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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-08-29 · Heft 35 (29.8.1865) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 35 (29.8.1865)
Date
1865-08-29
Page
Seite 543 (sequence 11)
Language
German
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zeigt immer l-jyias-6- ■>» by Dttb ^2,*) zeigt eben welche Macht der Fanatismus besitzt. — Ein sehr humaner Staatsmann, den man über diese Frage zu Rede gestellt, sagte: da die Juden die Blloung als ihrer Religion zuwiderlaufend betrachten, so hieße es Gewissenszwang ausüben, dieselben zu zwingen ihre Kinder bilden zu'lassen. So dachte Peter der Große, als es galt, seine Russen zu bilden, keiuesweges, und daß er nicht so dachte, dafür sind ihm seine Russen jetzt sehr dankbar, und sie nennen ihn d-für, ja dafür nennt ihn die Geschichte den Großen. — Der. civilisatorische Geist des neunzehnten Jahrhunderts, der mit Riesenschritten Lurch das größte Reich Europas schreitet, sollte nicht zurückschrecken, wo es gilt, Millionen Menschen 'den Krallen des Aberglaubens zu entreißen und in ihre Menschenrechte wieder einzusetzen. Over sollte diese Antwort eine Ironie gewesen sein? Allenfalls war es eine sehr bittere, die wir sehr schmerzlich empfinden. — c) Die Rabbinerschule zu Wilna, 1847 mit 44 Schülern gegründet, besuchen jetzt 336. Die zu Zitomir, ebenfalls 1847 mit 23 Schülern eröffnet, zählt gegenwärtig 206 Hörer. Es waren Jahre, in denen die Schülerzahl der erstern bis 373 und der letztern bis 301 stieg. Die Wilnaer Rabbinerschule hatte bereits 12 Entlassungen von Pädagogen (116) und 10 von Rabbinern (33), dagegen hatte die zu Zitomir im pädagogischen Fache -nur 10 Entlassungen (68) und im rabbinischen 7 (27) veranstalten können. Einige von diesen Entlassenen haben ihre Bildung an den Universitäten fortgesetzt, und sich den Doctorhut in verschiedenen Facultäten erworben, einige sind bei den General-Gouverneuren angestellt, und bekleiden die Stellen zur allgemeinen Zufriedenheit; so hat Herr Baratz, ein Zögling der Rabbinerschule zu Zitomir, der in Kiew beim General- Gouverneur angestellt ist, den Stanislausorden erhalten.— 6) In 39 Gymnasien und 2 Progymnasten befinden sich 910 Schüler. e) Wir hätten gewünscht, daß diese von allen Seiten gemachte Behauptung durch statistische Daten erörtert worden wäre. In einer in Kiew erscheinenden Zeitung Kiewlianin wurde behauptet und zwar von officieller Seite, daß ein jeglicher Schüler 1200 Rubel Silber kostet. Wir wollen aber Zahlen sprechen lassen: 99 Schulen, von denen jede durchschnittlich jährlich 1100 kostet, kosten zusammen 108,900 S. R. Die beiden Rabbinerschulen kosten, wie man mir versichert, 110,000 S. R. jährlich, zusammengenommen also 218,900 S. R. Ausgaben. Diese Schulen zählen 4177. Schüler. Es kostet also jeder Schüler keine ganzen 53 S. R. Wo sind hier 1200 Rubel? Wir kennen im Kiewer Curatorium Kreisschulen, die nur 33 Schüler zählen, die aber über 3000 Rubel der Staatscasse kosten, und doch dringt Niemand auf deren Schließung. — Wir hätten doch gewünscht, daß Jemand berechne, wie viel *) Eine sehr oft von Chassidim gebrauchte Phrase. : ein -chassidischer Rebbe kostet, der 40 Jahre sein heilbringendes weltbeglückendes Amt verwaltet; wenn man das Minimum, 40 Tausend Rubel jährlich, annimmt, so sieht wohl ein jeder ein, daß man nicht theuer genug .die Bildung eines jungen Mannes bezahlen kann, — indem ein finsterer Fanatiker, der so Viele unglücklich gern acht, dessen Mahnlehren ihren schädlichen Einfluß noch bis in die spätesten Generationen ausüben werden^ der Judenheit' 1,600,000 Rubel kostet. — f) 26 solcher Mädchenschulen erhalten jährlich Zuschüsse von der Negierung, im Betrage von 10,700 S. R. Eine in Wilna besuchen 108 Mädchen; in Minsk bestehen 2 solcher Schulen mit 175 Schülerinnen. Die- Schulen in Gordno besuchen 113, in Bialystock 78^ werbliche Zöglinge. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Ein geprüfter Elementarlehrer, der zugleich die Fähigkeit hebräischen Unterricht zu ertheilen, besitzt, kann in der hiesigen Synagogen-Gemeinde mit einem Gehalte von ca. 300 Thlr. sofort eine Anstellung finden. Darauf Reflectirende wollen in portofreien Briefen, mit Beifügung ihrer Zeugnisse sich beim Unterzeichneten Synagogen-Vorstand melden. Schmiegel, den 22. August 1865. Der Synagogen-Vorstand. Die bei der Synagogen-Äemeinde zu Gelnhausen vacante Religivnslehrer- und Vorsänger-StM, mit'welcher ein fixer Gehalt von 200 Thlrn. jährlich, nebst freier Wohnung und sonstigen Nebeneinkünften verbunden ist, soll baldigst wieder besetzt werden. Geeigenschaftete Bewerber, welche zugleich bereit sind, auf ergangene Einladung bezüglich ihrer Befähigung zum Vorsänger-Dienste einen Vortrag in der dortigen Synagoge zu halten, werden aufgefordert, ihre Gesuche unter Einschluß entsprechender Zeugnisse binnen drei Wochen dahier einzureichen. Hanau, am 15. August 1865. Das Kurfürstl. israel. Provinzial-Vorsteheramt. Hamburger. Zu Michaelis d. I. wird die Stelle eines Cantors, Schächters und Religions-Lehrers vacant. Geeignete Bewerber wollen sich bis dahin persönlich durch Einsendung ihrer Zeugnisse bei uns melden. Gehalt 150 Thlr. Nebeneinkommen 75 bis 100 Thlr., außerdem freie Wohnung. Reisekosten werden nicht vergütigt. Zachan, 7. August 1865. , M I; Kraft 35**

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