Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 28 (1864)
- Issue
- Heft 13 (22.3.1864)
- Date
- 1864-03-22
- Page
- Seite 195 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ISS schen Satzungen aufzuheben. Und obschon es uns bekannt ist, daß manche Juden den Sabbath nicht heiligen rc., und zwar selbst Mitglieder der Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M.; so haben sie dieses nicht als Princip ausgesprochen. Der „Kirchenzeitung" kam obige Aussage sehr ungelegen; sie wollte, wie sie dies in der Neujahrsnummer aussprach, einen Keil in die Judenheit hineingeschoben wissen, und siehe da, 121 Rabbiner suchen sich der Kirchenzeitung gefällig zu zeigen und behaupten: das Judenthum sei getheilt und gespalten. Die „Kirchenzeitung" in Duselseligkeit drückt die knoblauchriechenden Rabbiner ans Herz und erzählt von den zahlreichen Seelen unter den Juden, auch die Kabbalisten bilden eine besondere Secte. Das geehrte Journal findet dabei Gelegenheit, eine Ignoranz an den Tag zu legen, die wahrhaft staunenswertb ist; die Quelle, aus welcher sie schöpft, ist das Buch des getauften Juden Bonaventura Meyer und es zeigt sich da neuerdings, wie wenig Sinn und Verständniß das Journal für die wissenschaftliche Behandlung eines Gegenstandes hat. Wenden wir uns nun zu den Protestanten. Und da müssen wir sagen, daß wir ihren Schritt gewissermaßen begreiflich finden. Diese Herren bedürfen der Spaltung, weil sie sonst kein Amt und keine Stellung hätten und eben gar nichts wären; theils Selbsterhaltung, theils Ehrgeiz, theils Unkenntniß (eö gibt unter den 121 Rabbinern Personen, die nie ein deutsches Buch gelesen haben) führten obiges Resultat herbei. Wir fragen jedoch die Herren, welche behaupten die wahrhaft Orthodoxen zu sein und aus dem Standpunkte von R. Moses Sofer zu stehen: hätte der Moses Sofer erlaubt, daß Juden eine deutsche Zeitung für jüdische Interessen schreiben oder lesen; hätte er zugegeben, daß Rabbiner in deutscher Sprache eine Erklärung abgeben? Hätte es vor seinen Augen Entschuldigung gefunden, daß Herr Rabbiner Dr. Hildesheim die Erklärung deutsch abfaßte, weil er uncorrect hebräisch schreibt? Sträflich jedoch ist es, daß die Erklärung in einem wahrhaft jesuitischen Tone abgefaßt ist. Wer blos die Erklärung liest, müßte glauben, man habe in Wien die Ankunft des Messias geleugnet und die Verbindlichkeit der jüdischen Gesetze in Abrede gestellt; — doch wann und wo ist dieses geschehen? Wozu also die feindliche Erklärung? . . . Betrachten wir nun die 12 l Protestanten näher. In solchen Fällen müssen die Stimmen nicht bloS gezählt sondern auch gewogen werden. Herr Dr. Hildesheim, der Motor der Agitation, steht bescheiden in der Mitte. Er besitzt jetzt nicht bloS das Zeugniß eines Stuhlrichters über seine Orthodoxie, er kann auch auf seine Bundesgenossen Hinweisen. Freilich wird er noch Studien machen müssen, um correct hebräisch zu schreiben, und es wird noch ein Weilchen dauern, bis er schlagfertig auf talmudischem Gebiete sein wird. Ihm voran geht der ehemalige mährische Landesrabbiner, dem es unter den mährischen Lamdanim zu schwül wurde und der es deshalb vorzog, der Rabbiner einer Fraction zu werden. In seiner Monatsschrift fordert er geradezu die Korchim in den Gemeinden auf — und welcher Gemeinde fehlt es an solchen — die Gemeinden zu spalten und zu theilen. Herrn Dr. H. folgt der große Redacteur, welcher sich mit den Tefillin hat abconterfeien lassen, auf welchen der sel. Sachs in witziger Weise das Wort der Talmude anwendete: nt 'ist ’n» ba um •■pbari b» “tiap Betrachten wir nun im allgemeinen die Liste, so bemerken wir vor allem, daß nicht ein einziger Rabbiner aus Galizien die Erklärung unterschrieb, die mährischen Gemeinden sind durch einen Rabbiner vertreten, und zwar durch den unbedeutendsten, wobei bemerkt werden muß, daß der Landesrabbiner dem wiener Landesgerichte im Sinne Mannheimer's in der Prozeßangelegenheit ein Gutachten abgab. Böhmen ist durch einen Rabbiner, Schwiegersohn des Herrn Hirsch, und durch den Präger Dajan S. Freund, der auf dem Gebiete der Machloketh sich einen Ruf erworben hat, vertreten. Diese Daten allein werden hinreichen, den Protest zu kennzeichnen. Die meisten der Unterzeichner, 85 an der Zahl, sind aus Ungarn. Der größte Theil der Orte, wo diese Herren als Rabbiner und sogar Oberrabbiner fungircn, sind kaum auf den gewöhnlichen Specialkarten des Königreichs Ungarn verzeichnet. Wir begegnen da Männern, welche die Petition an den ehemaligen Cultusminister Grafen Thun unterschreiben (s. A. Z. d. I. 1863, No. 11), in welcher das Conviet zu Padua und das Seminar zu Breslau als neologische und staatsgefährliche bezeichnet werden und die Zukunft des Judenthums von der Errichtung einer Rabbinatsschule 13