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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-13 · Heft 38 (13.9.1858) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 38 (13.9.1858)
Date
1858-09-13
Page
Seite 516 (sequence 2)
Language
German
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516 beruhigt. Der Ruhm, wie er aus der Tagespreise ersteht, hat für uns persönlich keinen Reiz; und die Wirksamkeit des wiedererstandenen und gekrästigten Judenthums auf die Gesammtheit des Menschengeschlechtes kann nicht auSbleiben; sie wird desto nachdrücklicher und dauernder sein, je gereifter sie von innen heraus geworden und mit je größerem Kraftaufwand der Weg zu erobern war, den sie sich bahnen muß. Der religiöse Fanatismus. In der traurigen Bologneser Angelegenheit haben uns bereits an 40 preußische und deutsche Rabbinen ihre Autorisation zu der Vorstellung eingesandt, welche wir an den Papst Pius IX. richten werden. — Dem gedachten Vorgänge hat sich aber bereits ein neuer, ähnlicher hinzugesellt. „Vor wenigen Tagen, schreibt man der „D. A. Z", ereignete sich bei den Tunnelbauten der süd-nord-deutschen Verbindungsbahn ein Unglücksfall, bei welchem zwei Ingenieure verschüttet wurden. Sofortigen Nachgrabungen gelang es, die Verschütteten hervorzuziehen, worauf sie in dem kläglichsten Zustande in das benachbarte Dorf gebracht wurden. Da der Arzt die Verunglückten für unrettbar erklärte, so wurde nach dem Geistlichen geschickt, damit er den Sterbenden die Sacramente reiche. Indessen stellte es sich heraus, daß Einer der Beiden ein Jude sei. Der Geistliche nahm von dieser Benachrichtigung keine Notiz und that bei Beiden, was bei dem Einen seines Amtes war. Die christliche Umgebung nahm indessen den Vorgang nicht gleichgültig auf und stellte den Geistlichen zur Rede, wie er einem Juden die Sterbesacramente reichen könne, da man ihm doch gesagt habe, daß es ein Jude sei; kurz der Geistliche glaubte sich nicht anders als durch die Taufe des bewußtlos daliegenden Juden auS der Klemme helfen zu können. Diese nahm er nun auch, wahrscheinlich in der Meinung, daß dieser bald den Geist aufgeben werde, in der üblichen Weise vor. Aber der Mensch denkt, Gott lenkt! Am andern Morgen starb der eine der Verunglückten, der andere, der Jude, erholte sich. Erst nach einigen Tagen entdeckte man dem Genesenden die Veränderung, die während seiner Bewußtlosigkeit mit ihm vorgegangen, und um uns kurz zu fassen, jetzt, wo der Verschüttete wieder völlig hergestellt ist (er ist verheirathet und Vater mehrerer Kinder), reclamirt dieser seine Seele, welche die Kirche nicht so leichten Kaufs sreizugeben gesonnen scheint, denn der im bewußtlosen Zustande Getaufte sah sich genörhigt, einen Proceß gegen den betreffenden Geistlichen einzuleiten , in welchem ihn ein Peichenberger Advocat vertritt. Der Ingenieur ist vorläufig vOr der Eiftnbahngesellschast entlassen worden." — Unsere Leser werden aus dieser Erzählung ein zwiefaches Moment entnehmen: die behauptete Gültigkeit einer eigenwillig an einem Bewußtlosen vorgenommenen Taufe, und — die Entlassung des Ingenieurs, weil er seine Religion nicht aufgeben will! Fürwahr, unsere Zeit ist an jüdischen Martyrologien nicht die ärmste! Wir find in der That nicht erstaunt über diese, jetzt so häufig vorkommenden Einzelfälle, in welchen sich der religiöse Fanatismus ausprägt. Es sind dies die natürlichen Folgen des Geistes, den man im letzten Jahrzehend herausbeschworen hat. Aber das Uebel ist, daß der Fanatismus niemals einseitig bleibt, sondern auch auf der anderen Seite den Fanatismus gebiert. So haben wir unsererseits den unseligen Borgang zu beklagen, über den wir in dieser Nummer aus Amsterdam berichtet. Möchte man doch, durch die Geschichte belehrt, endlich einsehen, daß, je härter.man die Juden behandelt, desto energischer ihre Widerstandskraft ist. Literarischer Wochenbericht. Berlin, im August. (Mag. f. d. Lit. d. Ausl.) Ein Büchlein, welches die Bestimmung hat, die Kenntniß von dem Leben und dem wissenschaftlichen Wirken AleranderS von Humboldt in den weiten Kreisen der russisch-polnischen und der asiatischen Israeliten zu verbreiten, ist kürzlich in hebräischer Sprache aus einer Berliner Presse hervorgegangen. *) Der Verfasser ist selbst ein russischer Israelit, Namens Slonimski, der vor mehreren Jahren eine sehr sinnreiche Rechenmaschine erfunden und damals durch seine mathematischen Kenntnisse die Aufmerksamkeit von Bessel und Jacoby in Königsberg erregt hatte, die ihm zu jener Zeit Briefe an Alerander von Humboldt in Berlin mitgegeben, welcher in seiner gewohnten humanen Weise sich des armen jüdischen Gelehrten werkthätigst angenommen. mNb’o üvd. -ibarwitt ^isösbab yniDt nivr (* ■ptai£)DT ,r^n '7r rrmp ö'Oimn ib .rr^n ppdn^rrbv ^bsr „Aerander von Humb oldt. Eine biographische Skizze. Dem Nestor des Wissens gewidmet zu seinem 88. Geburtstage von S. Slonimski." 8. Berlin, Veit u. Co. (Druck von Sittenfeld.) 1858.

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