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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-14 · Heft 29 (14.7.1868) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 29 (14.7.1868)
Date
1868-07-14
Page
Seite 578 (sequence 8)
Language
German
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der neue Ritus, und alles, was mit demselben im Zusammenhänge steht, nach den Einrichtungen, wie sie der scl. Mannheimer getroffen hat. In diesem Rahmen war kein Wirkungskreis für den Rabbiner offen gelassen. Schule und Gotteshaus standen unter Leitung des Predigers. Dem Rabbiner blieben ausschließlich die Entscheidungen über Koscher und Trefa und die Vornahme von Scheidungen und Chaliza. Dem sel. Rabbiner Horwitz gelang es die Klippe zu umschiffen, und sich eine geachtete Stellüng zu erwerben und in heilsamer Weise zu wirken. Rabbiner Horwitz gehörte zur guten alten Schule. Wir betonen die Worte „guter alter". Er gehörte nicht zu den Halbwissern auf talmudischem Gebiet und hat daher nicht Zeter geschrien, wenn ein maus :m:u aufgehoben wurde. Er trug dazu bei, derartige Dinge aufzuheben. Wir erinnern, daß durch seine Initiative das Aussaugen des Blutes mittelst des Mundes bei Beschneidungen aufgehoben wurde. Wir glauben kaum, daß unsere heutigen Orthodoxen den Satz niedcrschreiben würden: -srrab so-nt ndti rvonona po» i:b •psi im b=> Nnrtob, wie ihn der sel. R. Moses Sofer bei dieser Gelegenheit nicdergeschricben hat. Rabbiner Horwitz war überdies von einer Bescheidenheit, Demuth und Anspruchslosigkeit, wie man sie selten findet. Schließlich betrachtete er als das tverthvollste Gut einer jüdischen Gemeinde: den Frieden. Durch diese Eigenschaften hat er sich allgemeine Achtung und Anerkennung erworben, und ist es ihm gar oft gelungen, den Frieden zwischen den streitenden Parteien herzustellen. — Daß er gerne gute Werke förderte, bedarf wohl kaum der Erwähnung, und hat er sich sehr thätig bei der Gründung des Vereines zur Unterstützung mittelloser israel. Studirendcr in Wien bewiesen, dessen Vorstandsmitglied er bis zu seinem Ableben war. Noch sei folgendes erwähnt. In Wien besteht jetzt ein Lvt-Iiamiüraset» mit einer reichhaltigen Bibliothek und in demselben werden von Fachmännern Vorträge über mehrere Disciplinen jüdischer Wissenschaft gehalten. Es ist jetzt jedem, der es will, die Gelegenheit geboten, der jüdischen Wissenschaft obzuliegen. Dieses war in frühern Zeiten nicht der Fall. Rabbinatscandidaten, die zu Anfang der vierziger Jahre in Wien waren, hatten keinen Ort und keine hebräischen Bücher, aus welchen sie lernen konnten. Schließlich war auch Niemand dazu bestellt, der den Unterricht erthellen sollte. Damals sagte der sel. Rabbiner täglich Abends in der polnischen Synagoge •vw’®. In Folge eines Ansuchens mehrerer Rabbinatscandidateii hielt derselbe talmudische Vorträge für dieselben. Der Vorstand räumte zu diesem Zwecke die Lokalitäten der Religionsschule in den Abendstunden, wo kein Religionsunterricht ertheilt wurde, ein und die Bücher wurden theils der Bibliothek der Religionsschule, theils der polnischen Synagoge rc. entlehnt. Unter den damaligen Hörern befanden sich, wenn wir nicht irren: vr. Schmiedl, jetzt Rabbiner in Proßnitz, Dr. Hirschfeld, jetzt Rabbiner in Temesvar, Di-. Wolf, jetzt Religionslehrer in Wien, Simon Deutsch, der mit Krafft den Catalog hebr. Manuskripte der Hofbibliothek herausgegeben hat rc. Die jetzigen Wiener Rabbinätscandidaten haben es bequemer; ob sie fleißiger sind, weiß ich nicht. — Bekanntlich hat uns der sel. Rabbiner einige Jahre talmudische Vorträge im jetzigen Dot-Iinmiüraseli gehalten. Das Leichenbcgängniß fand unter großer Betheiligung der Gemeinde am > 4. d. M. statt. Im Trauerhause hielten ein Enkel und ein Schwiegersohn des Verstorbenen, die Herren Brüll und Rabbinatsassessor Spitzer von hier Leichenreden. Auf dem Gottesacker sprachen die Herren Prediger Dr. Jellinek und Güdemann. Ersterer citirte aus dem mb® die Stelle, daß man sich beim Gebete anständig benehme. Die drei wichtigsten Rabbinate in Oesterreich, in Wien, Preßburg und Pest sind jetzt erledigt. Wer sind die würdigen Nachfolger? Brünn, 7. Juni. Ein Statthalterei-Erlaß theilt dem Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn mit, daß der Minister des Innern mit Berufung auf die unzweifelhafte Widmung des jüdischen Landesmassefonds als Eigenthum der mährischen Judenschaft und in Ausführung der Staatsgrundgesetze beschlossen hat, die Verwaltung dieses Fonds der In denschaft zu überlassen. Die jüdische Cultusgemeinde in Brünn wurde daher, wie der M. C. meldet, aufgefordert, einen Delegirten zu wählen, welcher an den Berathungen der demnächst einzuberufenden Versammlung von Delegirten aller Judengemeinden Mährens theilzunehmen hat. Diese Versammlung hat Vorschläge zu erstatten, wie dieser Fonds in. Zukunft verwaltet und zu welchem Zwecke er verwendet werden soll. Wie wir vernehmen, hat die Brünner Cultus-

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