Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1862)
- Date
- 1862-07-22
- Page
- Seite 404 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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404 01 £ Juden im vollsten Maße an; was die Völker und Staaten unter einander, was den Staat und das Volk, denen sie angehören/'wäs - die .Provinz-und die Stadt'trifft, ist der ÄudeL LHil'wie aller Anderen; was den-Fortschritt 'und die Erhekwng, den Rückschritt und die Benachtheiligung der Menschheit, des Staates, der Provinz und der . Stadt bewirkt und fördert, schneidet in das Leben des Ju- ' den mit volles ja--dch dieser sich-llmmer-bo^ noch in der * Entwicklung befindet, mit ^größerer Wirksamkeit ein; die großen Zeitströmungen in Action und Reaction ergreifen auch ihn, und der Geist, der dieVtzlker beherrscht, wirkt mehr als je auf ihn ein, so baß die nationalen Eigenthümlichkeiten jedes Volkes, die allgemeinen sowie die zeitweisen, aus den Juden jedes Landes ein anderes chärakteristisches^Product machen.. ".Auch in -geselliger Beziehung sind sich Juden und Christen um Vieles näher getreten, und wenn auch im speciellen Umgang die Scheidung vorwallet, so ist doch dev Jude als solcher von der öffentlichen Geselligkeit nur selten noch ausgeschlossen und nimmt an vielen Orten regen Antheil daran, bisweilen mehr als er sollte. . Am weitesten eröffnete sich ihm aber die Bahn bei:; Industrie. ^Es >ist merkwürdig, aber doch leicht erklärlich, daß gerade in der Industrie, selbst wenn die unbedingteste Gewerbefreiheit vorhandendie geschichtlichen Verhältnisse 'einen nachhaltigen Einfluß üben, däß daher der Uebergang von Ackerbau zu Handel und Gewerk, von Handel zu Ackerbau und Gewerk, von Gewerk zu Ackerbau und Handel nur sehr allmählig vor sich geht. Es ist daher sehr natürlich, daß der ein Jahrtausend gewaltsam auf den Handel und zwar meist' allein auf den- Geldhandel und Trödel beschränkte Jude sich noch fortwährend zumeist im Handel bewegt, in einem ziemlichen Th eile zum Gewerk überging, aber dem Ackerbau sich noch wenig zuwandte. Die reformatorische Bewegung fand deshalb für ihn vorzugsweise nach zwei Richtungen hin statt, indem er sich erstens aus der engen Umgrenzung auf alle Gebiete des Handels begab und zweitens dem sich rasch entwickelnden Fabrikwesen mit großer Energie widmete. Daß er aus seinem früheren Pfade noch besonders auf die enorme Entwickelung des höhern Finanzwesens wirkte, brauchen wir nur anzudeuten, und ist es hier nicht am Orte, näher darauf hinzuweisen, wie sehr er auch an den Schattenseiten, die von der großen kosmopolitischen Entwickelung der Industrie nicht zu trennen sindwie der unsinnigen Speculationswuthseinen großen Antheil hat. Jedenfalls schwang sich der Jude auf dem Gebiete der Industrie ganz besonders zu einer Welthöhe herauf, die mit seinem früheren beschränkten und kleinlichen Standpunkt, den er einzunehmen gezwungen war, im vollsten Gegensatz steht..— Die Kämpfe, welche die Erlangung der bürgerlichen und PaätHnrgerlichen^KichstellunFverürsächteD anb noch verursachen, sind bekannt, ebenso ihre Erfolge. Aber hervorzuheben haben wir, daß, wenn in Schriften und Parlamentern edelgesinnte Christen das Wort für uns aller Zeit führten; wenn eS die« Hrtzy,d.sätze§derS Gerechtigkeit und Gleichheit Aller vor dem Gesetze sind, welche den modernen Staat basiren und die Gleichstellung der Juden zur. nvthwendigen Consequenz haben, so daß selbst " an sich Mißwollende diese Consequenzen durchführsn müssen, wenn sie sich einmal zu jenen Principien bekannt haben des doch von Manasseh ben Israel und Moses -Mendelssohn an vor Allem die Juden -selbst waren, welche die Emancipation mit allen Kräften anstrebten, so daß ihren Wortführern die jüdische Masse selbst stets Nachdruck zu geben suchte. Nur sehr vereinzelt stehen die wenigen Beispiele, wo ein jüdischer orthodoxer Rabbiner der Gleichstellung ein religiöses Bedenken entgegenstellte, z. B. R. Akiba Eger im Großherzogthum Posen. Sonst aber ließen selbst die orthodoxesten Rabbiner sich die ganze Civilgerichtsbarkeit ohne Widerstand aus den Händen nehmen, ließen das jüdische Recht ohne Widerspruch außer Anwendung bringen--versuchten nicht einmal z. B. das mosaische Erbrecht durch Umgehung aufrecht zu erhallen, förderten durch ihre Erklärungen sogar die Uebernahme der Militärpflicht, und indem man so Schritt vor Schritt - vorwärts gelangte, ergingen, sobald ein gewonnener Posten wieder einmal in Gefahr 'gerieth; zu dessen Vertheidigung die höchsten Anstrengungen aus dem Schoße der Gemeinden selbst, wie es denn immer wieder zu einer allgemeinen Freude-gereicht, wenn ein Jude im Staatsdienste irgend eine höhere Stufe und Auszeichnung erlangt. Charakteristisch ist hierin ein für allemal der Eifer, mit welchem 1813 die jüdische Jugend freiwillig unter die Fahnen strömte, um dem Vaterlande die Freiheit erkämpfen zu helfen, wie es bereits 1792 in Frankreich geschehen. Wir wollten hiermit nur darauf Hinweisen, daß die für die Stellung der Juden von so großer Bedeutung seiende bürgerliche Gleichstellung nicht etwa blos eine von ihnen nur entgegengenommene Gabe ist, sondern mit Ernst und unetmüdlicher Anstrengung, mit freier Willenskraft errungen worden und wird von ihnen selbst als ein großes Ziel angesehen. — Noch - vollständiger war der Umschwung , den er in der Geistescultur erfuhr. Wirlegen einen geringe-