Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1868-07-14 · Heft 29 (14.7.1868) · p. Seite 577

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
32 (1868)
Issue
Heft 29 (14.7.1868)
Date
1868-07-14
Page
Seite 577 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226635-3226665--26255-3261788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

577 bereit zur Heranbildung von Geistlichen und Seelsorgern bestimmten Anstalten aus Staatsmitteln Sorge tragen und die Oberaufsicht über dasselbe, wie er sie sich über alle Unterrichts-Anstalten vorbehält, ausüben. Zur unmittelbaren Leitung sei jedoch ein jüdisches Curatorium zu berufen. — Indem der Vorstand diese lleberzeugung ausspricht, findet er sich jedoch, in Anbetracht der Dringlichkeit des Gegenstandes und in Berücksichtigung der gegenwärtigen finanziellen Lage des Ltaates, zu der Aeußerung veranlaßt, daß 1. eventuell die jüdischen Landesmasse-Fonds mit einer verhältnißmäßigen Quote und ohne Beeinträchtigung ihrer sonstigen Zwecke zur Gründung und Erhaltung des Rabbi- „ats-Seminars herangezvgen werden mögen, und daß 2. zu erwarten stehe, daß die jüdischen Gemeinden durch freiwillige Beiträge das Zustandekommen des erwähnten Institutes befördern werden. Schüler, welche im Seminare ausgenommen werden wollen, müssen außer Bibel- und Talmudkenntniß, das Unter- und Obergymnasium absolvirt und die Maturitätsprüfung gemacht haben. — Der Cursus ist auf fünf Jahre berechnet. Diejenigen hingegen, die Aufnahme fanden, ohne die nöthige wissenschaftliche Vorbildung zu besitzen, sollen sieben Jahre im Seminare zubringen. Man hat in solcher Weise das Proseminar, welches man prineipiell ausgeschlossen wissen wollte, wieder eingeschmuggelt. — Bezüglich des Standortes des Seminars sprach sich der Vorstand für Prag aus; nur Herr I. W. Guttmann plaidirte für Wien und hat in diesem Sinne ein Separatvotum abgegeben. Motivirt wird dieser Vorschlag damit, weil Prag eine alte große Gemeinde ist, in welcher sich eine Universität und eine Bibliothek befindet. Da alle diese Momente mit Ausnahme des Alters, welches doch hier nicht entscheidend sein kann, auch in Wien vorhanden sind, so muß sich der Vorstand bei diesem Votum von einer pensöe haben leiden lassen, die mir jedoch unbekannt ist. — Wie Dr. G. Wolf in seinen „Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität" berichtet, sprach sich der ehemalige Referent dieses Faches im Ministerium für Cultus und Unterricht ebenfalls für Wien aus. Warten wir also ab, was das Ministerium jetzt sagen wird. Wien, 24. Juni. Am Montag den 22. d. hat De. Sigismund Feßler von Wien die judieielle Richteramtsprüfung im Beisein der Prüfungs-Commissäre Professor Wahlberg und Grasser abgelegt und wurde als selbstständiger Richter approbirt. De. Feßler ist der erste Jude, der diese Prüfung abgelegt hat, und wird derselbe den ihm vom Wiener Ober-Landesgerichte zugewiesenen Posten beim städtisch-delegirten Bezirksgericht Leopoldstadt als Richter mit 1. September antreten. (Es ist übrigens der zweite Fall, daß ein Jude in die richterliche Carriere in Oesterreich eingetreten ist.) Wien, 17. Juni. tPrivatmitth.) Die hiesige israel. Gemeinde hat wieder einen herben Verlust erlitten. Herr Rabbiner Lazar Hör Witz ist nach längeren Leiden am 11. d. M. gestorben. Der Verblichene stammt bekanntlich von einer der berühmtesten Familien in Israel ab und braucht man nur daran zu erinnern, daß zu seinen Ahnen auch der nbw gehört. Er war im wahren Sinne des Wortes ein nbwbw ■pörrrti. Doch will ich aufrichtig bekennen, würde er dieses Verdienst allein besessen haben, wenn man dieses schon als Verdienst gelten lassen will, so wäre es nicht so hoch anzuschlagen. Er hatte jedoch iiairp on-p, wodurch das Hinscheiden desselben eben empfindlich wird. — Der Verblichene wurde am Neumondstage Schebat 5564 (1804) zu Floß in Baiern geboren. Als er herangewachsen war, besuchte er die Jeschiba zu Preßburg, welche zu jener Zeit unter R. Moses Sofer blnhete. Im Alter von 25 Jahren, im I. 1829, wurde Lazar Horwitz von seinem Lehrer der Wiener Gemeinde empfohlen, und seit jener Zeit wirkte er ununterbrochen, bis der Herr ihn abberief. Die Bahn, die er zu betreten hatte, war nicht mit Rosen bestreut. Wir sagten, Herr Horwitz wurde im Jahre 1829 zum Rabbiner der Wiener Gemeinde gewählt, wir müssen uns jedoch corrigiren. Zu jener Zeit durften die in Wien tolerirten Israeliten, keine Gemeinde bilden. Sie dursten nur schlechtweg „die Israeliten Wiens" genannt werden und war diese Bezeichnung gegen die frühere „die Judenschaft" oder „die gemeine Judenschast" als ein Fortschritt zu betrachten. Die Wiener Israeliten durften auch keinen Rabbiner haben und Herr Horwitz wurde unter dem Titel: „Koscherfletschaufseher" angestellt. So war die Stellung Horwitz's nach Außen. Noch unerquicklicher war sie nach Innen. Seit dem Jahre 1826 bestand

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.