Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 29 (1865)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1865)
- Date
- 1865-08-29
- Page
- Seite 542 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Hrodna 2× ep/1044655
- Kaunas 2× ep/1000678
- Minsk 2× ep/1000754
- Vilnius 2× ep/1000947
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
lil MG;."/, 54fc ■$ noch jetzt kerne Sympathien im Volke, daher wurde der größte Theil derselben aufgehoben. Die Schulen ersten Ranges, obwohl von den Juden — 'Mit Ausnahme einiger Dertlichkeiten —"außer Acht 'gelassen, brachten; im Ganzen einen beträchtlichen Nutzen, der' übrigens j dem darauf verwendeten Kostenaufwand nicht entsprach e).» Die Privatlehranstalten, für Mädchen, da sie das, Zu-; trauen der Gemeinden, in deren Mitte sie gegründet wurden, genießen, befinden sich in befriedigendem Zustandes). D,ie letzten beiden Maßnahmen, nämlich die Gewährung der Rechte und der Stipendien, trugen jn gewisser Hinsicht gute Früchte, da die Anzahl der jüdischen Schüler in den Gymnasien und den Kreisschülen mit jedem Jahre zunimmt. — * Die Ursachen, die dem Wachsthum und Gedeihen der jüdischen Schulen entgegenstehen, theilt der Herr Berichterstatter in innere und äußere. Zu den letzteren zählt er den religiösen Fanatismus, der vom Beginne an eine feindliche Stellung den Schulen gegenüber einnahm, weil er in diesen als von der Regierung ausgehend einen directen Angriff auf die Religion und die traditionellen Gebräuche der Juden erblickte. Die Häupter der Chassidim, deren eigenes Interesse es fordert, daß die Masse in Aberglauben verharre, sahen wohl ein, daß die in diesen Schulen gebildeten jungen Leute nie ihre Anhänger werden können; sie sahen also ihre eigennützigen Bestrebungen dadurch beeinträchtigt, und stachelten immer mehr das Volk zum Fanatismus und zur Opposition auf, indem sie ihnen vorstellten, daß die Schulen zur Apostasie verleiten und den völligen Ruin der Religion herbeiführen würden. Da sich aber der Einfluß der tonangebenden Dunkelmänner nicht allein auf die verwahrloste ungebildete ärmere Masse, sondern auch auf die Wohlhabenden erstreckt, so ließen diese, selbst wenn sie das Bedürfniß einer zeitgemäßen Bildung ihrer Kinder fühlten, aus Furcht vor denselben sich abschrecken ihre Kinder dahin zu schicken. Die Subalternen dieser Reichen, die aus der Praxis wohl wußten, was die Zeit von ihnen forderte, ließen sich ebenfalls abhalten ihren Kindern eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen, aus Furcht die Protection ihrer Brodherrn zu verlieren. Die Kategorie jener Reichen und Gebildeten, die erklärte Feinde des Chassidismus sind, schicken ihre Kinder deshalb nicht in die jüdischen Schulen, weil sie deren Berührung mit den Kindern aus der ärmsten Schicht der Volkes befürchten. Die Melamdim, deren es ' in jeder Stadt eine Masse giebt, deren Existenz aber durch die Hebung der Schulen gefährdet wird, bieten ehenfalls Alles auf, in den Gemeinden das Mißtrauen zu den Kronsschulen zu erwecken. Anmerkungen. .' s) Solche Schulen; giebt es im ganzen 99: nämlich Gouvern. Wilna 6, Kowno 5, Grodno 5, Minsk 5, Mohilew 9, Witebsk 8, Wolhynien 1 t, Podolien 9, Kiew 10, Poltawa 3, Tschernigow 4, Kurland 7, Cherson 4, Taurien 2, Jekaterinoslaw 5, Bessarabien 6, die Gesammtschülerzahl beträgt in diesen 99 Schulen 3635. b) Im Anfange^wurden solche Schulen 13 gegründet in Wilna, Minsk, Kowno, Grodno, Witebsk, Mohilew, Starokonstäntinow, Kameniec Podolski, Winica, Berditschew, Odessa, Cherson und Kischeniew. Da sich aber in der Folge das hohe Ministerium von der Antipathie der jüdischen Bevölkerung gegen diese Schulen überzeugte, indem die Anzahl der Schüler in" anormalem Verhältnisse zu jenen stand, und also den darauf verwendeten Kosten nicht entsprach, sah es sich gezwungen, im Jahre 1859 in denjenigen Städten, wo Gymnasien und christliche Kreisschulen bestehen, die jüdischen Schulen zu schließen. Gegenwärtig bestehen nur noch 5 solcher Schulen mit 218 Schülern. Wir fragen aber: wenn sich das Ministerium von solchen Motiven wie die angeführten bewegen ließ, 8 Schulen zu schließen, so könnte es ja gleich im Anfänge aus denselben Gründen sich bewogen fühlen dieselben gar nicht zu gründen, ja überhaupt keine Schulen zu organistren. Es ist eine allgemeine Thatsache, nicht allein in Rußland, sondern auch, in andern Europäischen Staaten, daß Schulen den Finsterlingen ein Dorn im Auge sind. Beispiele brauchen wir nicht anzuführen. Beide Parteien könnten also mit Samuel fragen:? rwb. Wenn überhaupt die (Sympathien des Volkes in Sacken der.Bildung befragt' werden sollten so müßte man lieber gleich das Scepter den Mystikern, Pietisten und Andern in die Hand geben, denn mit ihnen sympathisirt das Volk; Diesen ihren Götzen opfert es in tausend Orgien, ihnen -opfert es Hunderttausende von Rubeln. In folgerichtiger Consequenz dieser Beweggründe müßte man allen Fanatikern die Herrschaft über die Geister auch fernerhin überlassen. Freilich gäbe es ein anderes Auskunftsmittel als die Schließung dieser Schulen, man müßte, nämlich den Allerhöchsten Befehl, demzufolge alle Kaufleute gehalten sind ihre Kinder in die Schule zu schicken, nicht als eine bloße moralische Verpflichtung, sondern als ein streng auszufsihrendes Gesetz betrachten, dem Folge geleistet werden muß. Solche Gesetze erlassen, und deren' Ausführung der Willkür der Ünterthanen überlassen, heißt das nicht das Ansehen der Regierung in den Augen jener schwächen und die staatliche Ordnung untergraben?.— Daß aber jenes Auskunstsmittel ergriffen worden,