Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1862)
- Date
- 1862-07-22
- Page
- Seite 405 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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405 rep Am darauf, -d-ß- -er,, der von WiffenschasL -und-Kunss vor einem Jahrhundert noch keine Ahnung, hatte, - jetzt in a l le n Wissenschaften . und Künsten bereits Männer von großer Bedeutung und wesentlichen Verdiensten aufzuweisen hat, selbst auch darauf nicht, daß er für jede-Wissenschaft und Kunst fortwährend eine verhältnißmäßig große Zahl von Jüngern stellt -rals wir es vielmehr von unserer heutigen Betrachtung aus hervorheben, daß es. gerade die Volksbildung ist, -von welcher sich die jüdische Masse hat durchdringen und umwandeln lassen, und der sie in einem Grade sich hingiebt/ welcher über ihr Zahlenverhältniß weit hinausreicht. Während in den Städten vor einem Jahrhundert, auf dem Lande noch vor einem halben Jahrhundert die Judenkinder nichts als Hebräisch lesen und jüdisch-deutsch schreiben lernten — dies aber allerdings alle Judenkinder, so daß die Zahl der Juden, die nicht schreiben und lesen konnten, wenn auch nur in den gedachten Idiomen, nur sehr gering war,— haben wir bereits mehrere Male aus den osficielley Tabellen nachgewiesen, wie alle höheren Unterrichtsanstalten verhältnißmäßig von fünf Mal so.viel Kindern der Juden als der Christen besucht werden. Es ist eine täglich und überall zu machende Beobachtung,. daß selbst die ärmsten Juden ihre Kinder eine höhere Schule besuchen zu lassen streben, 'als es in der entsprechenden christlichen Volksschicht geschieht und als es dem Bildungsgrade der Eltern zu entsprechen scheint. Es ist daher auch eine. überall wiederkehrende Erscheinung, die nicht ohne ungünstige Wirkung bleibt, daß in einer viel größerem Zahl jüdischer Familien Eltern und Kinder in ihrem Bildungsgrade sehr von einander verschieden sind. Ebenso, legen wir gern einen Nachdruck darauf, daß die jüdische Volksschule im Allgemeinen, wo sie existirt, sich ein höheres Ziel bewußt oder unbewußt gesteckt hat und, will sie den von den Eltern an sie gestellten Ansprüchen genügen, stellen muß, als es ihre christliche Schwester, zu thun pflegt; ja die Existenz der. jüdischen.Schule geht lediglich aus diesem Motive selbst an pieken Orten, W die confessionelle Scheidung der Schulen nicht so entschieden ist, um die jüdische Schule zu einer unbedingten Nothwendigkeit zu machen,, hervor. Bedenken wir nun, daß vor einem Jahrhundert die Juden in. einer völlig abgeschlossenen Geisteswelt lebten, daß sie es für ieine Sünde erachteten, ein nicht in hebräischen Lettern.gedrucktes Buch nur in die Hände zu nehmen, und gewahren gegenwärtig die ungeheure Umwandlung, welche in dieser Beziehung von der gesummten Masse ohne Unterschied der Parteien vorgenommen worden^ Hnd haß das sich; hierin bethati- : gende Strebest weit über den staatlichen Schulzwang hinausgeht, lange Zeit - und zum Theil noch jetzt mit den ungünstigsten Verhältnissen, ja selbst mit feindlichem Widerspruche von außen und innen zu ringen hat,! so daß sich die Freiwilligkeit hierin aufs Nachdrücklichste ausspricht, so werden-wir in ein großes Erstaunen über die Energie und Kraft des jüdischen Volksgeistes gesetzt. Wir verkennen nicht, daß hiermit auch bedeutende Nachtheile verbunden waren und sind. -Von der einen. Seite führt das Streben, über - seinen Stand hinauszugehen, zu mancherlei Abwegen von; der anderen haben die Juden dadurch im Wissen und Hochachten ihrer religiösen Urkunden, der Lehre und des . Gesetzes außerordentlich viel verloren, so daß der Religionsunterricht nur mühsam wieder hergestellt und durch, methodische Gestaltung zur -Erreichung . nothdürftiger Zielen befähigt wird. Während früher die - religiösen Studien den Juden durch das ganze Leben begleiteten, entziehen - die jüdischen Eltern, orthodoxe und nichtorthodoxe, ihre Kinder der' religiösen Unterweisung so schnell wie möglich, so . daß das mit Anstrengung eingeflößte religiöse - Wissen. der Jugend in kurzer Zeit wie- . der fass ganz verloren geht.. Die Ansprüche, welche die -Juden an ihre Lehrer, Prediger und Rabbiner stellen, fallen so gewichtig auf Seite des profanen Wifssns, daß auch diese mit dem besten Willen und Eifer im jüdischtheologischen Wissen weit hinter der früheren Zeit Zurückbleiben müssen. Alles dies sind Thatsachen, in welchen - die freie. Bewegung und Selbstbestimmung deo jüdischen VoMmaffe nicht wegzuläuguen ist, und die eine. Reform der Gesammtheit bekunden, die bis zu einem völligen Contrast mit der. Vergangenheit sich erweitert hat.' (Fortsetzung folgt.) '; ' Literarisch er Wochenbericht.; Bonn, 22. Juni. Angekommen: Wörterbuchder; deutschen. Sprache von vr. Daniel Sanders,' Leipzig'; 1862, 21 sie Lieferung (Platz — Rapps). — Das Syncr-? gogenbüchlein. Handbüchlein der jüdischen Liturgik für ' Schule und Haus, von Ad. Hlawatsch, Prag 1862. 30*