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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-04-30 · Heft 18 (30.4.1872) · p. Seite 354

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 18 (30.4.1872)
Date
1872-04-30
Page
Seite 354 (sequence 12)
Language
German
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.I.-Das Schwurgericht inBuzeu hat,-nachdem es die unschuldigen Juden yerurtheilt hatte, gestern sämmtliche Judenhetzer von Vilkov freigesprochen. Der amerikanische Generalconsul fordert die soforttge Freilassung der verurteilten Juden Sir Francis Goldsmid .hat die Sache bereits unter allgemeiner Zustimmung im englischen Unterhause zur Sprache gebracht. Der Minister verhieß seine Verwendung. Was nützt diese? Nur ein entschiedenes Vorgehen^ eine bestimmte Drohung kann helfen. ' Rußland. Warfchau, 28. März. Wie Petersburger Blätter melden, liegt dem Staatsrath gegenwärtig ein Gesetzentwurf zur legislatorischen Prüfung vor, durch welchen diejenigen Juden in Rußland, die sich mit Ackerbau beschäftigen, der christlichen Landbevölkerung in allen bürgerlichen Rechten und Pflichten völlig gleichgestellt werden sollen. Die russische Regierung ist schon seit Jahren bemüht, das zahlreiche jüdische Proletariat in den Städten der ehemals polnischen Provinzen durch Vergünstigungen und Unterstützungen aller Art für den Ackerbau zu gewinnen, und diese Bemühungen sind nicht ganz ohne Erfolg gewesen. Im Königreich Polen und in den westlichen Gouvernements bestehen bereits mehrere jüdische Ackerbaucolonien, die immer mehr Colonisten heranziehen und von denen manche sich eines gewissen Wohlstandes erfreuen. Odessa, 4. April. Die famose Geschichte des gestohlenen Muttergottesbildes hat sich vollständig aufgeklärt, und wir theilen dies hier mit, um zu zeigen, worauf alle derartigen Vorkommnisse hinauslaufen, die, wenn die Umstände passen, zu Judenverfolgungen benutzt werden. Es wird nämlich mitgetheilt: Das aus der Kathedrale "von Odessa abhanden gekommene wunderthätige Bild der kasperowkaschen , Mutter Gottes ist von einem Soldaten der Quarantainecompagnie unweit des Michaelklosters in einer zu Baumpflanzungen bereiteten Grube gefunden worden. Dasselbe war in ein Tuch gewickelt; dabei lag ein Schlüssel und ein Stemmeisen. Aus Finnland, im April. Bei dem jetzigen sinnländischen LaMM war auch eine Petition wegen freier Ansiedelung und Gleichberechtigung der Juden' eingegangen. Der Bürgerstand erklärte sich energisch dafür; aber die Majorität des Landtages lehnte die Petition ab. St. Petersburg, Anfang April. (Privatmittheil.) Wie die politischen Blätter wittheilen, ist im Staatsrath eine die Juden Rußlands betreffende Entscheidung von bedeutender principieller Tragweite getroffen worden. Es handelte sich nämlich darum, ob die jüdischen Gutsbesitzer auch zu den auf ihrem Grund und Boden gesetzlich hastenden kirchlichen Abgaben rechtlich verpflichtet seien? Diese Frage ist nun allerdings bejaht worden, jedoch mit der Bestimmung, daß aus den betreffenden Steuern Fonds's zu bilden seien, die ausschließlich zu jüdisch-consessionellen Zwecken, also zur Ausbildung und Besoldung von Rabbinern und Religionslehrern , zur Erbauung und Unterhaltung von Synagogen u. s. w. verwendet werden sollen. Diese Fonds's dürfen alsbald eine sehr beträchtliche Höhe erreichen, da, wie bekannt, die Juden Rußlands in sehr umfangreichem Maße hereits Landwirthschaft betreiben, resp. Grundeigenthum besitzen. So sind, wie die „Neue Zeit^ schreibt , in den 8 Gouvernements Südrußlands allein circa 90,082 Djesjatin in den Händen von Israeliten, und zwar im Gouvernement Kiew — 8082 Djesjatin; - Podolsk —11,834 Djesjatin; - Wolhynien — 35,002 Djesjatin; - Wilna — 2271 Djesjatin; - Kowno — 1971 Djesjatin'; - Minsk — 23,673 Djesjatin; - Witebsk 2012 Djesjatin; - Grodno — 5237 Djesjatin. Verläßlichen Berichten zufolge beabsichtigt die Regierung auch, um dem jüdischen Proletariat namentlich in den westrussischen Provinzen unter die Arme zu greifen und die Juden immer mehr für den Ackerbau zu gewinnen, für welchen'sie ebenso viel Geschick wie Ausdauer bekunden, die jüdischen Colonisten denen der anderen Confessionen in Rechten und Pflichten völlig gleich zu stellen. Man sieht hieraus, daß die Regierung das Schicksal der jüdischen Unterthanen beständig im Auge hat, wenn auch viele ihrerSchritte zur Ausbesserung der moralischen und materiellen Lage unserer Glaubensgenossen unserer Ungeduld zu langsam und zu wenig durchgreifend, erscheinen müssen. - Es

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