Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 19 (3.5.1858)
- Date
- 1858-05-03
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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die Blüthe jedes auf ächter Humanität basirten Instituts zu wichtig, um nicht von Zeit zu Zeit in diesen Blättern besprochen zu werden. Die Gesellschaft, deren Gründer der Sohn des unsterblichen Mendelssohn war, besteht seit 1792 und zählt merkwürdiger Weise unter ihren gegenwärtigen Mitgliedern noch zwei ihrer Mitbegründer. Sie besitzt gegenwärtig ein Vermögen von mehr als 47,000 Thlr. und für die Abtheilung der Wittwen- und Waisenunterstützung über 36,000 Thlr. Im Jahre 1857 unterstützte sie 11 Mitglieder außer der Krankenpflege mit 2661 Thlr., so wie 18 Wittwen und 2 Waisen mit 2056 Thlr. Solche Thatsachen rechtfertigen sicher den Wunsch, daß diese Anstalt fort und fort sich erhalte und aller Orten Nachahmung finde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Galizien, Anfang April. (Privatmitth.) Es gereicht uns zu großem Vergnügen, den heutigen Bericht mit der angenehmen Mittheilung eröffnen zu können, daß die in No. 10. d. Bl. gemachte Anzeige betreffs der von Ihnen, geehrtester Herr Doctor, beabsichtigten Herausgabe einer „ausführlichen Darstellung der israelitischen Religionslehre" in den uns bekannten Kreisen die freudigste Ueberraschung verursachte. Das Bedürfniß eines Buches für den höhern Religionsunterricht fühlt wohl jeder Lehrer, der mit dem Unterrichte der mosaischen Religion an Gymnasien betraut ist, und kann man von dem Verfasser des in jeder Beziehung ausgezeichneten „Bibelwerkes" und der „Entwickelung der religiösen Idee" auMiesem Gebiete nur Gediegenes erwarten. — Der Einführung einer Mazothmaschine in Krakau verdankte jüngst eine Art moderner Lxistvlae vdscurorni» virorum ihr Entstehen. Ein Mitglied des dortigen Bethdin fand sich nämlich in seinem Gewissen berufen, für die Unveränderlichkeit des bisheutigen Usus der Mazothbereitung eine Lanze einzulegen und gegen jede Neuerung zu Felde zu ziehen. Zu diesem Behufe wandte eS sich brieflich an einige der renommirtesten pilpulistifchen Autoritäten in Brody, Lemberg und Sandec, die nicht gerade im Rufe übertriebener Toleranz stehen. Diese sprachen, wie nicht anders zu erwarten war, ihr Anathema über die Neuerung der Einführung einer Mazothmaschine aus, wobei natürlich auch nicht unterlassen würde, manche 261 V obligate Seitenhiebe gegen die Orthodorie des gesammten deutschen Rabbinen- und JudenthumS zu, führen; der heilige Mann zu Sandec verflieg sich so-' gar so weit, die Maschinenmazoth für 1112a y?2n zu erklären; mit der Motivirung dieses Jssur thut der geheimnißreiche Mann etwas geheimnißvoll, indem er die profane Welt mit der Phrase •n?25> V1122 vsuni abfertigt. Daß übrigens diese chassidisch-pilpulistischen Bomben in der Luft platzten, ohne im mindesten die Zielscheibe zu berühren, oder auch nur durch ihr schwaches Geräusch Jemanden auszuschrecken, ist theils dem gesunden Sinne, der auch in diesem Lande seine Fahne immer höher trägt, vorzüglich aber dem klugen Benehmen des ehrwürdigen Rabbinats-Collegiums zu Lemberg zu verdanken, welches in einem in hebräischer Sprache veröffentlichten, besonnen, klar und populär abgefaßten Circulare alle gegen die Maschine vorgebrachten Einwendungen widerlegte und den feinen Tact hatte, zum Schluffe auch die Ehre der Rechtgläubigkeit des deutschen JudenthumS zu retten. Auch der Kreisrabbiner zu Tarnow hat sich zu Gunsten der Maschine ausgesprochen, waS wir gern hier anerkennend hervorheben. — Als uns diese Episteln, zu Gesicht kamen, fielen uns unwillkürlich die Verse 8—12 im 41. Cap. Jes. ein: »'yri-brz '121 bN'j'un rinNi ^a t^inrn ba TObs-H -11227. in '121 'SN tp22>-ia BNS?2n tibi Dc'pan ' ‘rfa-n ■»122« natoi yso ri-r — .sinynby •'123N VLY2-I M2 -NN7 “ n K 52 Macht dieses mittelalterliche Anathematisiren im Allgemeinen blos den Eindruck einer lächerlichen Farce, so hat eS für Krakau insbesondere auch seine ernste Seite, die nicht übersehen werden darf; es ist dies die traurige Wahrnehmung, daß es in den dasigen gemeindlichen Verhältnissen faul, und die Herbeiführung besserer Zustände dringendes Bedürfniß ist. Die Leiter dieser Gemeinde scheinen dies zu fühlen, was die Berichte von dort: daß sie ernstlich daran denken, ihren vacanten Rabbinatssitz wieder auszufüllen, beweisen; aber wie? durch welche Persönlichkeit? von welcher Parteifarbe? polnisch oder deutsch? chassidisch oder aufgeklärt? Diese Fragen machen eine glückliche Ausführung dieses wichtigen Vorhabens wenn auch nicht unmöglich, doch sehr schwierig, um nicht zu sagen zweifelhaft. Daher die verschiedenen Gerüchte, die über diesen Punkt in Umlauf sind. Nach den Einen wolle man daselbst den Sohn des seligen MoseS Sofer, Rabbiners zu Preßburg, den gegenwärtigen Rabbiner zn 19