedem Anlasse schlagfertig dastcht, wenn es gilt die Interessen unserer Religion uild unseres Volkes gegen Eingriffe voll Außen oder Mißgriffe im Innern zu verfechten, woz»l seine Talente, sein Wissen, seine schriftstellerische Thätigkeit: ihm fehlt die Milch der frommen Denkungsart, er ist wohl Prediger, aber kein echter Jude l!!!j, eS ist ihm ein leichtes, über Vorschriften unserer Religion l?) sich hinauszusetzen, er har nicht das liebenswnrdige Entgegenkommen, nicht die biedere Amtsthätigkeit und nicht manche andere gerühmte Eigenschaft seines Eollegem Aber trösten wir uns, es sind diese Ver- \ ■ hältnijse nichts Neues, und man könnte reu Geschmacks unlerer hohen Kreise auch recht gut reelnsertigen, iiein;' I nur nicht das Ostensible, das Demoustrationssüchligej! an der Frömmigkeit unseres fronimcn lw.'s so sehr! P in die Augen stechen ivürde. Es rvar immer so, dckßt!! - Gelehrsamkeit (min nurr) und Frömmigkeit die Hauptzierden des Rabbiners bildeten, und- daß, wer in der erstcren sich hervorthat, in der zwei^'! ten sich etwas nachgeben durfte, und wer in der einen-! Eigenschaft schwächer war, in der anderen um so mehr)1 excellirle. Aber bann war es kein Paradiren mit' Käppchen, und keine Akarktschreierei mir allerlei Klein o, lichkeiten, die kaum der Rede werth sind. Das heißt) st nicht Orthodoxie, sondern Humbug, sowie es Humbug H ist, den alten Talmudisten zu spielen, ohne mehr als chst den Talmud lesen zu können. Aber man kann eben, § Landtags- und Neichsrathsabgeorrneter und iveiß Gon! f tvaS noch sein, und doch über die geistige Oualisieai f tion eines jüdischen Theologen uiit blauem Dunst umj nebelt, man kann ein Mann von liebenswürdigen |: Manieren und rechtlichen Gesinnungen sein, ohne deß- - halb ein guter Prediger, und mail kann endlich ein t pergamentenes Rabbinats-Diplom von einem bcrühnt- 's ten Talmudisten in Händen haben, ohne selber mehr . | — als „Verehrung" des Talmud zu haben. Aber s das sind Dinge, über die die Gemeinde im Ganzen, | und die Sachverständigen im Einzelnen zu urtheilen; | haben, und nichts ist verderblicher für ein gesundes j I Gemeindeleven, als ein eigensinniges und eigenmäch- - | tiges Vorgehen eines Vorstandes, der ganz und gar s | in Vornrtheilen und Unklarheit steckt. Beweis fein! § jüngstes Vorgehen in der Rabbinerfrage.! | Nach dem Hinschciden des scl. Rabbiner Horowitz | trat an den Vorstand die Frage heran, was jetzt zu;• thuu sei. Man hat darüber im Schooße der Gemeinde wie natürlich verschieden gedacht. Die Einen meinren, j * jetzt sei der Zeitpunkt da, wo man dieses unliebsame, Amt, das ans der Fnnetion des Fleischbeschaners seine, | Genesis herleitet, ganz und gar abrogiren könne, i H Tabula rasa mit dem Nabbinar. Die Anderen, mit s 1 ihren Traditionen ans der nahen ungarischen Gemeinde,| die noch immer nichts vergessen haben, freuten sich, j jj daß der Augenblick gekommen, wo ihr im RabbinacS--? Eolleginm sitzender Mann verrücken und das Heft! g des tviener Sanhedrin's in die Hände bekommen wurde. | Auch das wäre ein Schritt gewesen, dem wenigstens * | 43*

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