Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 30 (22.7.1862)
- Date
- 1862-07-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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26. Jahrgang. Allgemeine _^ 30, Zeitung des Iu-enthums. ' ' /''' Ern .V. "■ unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von . Rabbiner Ludwig PhMppfon in Bonn. Leipzig, den 22. Juli 1862. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstag-, in l'/r bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs S Thlr: .Halbjährig 1 Thlr. 15 Ngr. Vierteljährig 2 2 Ngr. Inserate werde» mit 1 lji Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Beilagegebühren betragen für 1 Bogen.4 Thlr.. für i/z Bogen 3 Thlr., für ty* Bogen 2 Thlr. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS, Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptexpe. dition für beide Letztere hat sich das Köntgl. Sachs. Haupt. ZeituilgS-Bureau hier unterzogen. > . In halt. Leitende Artikel: Die Reform im Judcnthume. H. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Scharmbeck, Frankfurt am Main, Hamburg. Preußen: Lübbecke, Berlin, Breslau. Oesterreichischer Kaiserstaat: Prag, aus dem Tokayergebirge, Raab. Rußland: Warschau. Warschau, Petersburg« Schweiz: Bern. Frankreich: Paris. A f r i k a: Kap der guten Hoffnung. Italien: Ve reell i. Leitende Artikel. Bonn, 13. Juli. Dir Urform im Iudenlhmne. n.*) Die Cul tu r Verhältnisse der Juden waren denen ihrer äußeren Lage und Beschaffenheit völlig analog. Wie in ihrer Wohnung, Sprache, Kleidung und Sitte, waren sie auch in allen Culturbeziehungen aus - und abgeschlossen. Sie lebten nur in ihrer eigenen Gesellschaft; der Erwerbskreis, den man ihnen gelassen, war von einer engen und starken Barridre umgrenzt; an den Händeln der Welt hatten sie keinen Antheil, ausgenommen soweit diese auf sie eine materielle Rückwirkung haben mußten; von Kunst *) Im ersten Artikel No. 27 S. 357 Sp: 1. Z. 19 v. o. muß es statt „außerhalb des Jahres" heißen: ^„außerhalb des Hauses". und Wissenschaft hatten sie keine Ahnung, dafür aber sich eine eigene Geisieswelt geschaffen, deren Inhalt die Auslegung der Schrift und des Talmuds, in sonders des Gesetzes war; ihre größten Geistesheroen waren im profanen Wissen wie Kinder; eine einzige Ausnahme bildete die Medicin,, welche immerwen n auch in dem - vorletzten Jahrhundert wenige Jünger unter den Juden hatte, die dann allerdings noch die einzige Vermittlung ausmachten zwischen der jüdischen Geisteswelt und der Geistescultur der übrigen Menschheit. Hie und da fand sich unter den sogenannten portugiesischen Rabbiney Einer und, der Andere, welcher auch Lateinisch verstand und einiges mathematisches Wissen hatte, bei den, deutschen und polnischen Rabbinen fand sich davon-keine. Spur. Wir brauchen hierzu kaum die Erinnerung , an den staatsbürgerlichen Zustand unserer Väter zu fügen. An das Minimum von bürgerlichen Rechten, die man ihness noch dazu als Previlegien zugestand, als ob sie eigentlich von Rechtswegen rechtslos und vogelfrei wären, an die Judensteuern, , besonders den Leibzoll, mit denen man sie erdrückte und wofür man ihnen einen höheren Zinsfuß gestattete als den übrigen Bewohnern des Landes. Wir; deuten dies Alles-hier nur an, denn wem stände dieses Bild nicht noch lebhaft vor dem Geiste? Nun aber > den Blick aus ein Jahrhundert später, auf die Gegenwart gerichtet! Mit der Umwandlung in Wohnung, Kleidung, Sprache und Sitte trat, der Jude auch in die Gesellschaft ein; Alles, was diese im Großen und Ganzen berührt, spannt auch das Interesse her