Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1896)
- Date
- 1896-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228148-3228169--52812-3258455- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Posen gebürtig und war Jahrzehnte lang Rabbiner in Schwerin a. d. W Seit etwa 25 Jahren lebte er hier -in -Berlin --in; glückliches Maß-;-, doch hat er auch hier als Prediger in verschiedenen Synagogen bis ansein Lebensende fungirt. Mit Aron Cassel ist einer der würdigsten Vertreter des modernen RabbinerstaNdes dahingegangen. Der heilige Ernst, der fromme Eifer, die Lauterkeit der Gesinnung, mit der er sein Amt auffaßte und ausübte, werden unvergessen bleiben. Ein Sohn des Verstorbenen ist der bekannte Stadtverordnete Rechtsanwalt Cassel hier. Das Leichenbegängniß findet am Mittwoch statt. Möge dem edlen Manne die Erde leicht sein! ££» Berlin, 11. Mai. Am 9. d. M. fand im Leipziger Garten die ordentliche Generalversammlung des liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde statt. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. H. Veit-Simon, eröffnete dieselbe mit einerlängeren Ansprache über die Lage des Vereins, über die durch die Wahlen neugeschaffene Situation und über die Aufgaben, die dem Verein für die nächste Zeit erwachsen. An diese mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache knüpfte sich eine längere und zum Theil recht animirte Debatte über die Mittel der Agitation innerhalb der Gemeinde in der die Ausführungen des Herrn Justizraths Mako wer den Mittelpunkt bildeten Mit der Klarheit und Sachlichkeit, mit der Milde und Wärme, die diesem Manne eigen, entwickelte er in längerer Rede die Aufgaben, die der Verein zu erfüllen habe, und versprach, an der Erfüllung dieser Aufgaben eifrig mitzuarbeiten. Nach Schluß der Diskussion fand die Neuwahl von Mitgliedern des Ausschusses statt. Die statutenmäßig ausgeschiedenen Mitglieder wurden einstimmig wiedergewählt; außerdem wurden die folgenden Herren per . Akklamation in den Ausschuß hineingewählt: Prof. Buka, Wilhelm Tafch, Willibald Löwenthal, Rechtsanwalt Felix Makower, Stadtverordneter G. Wittkowski, Adolph Mayer, Hugo Heilmann, Dr. Engelmann, Moritz Cheim, Dr. Lewin, Rechtsanwalt Stillschweig, L. Hamm^rstein, Michael Cohn, Emil Mosse, Dr. B. Holz, Louis Eduard Sachs, L. Mecklenburg, I. Löwenstein, Benas Levy, H. Rothenstein, Hermann Hirsch, Ignatz Lasch in Charlottenburg. Zum Schluß wurde der Antrag des Herrn Jacob, dem Borstande den Dank für seine Leitung der Vereinsangelegenheiten auszusprechen, einstimmig angenommen. Der Verein hat eine große Aufgabe in unserer Gemeinde zu erfüllen, er hat das Banner der liberalen Idee hochzuhalten' gegenüber allen Reaktionsversuchen. Möge er unbeirrt an dieser Aufgabe arbeiten! Die überwiegende Majorität der Gemeinde steht auf seiner Seite, und bei eifriger, zielbewußter Agitation kann es ihm auch nicht fehlen, dieser Idee des religiösen Fortschritts den Sieg zu verschaffen. Berlin, 6. Mai. Die „Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 2. d. Mts. eine zahlreich besuchte Versammlung ab, der als Gast Herr Lehrer Löwenberg aus Marburg beiwohnte. Der Vorsitzende, Dr. Adler, reserirte über seine Verhandlungen mit dem Lehrer Cohn-Cüstrin betreffs der konstituirenden Versammlung des Provinzialvereins, die am Pfingstmontag Vormittag 11 Uhr im Münchener Hof stattfinden solle, und machte darauf aufmerksam, daß es unabweisliche Pflicht jedes Mitgliedes sei, in dieser Versammlung zu erscheinen. In Bezug auf die Wahl des Vorstandes des Provinzialvereins wird gemäß eines Antrags Blaschke beschlossen, eine Kommission von 2 Vorstandsmitgliedern und 3 sonstigen Mitgliedern zu wählen, welche die Kandidatenliste aufzustellen habe. Die Wahl fällt auf die Herren : Dr. Adler, Dr. Blaschke, Flanter, Remack, Tichauer. — Eine Anfrage des Vorstandes, wie sich die Vereinigung zu dem Plane eines Sommerausfluges stelle, wird dadurch erledigt, daß beantragt und beschlossen wird, diese Frage in der Junisitzung zu besprechen. — Die für den Monat Juni in Aussicht genommene wissenschaftliche Sitzung wurde bis zum September vertagt, damit nicht durch das Eintreten der großen Ferien eine eingehende Diskussion verhindert: werde. — Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag-. Sachs auf Gründung einer Darlehnskasse. Nach lebhafter Er-i örterung wurde ein Antrag Blaschke angenommen: Die „Wissenschaftliche Vereinigung" beschließt die Gründung einer Darlehnskasse und beauftragt eine Kommission von 3 Mitgliedern mit den nöthigen Vorarbeiten. Zu Mitgliedern der Kommission wurden die Herren Dr. Jaffe, Klein und Traubenberg gewählt. Damit war die Tagesordnung erledigt, und die Fidelität trat in ihr Recht. Der Frohsinn der Mitglieder wurde ' erhöht durch den Vortrag von Liedern und durch verschiedene Ansprachen, von denen namentlich der Toast des Gastes Herrn Löwenberg auf den Lehrer-Berband sehr beifällig ausgenommen wurde. OO Königsberg, 10. Mai. Die vorläufige j Tagesordnung für die Konferenz der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens am 24. und 25. Mai 1896 in Allenstein lautet für Sonntag, den 24. Mai, Abends 7 Uhr Generalversammlung. 1. Bericht des Vorsitzenden über die Thätigkeit des Vereins im vergangenen Jahre. 2. Kassenbericht. Referent Birnbaum-Königsberg. 3. Statuteyberathung. Referent Kanter-Ortelsburg. 4. Vorstandswahl. 5. Antrag des Vorstandes auf Anschluß an den Verband der jüdischen Lehrer-Vereine im deutschen Reiche. Referent Peritz-Königsberg. 6. Antrag des Vorstandes, ein um das jüdische Schulwesen Ostpreußens hochverdientes Mitglied zum Ehrenmitglieds des Vereins zu ernennen. Referent Sturmann-Osterode. 7. Feststellung der Tagesordnung für die Versammlung, am folgenden Tage. Für Montag den 25. Mai, Vormittags 10l/2 Uhr Lehrer- Konferenz. 1. Begrüßung der Erschienenen. 2. Vortrag: Die methodischen Grundsätze für die Auswahl der Uebersetzungsstücke aus dem Siddur. Referendar Peritz-Königsberg. 3. Referat: Die materielle und soziale Lage der Religionslehrer und Kultusbeamten in Ostpreußen. Referent Sturmann-Osterode. 4. Vortrag: Die Geschichte des Synagogengesanges in Deutschland. Referent Birnbaum-Königsberg. 6. Lehrprobe aus dem Pentateuch-Uebersetzen. 2. Buch Mose XVII, 1—7, geh. von Kanter-Ortelsburg. 6. Lehrprobe aus der Einführung in die Liturgie, geh. von Caro-Allenstein. Abends gemeinschaftliches Festessen im Hotel Copernikus. - x. Aus der Provinz Posen, 5. Mai. Am 8. Jjar verschied in Filehne R. Mtzir Weyl, einer der größten Talmudgelehrten. Der Verstorbene, ein Schüler des berühmten R. Akiba Eger, beherrschte mit Meisterschaft die halachische und agadische Litteratur. In ihm vereinigten sich bedeutende Charaktereigenschaften mit scharfsinniger Verstandesthätigkeit. Aus seiner Gelehrsamkeit machte er nicht „einen Spaten, um mit ihm zu graben"; er blieb Privatmann. In seiner Vaterstadt Rogasen enfaltete er als langjähriger Vorsteher der israelitischen Gemeinde eine segensreiche Thätigkeit. Er erreichte das fast..patriarchalische Alter von 90 Jahren. Kp. Aus der Provinz Posen, im Mai. Frau Kounn§xKiemath Auerbach in Posen hat aus Anlaß der Vermählung ih^r Tochter jüngst für die städtischen Armen daselbst 6000 M. gespendet. E In der letzten Ergänzungswahl der 1. Stadtverordnetenabtheilung in Briefen wurden die Kaufleute Sally Moses und Marcus Friedländer gewählt. — Der in weiten Kreisen wohlbekannte Kürschnermeister und Rauchwaarenhändler Louis Biberfeld in Lissa hat bis jetzt 30 Jahre hindurch regelmäßig, im Ganzen 130 Mal, die Leipziger Messe besucht. Aus Anlaß dieses seltenen Jubiläums ist Herr Biberfeld von der Leipziger Handelskammer und vielen Geschäftsfreunden in Leipzig durch Glückwünsche erfreut worden. Auch eine Gratulation der Leipziger israelitischen Gemeindeging ein. — In Posen starb kürzlich plötzlich am Herzschlage der durch seinen Wohlthätigkeitssinn bekannte Kaufmann Benjamin Kray n, Inhaber der Kolonialwaaren-Großhandlung Gebrüder Krayn. Der Verstorbene soll ein Vermögen von vier Millionen Mark hinterlassen haben. — Ende April feierten die B. Salzmann'schen Eheleute in Neustadt bei Pirna das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erhielt ein Gnadengeschenk von 30 M. Ebenso erhielt es von dem dortigen jüdischen Krankenpflege- und Beerdigungsverein, in welchem der Jubilar viele: Jahre als ein pflichttreues Mitglied wirkte, ein kostbares Silbergeschenk.. — Am 27. April cr. wurde die Leiche des in Bromberg plötzlich verstorbenen Kaufmanns Joses Fink von dort auf den jüdischen.Friedhof daselbst zur letzten Ruhestätte gebracht. Das Trauergefolge war "ein besonders großes und bestand aus vielen hundert Personen aller Konfessionen. Besonders stark war der kleine Handwerkerstand vertreten,, dessen Angehörigen der Verstorbene stets in Zeiten der Noth ein wahrer Helfer war — Am 25. April verstarb plötzlich, nachdem er Tags zuvor noch selbst Briese an seine auswärtigen Angehörigen geschrieben hatte,, worin er seinen Besuch in Aussicht stellte, der Rendant und Sekretär" der israelitischen Gemeinde zu Samter, Herr Aron Mannheimer, im Alter von 63 Jahren, nachdem er dieses Amt fast 25 Jahre hindurch, mit Eifer und Pflichttreue sorgsam geführt hatte.