Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1858)
- Date
- 1858-09-13
- Page
- Seite 518 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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518 drei Jahren Herr Josef Kohn in Lemberg; er übernahm die Redaction einer Monatsschrift „Meged Jerachim"; allein war es wegen Mangel an Theilnahme, diese Klippe, an der schon so manches nützliche Unternehmen gescheitert, oder weil Herr Kohn vielleicht nicht der Mann ist, der mit Tact und Besonnenheit ein solches Unternehmen zu leiten versteht, nach drei, in eben so vielen Jahren erschienenen Lieferungen hauchte dieses Musenkind den Geist aus. Eine andere Zeitschrift, mit anderer Tendenz und anderer Mission, erhebt seit vier Jahren ihre bedeutende Stimme in Galizien, der gerüstete „Hachaluz", von dem Sohne Nachman Krochmals und den gelehrten Herren O. H. Schorr und M. Dubs herausgegeben, zieht entschieden zu Felde, und zeichnet sich dabei durch seine schöne Schreibart vor und unter andern Zeitschriften vorzüglich aus. Die hebräischen Beilagen zu Josef Kobaks in Lemberg erscheinendem „Jefchurun" sind ebenfalls von manchem gewichtigen literar-historischen Interesse, und Senior Sachs' neue Folge der Kerem Chemed bringen Beiträge von galizischen anerkannten Autoren. In Lemberg haben eine literarische Berühmtheit erlangt Herr S. L. Nappaport, gegenwärtig Rabbiner zu Prag, Dr. M. Lettens in Wien, Dr. E. I. Blücher, der als öffentlicher Universitätslehrer semitischer Sprachen an der k. k. philosophischen Facultät gewirkt, und jetzt das Rabbinat zu Baja angenommen, Dr. L. E. Igel, der dem Rufe nach Czernowitz als Bukowinaer Landesrabbiuer gefolgt und Med. Dr. A. Natkes. Dann die durch ihre vielseitige Thatigkeit bekannten N. I. Fischmann, Ab. M. Mohr, N. M. Schorr, M. Dubs, I. Kohn, Herausgeber der Meged Jerachim, I. Kobak, Redacreur des Jeschurun, I. Sperling, der emsige Etymolog S. Buber, der junge, durch seine Fölicitation ä l’Europe bekannte S. Goldbaum, und um auch die würdige Reihe würdig zu schließen, erlauben wir uns, als ein Ebenbild der berühmten Rachel Marpurge, der hebräischen Dichterin Jente Wohllerner Erwähnung zu thun. Jn Brody finden wir den unermüderen Schatzgräber Dr. I. Goldenthal, gegenwärtig Professor der orientalischen Sprachen zu Wien, Dr. M. Ehrenreich, Rabbiner zu Modena, Abraham Krochmal, O. H. Schorr und M. Strelisker. In Bolechow hat S. H. Mondschein mehrere gediegene Beiträge zu verschiedenen periodischen Schriften geliefert. In Dolina legt jetzt der vortheilhast bekannte Salomo Rubin die letzte Feile an seine Uebertragung von Spinozas Ethik ins Ebräische an, zwei Lieferungen dieser Edition, blos erst die Vorreden des Ucbersetzers enthaltend, sind bereits im Druck erschienen. Wir können ein solches Unternehmen nur mit Dank anerkennen, denn es könnte dazu beitragen, die tiefe Fraktion zwischen diesem gewaltigen Geiste und seiner Nation verwischen zu helfen. In Stanislau gewahren wir ebenfalls eine lebhafte geistige Rührigkeit. Salomo Frenke!, Mitarbeiter der Kochbe Jizchak, Meged Jerachim und Ben Chananje, besitzt eine ausgebreitete talmudische Gelehrsamkeit und dabei einen literar-historischen Blick, dem es gelungen, einige dunkle Stellen in Midrasch und Agade aus dem Reiche der unverständlichen Mythe ins historische Gebiet zu versetzen. Julius Meller führt eine schöne hebräische Sprache und eine Prosa, deren Eleganz und Gefälligkeit der Darstellung unstreitig zum Besten, was in diesem Fache geleistet worden, gezählt werden kann. I. Bibring hat ebenfalls so manchen gelungenen poetischen Versuch gemacht. In Tysmenitz finden wir den Herrn Dr. I. Barasch, Verfasser des Ozar Chochma, der gegenwärtig in Jassy, und den gelehrten S. Pinsker, der in Odessa weilt, dann den mit seltenen Geistesgaben begabten H. M. Pineles. In Kolomea den Rabbinatscandidat L. Halles und M. Seidmann, in Jareslau Alex. Langbank und in Grodek M. S. Rabener. A. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bernburg, im August. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde hat ihrem Rabbiner vr. Herrheimer fast einstimmig eine Gehaltszulage bewilligt. Es dürfte dies einer Mittheilung in diesen Blättern deshalb nicht unwerth erscheinen; einmal, weil eS den Beweis liefert, wie die AllcS ausgleichende Zeit es dahin bringt, daß Leute, denen die Abschaffung eines Stückchen Jozer früher so ans Herz und Leben ging, daß sie nur geneigt fein mochten, dem Rabbiner eine Zulage von mbbp zu geben, demselben jetzt eine Gehaltsverbesserung gewähren; und dann, weil sich die Frage anknüpft, ob eö überhaupt nicht bedenklich sei, bei Feststellung von Statuten und Gemeindeordnungen die GehaltSvermehrung des Geistlichen von der Majorität oder gar Einstimmigkeit sämmtlicher Gemeindcmitglieder abhängig und also ein, hier eben nicht mißlungenes, gefährliches Experiment zu machen? — Sonderöhauseu, im August. (Privatmitth.) Unser Rabbiner und Oderlehrer Heidenheim ist vor einiger Zeit vom hiesigen, seit 21 Jahren unter dem Pro-