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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-13 · Heft 38 (13.9.1858) · p. Seite 517

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 38 (13.9.1858)
Date
1858-09-13
Page
Seite 517 (sequence 3)
Language
German
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517 Letzterer erhielt dadurch Gelegenheit, sich auch mit den Werken seines Gönners genauer bekannt zu machen, und so entstand in ihm der Wunsch (wie er in dem Vorworte seiner Schrift sagt), das mit den Fortschritten der Wifsenschast überhaupt so innig verwebte Leben Humboldts seinen Hebräisch verstehenden Glaubensgenossen in den slavischen Ländern und im Orient bekannt zu machen und zugleich ein „Gedenkzeichen" (wie der hebräische Titel der Schrift lautet) der Gerechtigkeit und Fürsprache zu setzen, welche Humboldt stets dem Judenthum und den Juden habe zu Theil werden lassen. Die erste Hälfte der gerade hundert Seiten starken, in sehr correctem und fließendem Hebräisch abgefaßten Schrift ist dem Leben und einer allgemeinen Ueberflcht der Werke Humboldts gewidmet, während die zweite Hälfte einen Abriß des „Kosmos" bildet, worin der Verfasser von den Doppelsternen, wie vom Erdmagnetismus, von den Vulkanen, wie von der südamerikanischen Pflanzenwelt in einer Sprache handelt, von der man glauben sollte, sie habe dafür unmöglich einen Ausdruck, die er jedoch in geschicktester Art mit den „Ideen des großen abendländischen Weisen" bereichert hat. Der Verfasser, der das Manuscript seiner Schrift an Humboldt, als Huldigung zu dessen achtundachtzigsten Geburtstage, überreicht hatte, erhielt von demselben nachstehende charakteristische Erwiederung: „Verehrtester Herr Slonimski! Ich bin tief in Ihrer Schuld durch so lange Verzögerung des Dankes für eine Ehre, die Ew. Wohlgeboren mir so wohlwollend bereitet haben. Die unruhige Lage, in der ich lebe, in einer politisch und gesellschaftlich so bewegten Zeit, kann mich kaum rechtfertigen. Eine Empfehlung von zwei berühmten, mir so theuren Freunden wie Bessel und Jacoby, läßt einen dauernden Eindruck. Der hebräischen Literatur leider entfremdet, aber von früher Jugend an mit den edelsten Ihrer Glaubensgenossen innigst verbunden, ein lebhafter und ausdauernder Verfechter der Ihnen gebührenden und so vielfach noch immer entzogenen Rechte, bin ich nicht gleichgültig für die Ehre, die Sie mir erwiesen haben. Das Zeugniß eines tiefen orientalischen Sprachkenners, des vortrefflichen, so mannigfach ausgebildeten Dr. Michael Sachs, kann eine solche Auszeichnung nur erhöhen. Es ist für den biographisch Belobten fast eine Beruhigung, der Ursprache nicht mächtig zu sein. Ich werde vom Dienstag an einige Wochen wieder in Berlin wohnen, und vom Dienstag an wird jeden Tag zwischen 1 und 2 Uhr es mir eine Freude sein, Herrn Slonimski, falls er nicht schon nach Warschau zurückgekehrt ist, in Berlin zu empfangen und Ihnen den Ausdruck der innigen Hochachtung mündlich zu erneuern, die Ihren schönen früheren wissenschaftlichen Bestrebungen gebührt. Ew. Wohlgeboren gehorsamster Alexander v. Humboldt." . Aus Galizien, Ende Juli.*) In Hinsicht der hebräischen Sprache und Poesie hat es in Galizien einen erfreulichen Aufschwung genommen; die neuhebräische Literatur, und zum Theil auch die jüdische Wissenschaft, erfreut sich gegenwärtig einer sorgfältigen Pflege, und obwohl der obscure Chassivismus, der beständig mit seinen Fühlhörnern ängstlich vortastet, schon in der Erlernung der reinen gediegenen Sprache Thenachs eine Neuerung wittert, so hat dennoch dieser sterile Boden schon so manches erhabene Talent zu Tage gefördert. Es ist dies das Land, in dem der tiefdenkende Nachman Krochmal, und der gelehrte Simsen Bloch, zur Unsterblichkeit entschlummert, wo die Wiege des genialen Rappaport gestanden, und von dem aus die rührenden Jugendlieder Lettens' erklungen sind. Und auch bis jetzt hat sich die lebhafte Anhänglichkeit an die greise, heilige Sprache unter den Bewohnern dieses Landes erhalten, und unter den unzähligen Jüngern, die den Parnaß erklimmen, hat sich so mancher den kräftigen, sanften Ausdruck dieser Sprache eigen gemacht und weiß ihn in die zierlichste Form zu hüllen. Periodische Schriften haben die schöne Mission, den schlummernden Geist aus der trägen Ruhe zu wecken und in ein reges Schaffen zu versetzen, hier die Rosenblülhen eines jungen Geistes vor den Augen der Welt sich entfallen, und dorr ans eine Blume die Aufmerksamkeit lenken zu lassen, die in vollendeter Schönheit ihre Nebenschwestern überragt. Herr M. E. Stern in Wien hat bis jetzt diese Aufgabe glücklich gelöst; seine Sammelschrift „Kochbe Jzchak", von der bereits 24 Hefte erschienen sind, ist eine förmliche Schule der hebräischen Sprache geworden, in die jeder Wissensapoflel seine Geisteskinder hinsenden kann. Die Sammelschnft hat keine eingeschränkte Tendenz/ neigt sich bald zur wissenschaftlichen Sphäre, bald zu den bescheidenen Tausendschönchen, wie den duftigen Rosen auf der Blumenflur der Dichtung, .und bald wieder zu den schönen Gegenden der beschreibenden Prosa hin. Hierlands hat diese Zeitschrift Vieles geleistet, sie hat vielen Jünglingen Liebe und Achtung für die hebräische Sprache und Poesie eingeflößt, und manches Talent zur Thärigkeit angespornt. Einen derartigen Versuch machte vor bereits *) S. No. 30. der Mg. Ztg. d. Jud. 38*

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