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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1864-03-22 · Heft 13 (22.3.1864) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
28 (1864)
Issue
Heft 13 (22.3.1864)
Date
1864-03-22
Page
Seite 194 (sequence 8)
Language
German
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194 durch die Prüfungen und Leiden, die sie durchzukämpfen haben, im Bewußtsein ihrer Berechtigung, ja ihrer sittlichen Nothwendigkeit kräftig und rüstig vorwärts und werden hoffentlich, gestützt auf die moralische Unterstützung wie auf die thatkräftige und wohlwollende Förderung von seiten der Gemeinden, immer segensreicher emporblühen und sich dem großen Ganzen des Schulorganismus würdig einreihen." Oefterreickischer Kaiserstaat. Wien, 5. März. Die amtlichen Personalien melden unter anderm: „Dem Rabbinats-Candidaten Jacob Jüttes in Lemberg ist in Anerkennung seiner Verdienste das goldene Verdienstkreuz verliehen worden." — Linz, 7. März. Öberösterreichischer Landtag. IV. Sitzung. Auf der Tagesordnung steht der Bericht über den vorjährigen Antrag des Dr. Kleiner, betreffend die Berechtigung der Israeliten zum Besitze unbeweglicher Güter in Oberösterreich. Hierüber hatte der Landesausschuß folgenden Antrag gestellt: „Der hohe Landtag wolle beschließen, es sei mit Hinblick auf den §. l9 der Landesordnung das k. k. Staatsministerium anzugehen, daß es zur definitiven Regulirung der staatsbürgerlichen Verhältnisse der Israeliten im allgemeinen eine Vorlage bei dem Reichsrathe einbringe, und weiteres, daß es, soweit die provinziellen Verhältnisse besondere Norm erheischen — nach der im Wege der Reichsgesetzgebung erwirkten Feststellung der allgemeinen Grundsätze, gleichfalls durch eine Regierungsvorlage an den oberösterreichischen Landtag auf vollständige Regulirung der staatsbürgerlichen Rechtsverhältnisse der Israeliten im Lande ob der Enns entsprechend hinwirke." Da diese Frage, nach des Berichterstatters Dr. Figuly's Bemerkung, bereits im Reichsrathe zur Sprache gekommen und daher zu erwarten sei, daß dieselbe auf zeitgemäße Weise werde geordnet werden, so wurde diese Angelegenheit über seinen im Namen des Landesausschusses gestellten Antrag vertagt. (Mit dieser Vertagung dürfte wohl so manchem der Herren Abgeordneten ein Stein vom Herzen gefallen sein. Uns wäre eS angemessener erschienen, wenn die Landesvertretung ihr Votum in dieser Frage abgegeben hätte und wenn den wahrhaft liberalen Abgeordneten damit Gelegenheit geboten gewesen wäre, ihre „Unabhängigkeit" — diesesmal gegenüber einem Theile ihrer Wähler zu beweisen.) Preßburg, 9. März. (Privatmitth.) Die „Wiener Kirchenzeitung" reibt sich vergnügt die Hände, sie ist voll Jubel und Freude und Juden haben ihr diese Freude bereitet. Es war ihr diese Freude zu gönnen. Die Juden haben ihr bisher viel Aergerniß und Kummer bereitet. Wiederholentlich klagte sie darüber, daß die Juden alle Reichthümer besitzen (unbefangene Leute behaupten zwar, daß es sehr, viele arme Juden und viele reiche Christen gebe. Man will sogar wissen, daß die Klöster in Oesterreich ein Vermögen besitzen, welches hinreichen würde, die österreichischen Staatsschulden, die bekanntlich ein artiges Sümmchen ausmachen, zu bezahlen); dann ärgerte sie sich wieder, daß die armen Christen von den Juden bedrückt werden, und wer wird es wohl wagen das Gegenthcil zu glauben, wenn die sanfte Kirchenzeitung, die voll von christlicher Liebe ist, einen derartigen Satz ausspricht. Wohl hat der galizische Jude noch jetzt Schulzeugnisse beizubringen und sich über seine Bildung auszuweisen, damit es ihm vergönnt sei, ein Grundstück anzukaufen; Tirol und Steiermark wollen keinem Juden Einlaß gewähren; im wiener Gemeinderath wird die Frage verhandelt, ob ein Jude zu einem magistratischen Amte zuzulassen sei, und unter den neuernannten Mitgliedern des Unterrichtsrathes befindet sich nicht ein einziger Jude rc. rc.; doch die edle Kirchenzeitung will gewiß nicht die Juden verleumden. — Der Leser wird vielleicht fragen, welche Inden der „Kirchenzeitung" diese Freude bereitet haben. Nun es waren 12 l protestirende Rabbiner. Die Herren Mannheimer und Horwitz erklärten bekanntlich bei Gelegenheit des Kompert'schen Prozesses vor Gericht, es gebe nur ein Jichenthüm, nur gibt es Juden, welche laxer oder strenger die Satzungen beobachten. Diese Herren haben da nur den Satz ausgesprochen, den die gesammte Judenheit ausspricht: ■'»i f-iKa imt ■ns btniir* Man sollte glauben, daß jeder Jude diesen Satz unterschreiben müsse; die Herr. Mannheimer und Horwitz waren umsomehr im Rechte, dieses auszusprechen, da unseres Wissens im ganzen Kaiserstaate weder eine jüdische Gemeinde noch einzelne Juden öffentlich ein Bekenntniß abgelegt haben, die jüdi-

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