Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1849)
- Date
- 1849-07-09
- Page
- Seite 390 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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390 chattscher Einfalt den üblichen Segensspruch beim Anblicke einer gekrönten Person und sprach hierauf feierlich den gewöhnlichen Priestersegen in hebräischer Sprache aus. Die Kaiserin unterhielt sich mit ihnen in huldvoller Herablassung über verschiedene Gegenstände und entließ sie hierauf mit allergnadigstem Wohlwollen. IX. Rabbi Zakob den Ephrajim Dajan, genannt Jakobsohn, geboren in Lissa 1752 und gestorben zu Mitau an der Cholera im Jahre 1831, war gegen 40 Jahre Rabbinatsassessor in Mitau und nach dem Tode des daft'gen Rabbiners David Ezechiel, bekleidete er hier sogar mehre Jahre die Stelle eines Rabbinatsverwesers. Sein Vater war ehemaliger Rabbiner zu Lissa und Verfasser einiger Chiduschim zu risä, die zu Posen 1769 erschienen sind. X. Israel David Friedmann, Rabbiner zu Mitau, gestorben 1844. Derselbe hat hier aus eigenen Mitteln eine Synagoge und eine ziemlich anständige Frauenbadanstalt (Nipn) erbaut. XL Ferner ruht auf dem israelitischen Gottesacker zu Mitau ein junger Mann, welcher Kommis des Hauses Rothschild war, während des strengen Winters im Jahre 1829 Goldbarren für gedachtes Haus führte und in Folge des Erfrierens seiner Füße hier starb. Da eingezogener Nachrichten zufolge derselbe ein frommer junger Mann und guter Eltern Kind war, wurde derselbe hier auch sehr ehrenvoll bestattet, und nachdem seine Leiche in der großen Synagoge, die mit schwarzem Tuche dekorirt war, 3 Mal 24 Stunden ausgestellt wurde, hielt damals ein hiesiger Privatmann, Herr Behrenstamm, eine rührende Leichenrede. Ich erwähne dieses hier nur, um dadurch vielleicht das Haus Rothschild zu veranlassen, diesem jungen Manne, dessen Grab jetzt ganz verfallen sein muß, auch nur einen einfachen Leichenstein zu setzen, damit, wie billig, seinen etwaigen noch lebenden Angehörigen sein Grab erhalten werde. XII. Die Familie Adelsohn. In dem kurlandischen Grenzorte G eorgenburg, wie auch in Königsberg existirt seit fast einem halben Jahrhundert ein jüdisches,- bedeutendes Handlungshaus unter der Firma Adelsohn & Comp., dessen gegenwärtiger Chef preußischer Konsul ist. Vor einigen Jahren verstarb hier dessen Mutter Taube, eine durch seltene Mildthatigkeit allgemein berühmt gewordene Frau. Während ihrer Beerdigung allein wurden mehre tausend Rubel unter die Armen vertheilt. XIII. Tanket Meyerowitz, ein reicher, mildthätiger und aufrichtig frommer Greis, verstarb zu Georgenburg im Jahre 1842, welcher auch ein Beträchtliches zur Vertheilung an die Armen hinterlassen hatte. (Schluß folgt.) Korrespondenz. Die israelitische Schule in Märkisch-Friedland. Märkisch-Friedland im Juni 1849. Sie haben öfters in Ihrem geschätzten Blatte Berichte über öffentliche israelitische Schulen Preußens gegeben; erlauben Sie, geehrter Herr Redakteur, daß ich auch über unsere hiesige Orts-, seit 30 Jahren bestehende und so segensreich wirkende Anstalt einige flüchtige Notizen, wie es meine Zeit mir erlaubt, beibringe. In unserer Vaterstadt blüht Handel und Gewerbe vorzugsweise durch reges Wirken der damals etwa die Halste der Seetenzahl betragenden jüdischen Einwohner. Wie überall regte sich der Geist der Neuzeit in dem jungen Bürgervolke; nicht ferner genügten die polnischen Rebbes und Cheiderwirthschast. In der unter dem seligen Akiba Eger so orthodoxen Gemeinde wurde doch das Bedürfniß zeitgemäßer deutscher Bildung vielfach empfunden und mit regem Eifer die Verwirklichung angestrebt. Glücklicherweise waren es die Angeseheneren und Gebildeteren, die sich für den Fortschritt interessirten. So wurde, damals wahrlich mit nicht geringen Opfern und unter nichteben leichten Kämpfen, die Gründung unserer öffentlichen Schule hier im Jahre 1819 ins Leben gerufen. Die Anlage war für eine Stadt von 2500 Einwohnern mit etwa 1200 jüdischen Seelen in damaliger Zeit keine in kurzsichtigem Stile angelegte. Ein solides Haus mit 7 Klassen und einem Sessionszimmer und Pedellwohnung, sehr geräumigem Spiel- und Turnplatz gab durch Wahl der Stelle und Ausstattung äußerlich Zeugniß für den Sinn der Begründer. Damals fehlte es an geeigneten jüdischen Rektoren, die den Ansprüchen an eine vielseitige deutsche Bildung genügen mochten, und es wurde im richtigen Verständniß einer ephemeren Anlage ein christlicher studirter Lehrer, der mehrere Jahre in Pädagogik zu Magdeburg unterrichtet hatte, zum Rektorat vozirt und seine lebenslängliche Anstellung mit der Verpflichtung 27stündigen wöchentlichen Unterrichts mit 750 Thlr. jährlich bewirkt. Der