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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-02-14 · Heft 7 (14.2.1865) · p. Seite 99

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 7 (14.2.1865)
Date
1865-02-14
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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SS brochenen Gänseflügel oder bei einem verletzten Schlunde unterwerft, so dürft ihr euch auch nicht dem reformatorischen Teufel verschreiben und deutsche Predigten halten und profane Wissenschaften lernen u. dgl. m. Zur Grundlage seines Syllabus nimmt der Verf. das Testament von R. Moses Sofer, auf dem zuweilen der heilige Geist geruht, der ein Gilgul vom Ramban war (S. 66) und dem er den Ehrentitel „der zweite Moses" gibt. Dieses Testament, das für alle Welt, bindend sei, hat er nach Inhalt und Form commentirt und alledarauf Bezügliche aus den talmudischen und casuistischen Schriften seiner Gesinnungsgenossen zusammengetragen, was zu seinem Zerstörungstrieb alles Guten und Schönen, das unsere Zeit auf geistigem und cultuellem Gebiete hervorgebracht, die Raketen lieferte. Von den vielen Anekdoten, die der Verfasser zur Glorificirung seines zweiten Moses u. a. mittheilt, die wir auch dem Feuilletonisten des Israeliten als neuen Rkimstoff sehr empfehlen, heben wir zur Charakteristik desselben nur Folgendes hervor. In einer Büßpredigt sagte er einst, daß die Sünder wegen ihrer wohlthätigen Handlungen gegen ihre Nebenmenschen durchaus keine Belohnung zu erwarten hätten; da sie solche nur aus menschlichen Gefühlen- und Humanitätsrücksichten übten, aber nicht, weil es Gott geboten habe. Wegen dieser und ähnlicher Expectorationen wurde demselben auch das „Darschnen", mit Ausnahme von Trauerdraschas gänzlich untersagt. Mit der größten Naivität, sagt der Verfasser (S. 65), daß es unter dem strengen Hirtenstabe dieses zweiten Moses mehr Gesetzesübertreter als in unserer Zeit gegeben habe, so daß sogar einstmals am Fasttage des 9ten Ab, in einem dem seinigen gegenüberstehenden Hause, ein Festessen gegeben, nach dessen Beendigung mit lauter Stimme das Tischgebet gesprochen worden sei. — Eine solche Mißachtung und Verhöhnung eines Gemeinde- Rabbiners würde selbst in unserer Zeit sich keiner erlauben, aber ein Extrem erzeugt das andere und wo die Geistesflllthen mit Gewalt eingedämmt werden, da schonen sie beim ersten Durchbruch nicht Brauch und Sitte. Von den ausgestellten unabänderlichen und unabweisbaren Thesen heben wir die nachfolgenden hervor, wobei wir die vielen Belegstellen zurücklassen, uns jeder Bemerkung enthalten und uns nur erlaubt haben, das an vielen Stellen Zerstreute einigermaßen in bessern Zusammenhang zu bringen. Man muß sich von allen Neologen fern halten und darf in ihren Synagogen nicht beten (3—5); denn ihre Synagogen sind Heidentempel, unrein, Dunggruben rc. Separat - Gemeinden mit frommen deutschsprechenden Doctoren an der Spitze sind noch verderblicher (36) . Mendelssohns Schriften darf man nicht, lesen (5); denn er hat zuerst das jüdische Lager zum Abfall und zum Götzendienst verleitet und durch seine Thoraübersetzung viel Unheil gestiftet. Alle hebräischen-Werke, die von Mendelssohn wn''*) (sie) bis auf unsere Zeit erschienen, bedürfen einer genauen Prüfung, denn selbst die ältesten Schriften wurden interpolirt. Auch die in unserer Zeit erschienenen Emendationen zum ganzen Talmud (von H. Chajes) darf man nicht lesen; denn R. Moses hat auf den Vorwurf, den man ihm darüber gemacht, denselben in seinen Responsen so sehr gerühmt zu haben, geantwortet: er habe dies nur gethan, um ihn an sich zu locken, damit er sich von jenem andern (Chorin), mit dem er auf vertrautem Fuße stehe, abwende. — An Mayer Asch hat derselbe (Chajes) oftmals geschrieben, ohne Antwort zu erhalten, und als er sich darüber beklagte, antwortete ihm endlich derselbe: Er könne sich mit ihm in keine gelehrte Correspondenz einlassen, weil er in . einer seiner Schriften Chorin „den alten Weisen" genannt habe. Außerdem fügt der Verf. hinzu, wisse er von ihm (Chajes) so manche Dinge, die es ganz und gar unmöglich machen, Thora von ihm zu-lernen oder seinen Namen nur im Beth hamidrasch zu erwähnen, obgleich er kein hochdeutsch Sprechender gewesen wäre (S. 52). Man darf sich keine moderne Namen beilegen, nicht nach der Mode kleiden und man mußdas altjüdische Jargon sowohl in der Umgangssprachewie auch beim öffentlichen Vortrage beibehalten. Den hochdeutschredenden Predigern darf man nicht zuhören; es ist dies gleich zu halten, als stelle man eine Aschera im Hechal auf (21). Das ..Motiv zu diesen Gesetzen. tm allgemeinen ist das biblische Verbot. Ihr sollt nach ihren. Satzungen nicht wandeln, das Sprachverbot ist begründet in den alten 18 Anordnungen (Ierus. Sab. 1), -in welchen auf *) Wir müssen es anerkennen, daß die . deutsche Orthodoxie dem Namen Mendelssohn's diesen.Fluchausdruck nicht beifügt, dagegen hat sie den Grad'der Gesittung noch nicht erlangt, die Euphemie 5t diesem unvergeßlichen Namen beizulegen, mit der sie doch jeden' verstorbenen Gesinnungsgenossen, selbst von dem niedrigsten Bildungsstand beehrt.

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