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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-10-30 · Heft 44 (30.10.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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rathen. Seorj Sachs bewirkte es, daß die Partei der Amharazim Akibas, Eger im Stich ließ, sich den Neuen anschloß und denselben zum Sieg; verhalf. In späteren Jahren erzählte er gern von den erregten Szenen, welche damals die Gemüther erhitzt hatten. Er hinterläßt eine zahl--., reiche Nachkommenschaft, die, meist sehr wohlhabend, ihn wie einen, Patriarchen geehrt hat. — Nachträglich sei noch mitgetheilt, daß voreiniger Zeit Hierselbst Herr Martin Kornfeld im Alter von 64 Jahren verstorben ist. Er war ein'Enkel des Oberrabbiners Akiba Eger und- , der älteste Sohn des wohlbekannten Samuel Kornfeld, in dessen gastlichem Haus fast alle Studirenden der jüdischen Theologie in Breslau.' seinerzeit verkehrten. Der Verstorbene war Inhaber einer Buch- und? Kunsthandlung, verstand sich gut aus Antiquitäten und war in früheren Zeilen bei dem ehemaligen Bischof Przyluski sowie beim polnischen Adel beliebt. Martin Kornfeld beschäftigte sich auch viel mit biblischen Studien. Ein Aufsatz über die Hygiene der jüdischen Speisegesetze hatte', den Beifall von Virchow gefunden und wurde in dessen „Archiv" abgedruckt. Noch im vorigen Jahre hat er in den Populär-wissenschaftlichen Monatsblättern einen Aufsatz veröffentlicht: „Wo fängt der Mosaismus. an und wo hört er auf?" Die hiesigen Zeitungen, auch die polnischen, haben ihm durchweg ehrende Nachrufe gewidmet. K. Hannover, 27. Oktober. Die Erziehungsanstalt in Ahlem wurde im Laufe dieses Monats von Herrn Dr. Sonnenfeld, dem ständigen Sekretär der jüdischen Kolonisationsgesellschaft für Argentinien, und Herrn Rechtsanwalt Plotke in Frankfurt a. M. besucht, und nach' entgehender Prüfung sprachen die Herren ihre volle Zufriedenheit mit der Einrichtung der Anstalt und dem Unterricht, den die Schüler und Lehrlinge dort empfangen, aus. Es werden seitens der Kolonisations- Gesellschaft derselben einige Zöglinge überwiesen werden, die für ihreti" Beruf als spätere Kolonisten vorbereitet werden sollen. Von einer Uebertragung an die Kolonisationsgesellschaft, wie irrthümlich in Nr. d dieser Zeitung berichtet wurde, ist durchaus keine Rede gewesen und von keiner Seite nicht einmal eine Anregung gegeben. Die Anstalt sieht der Ertheilung der Rechte einer juristischen Person täglich entgegen und wird nach wie vor ihr Augenmerk auf die Heranbildung tüchtiger Gärtner und Ackerbauer für die Heimath richten. In der Besprechung des Vorstandes mit den genannten einflußreichen Männern wurde auch die Frage erwogen, wie den jungen Gärtnern, die etwa hier keine Stellung finden sollten, nach Absolvirung ihrer Militärpflicht zu helfen sei, und es wurde die Aussicht eröffnet, daß ihnen in den Kolonien ein weites Feld für ihre Thätigkeit geboten würde und sie dort bei Fleiß und Tüchtigkeit eine gute Lebensstellung sich gründen könnten. T. Westfalen, 20. Oktober. Zu Aertzen bei Hameln hatte sich das schlichte, brave, alte Ehepaar Gronsfeld zum Abzüge nach Harsewinkel bei Warendorf gerüstet, wo zwei seiner Töchter verheirathet sind." Da auch die übrigen Kinder säst alle auswärts verheirathet leben, so fühlte es sich vereinsamt. Es mochte ihm am Abende vor der Abreise recht schwer ums Herz sein, den lieben Heimathsort zu verlassen, als plötzlich das Haus mit seiner Umgebung in allen Farben erglänzte, und als sie bestürzt ob dieser Erscheinung aufschauten, drängte es sich um und in das Haus, voran der Vorstand des Bürgervereins, dann Bewohner des Ortes und Bauern aus benachbarten Dörfern, sie wollten das biedere Ehepaar nicht ohne Zeichen der Verehrung und Achtung scheiden sehen. Die Umgebung des Hauses war bengalisch beleuchtet, ein prächtiger Fackelzug hatte vor dem Hause Halt gemacht; die so Ueberraschten wurden in das geschmückte Vereinslokal des Bürgervereins geführt. Hier wartete ihrer ein schönes Abschiedsfest unter Reden und Toasten, Scheide- und Freudenthränen. Dieser Vorgang ist insoweit werthvoll, als gerade in dieser Gegend der Antisemitismus arg gewühlt hat, aber doch nicht die besseren Regungen der Menschenachtung zerstören konnte. Of. Bocholt, 13. Oktober. Verflossenen Dienstag feierte die hiesige Gemeinde das schöne Fest der 50jährigen Amtsthätigkeit des Herrn Lehrers I. Spier, welcher an der hiesigen israelitischen Schule 30 Jahre thätig war. Vormittags fand im Schützenzelte die offizielle Feier statt. Außer der ganzen jüdischen Gemeinde waren der Herr Bürgermeister Geller, der ehemalige Herr Bürgermeister, die Kollegen des Herrn Jubilars vom hiesigen Gymnasium, der katholischen und evangelischen Schule, der Lokal-Schulinspektor Herr Pastor Quade und viele christliche Freunde des Herrn Jubilars erschienen. Zuerst feierte Bürgermeister Geller den Jubilar in schwungvollen Worten. Er betonte unter anderm, daß es ihm eine um so größere Freude sei, ihn im Namen der Stadt zu begrüßen und zu beglückwünschen, als der Jubilar sich im hohen Maße die Sympathien der ganzen Bürgerschaft erworben hätte. Mit einem Hoch auf den Kaiser, den Beschützer der Schule, schloß der Bürgermeister seine Rede. Nach ihm sprach der Herr Lokal-Schulinspektor Pastor Quade, der in warmen Worten ausführte, daß er stets Gelegenheit gehabt habe, zu beobachten, ein wie pflichttreuer und gewissenhafter Lehrer der Herr Jubilar gewesen sei, und daß er demselben nach solch einem arbeitsreichen, pflichttreuen Leben von ganzem Herzen einen wohlverdienten, friedlichen Lebensabend wünsche. Darauf sprachen noch Rektor Waldau im Namen der Lehrer vom Gymnasium, Lehrer Körte im Namen der katholischen und Lehrer Meyer im Namen der evangelischen Lehrer. S.ämmtliche Kollegen zollten der Thätigkeit des Jubilars ihre Anerkennung und hoben besonders das schöne kollegialische Einvernehmen hervor. Im Namen der jüdischen Gemeinde betonte der Vorsitzende im Vorstand, Herr M. Braunschweig, das friedliche Verhältniß zwischen Lehrer und Gemeinde, stattete für die segensreiche Thätigkeit in der Gemeinde seinen herzlichsten Dank ab und ließ ebenso wie der Vorsitzende der Repräsentanten seine besten Wünsche für den Herrn Jubilar laut werden. Es folgte noch eine Beglückwünschung von Seiten der ehemaligen Schüler und viele poetische Vorträge. Nun erhob sich der Jubilar, der tief ergriffen nach allen Seiten hin seinen Dank abstattete und in längerer Rede die verschiedenen Stadien seiner 50jährigen Amtsthätigkeit durchging und die Grundsätze betonte, die ihn stets in seinem Berufe geleitet hätten. Nach dieser ausgezeichneten Rede, die. auf jeden . Anwesenden augenscheinlich einen tiefen Eindruck machte, folgte ein Frühstück, an dem alle offiziellen Vertreter theilnahmen. Abends kam die Fidelitas zur Geltung. Ein Festessen vereinigte alle Gemeindemitglieder. n. Offenburg i. B., 25. Oktober. Die Generalversammlung des Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise wurde mit der Mittheilung eröffnet, daß der Verein dem Großherzoge zum 70. Geburtstage eine Adresse gewidmet hat. Dieselbe zeigt ein Landhaus, von welchem eine badische Fahne herabweht. Vor dem Hause steht auf der einen Seite ein Stelzfuß, der begeistert seinen Hut der Fahne zuschwingt. Auf der andern Seite sitzt ein alter Mann, den eine Pflegerin auf den großen Lorbeerkranz aufmerksani macht, den sie in der Hand trägt. Dieser Kranz umschließt die Inschrift: F. 9. September 1896. Die Adresse lautet: „Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog Friedrich bringt zum siebzigsten Geburtstag dankend ehrerbietige Huldigung dar das Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise " Unterschrieben sind alle 18 Vorstandsmitglieder. Auf einem zweiten, in derselben Mappe liegenden Blatte wurde der folgende Bericht erstattet: „Am 27. Mai dieses Jahres haben Eure Königliche Hoheit gnädigst gestattet, daß das zu errichtende Asyl für israelitische Sieche und arme Greise zu den Erinnerungszeichen gerechnet werden dürfe, welche noch späten Zeiten künden sollen, daß das siebzigste Geburtsfest des allgeliebten Landesherrn in allen Schichten der Bevölkerung mit jubelnder Freude und verehrendem Danke gegen Gott gefeiert worden ist. Das Hau^ zu errichten, welchem die Huld Ew. König!. Hoheit den Ehrennamen Friedrichsheim verliehen hat, war bisher noch nicht möglich. Deshalb können wir heute nur den ersten Bericht über die bisher angesammelten Mittel und die Zahl der Mitglieder zu den Stufen des Thrones niederlegen. Das bisherige Ergebniß ist: Am n. Oktober. Mk. 1. Schenkungen zum Grundstück ..... 39 272,25 2. Jahresbeiträge von 542 Mitgliedern 4485,— 3. Spenden. 859,70 4. Zinsen .. 77,34 44694,29 Mk. 40 345,75 von 592 : 4747,— 964,95 556,36 46 614,06 5. Schenkung der Frau Hofrath S. Moos Wwe. in Heidelberg zum Andenken ihres verstorbenen Mannes. ..... . 20 000,- 20000,- 64694,29 496,— Hiervon ab Unkosten. 64198,29 von welchen 62 566,29 (63 731,89) Mk. zinstragend angelegt sind. Hoffentlich wird es uns recht bald vergönnt sein, zu berichten, wie in dem aus

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