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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1849-07-09 · Heft 28 (9.7.1849) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
13 (1849)
Issue
Heft 28 (9.7.1849)
Date
1849-07-09
Page
Seite 389 (sequence 13)
Language
German
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389 war gleichfalls ein geborner Preuße, der sich in Kurland! im Jahre 1780 niederließ und im Jahre 1829 zu St. j Petersburg starb. Derselbe verdient hier insbesondere inj sofern einer ehrenhaften Erwähnung, da derselbe bereits > im Jahre 1824 in der Schreiberstraße zu Mitau eine öffentliche, gut organisirte israelitische Schule, an welcher vier Lehrer (darunter auch ein christlicher) fungirten, errichtet, und die unmittelbare Leitung derselben uneigennützig selbst übernommen hatte. Indessen da damals die israelitischen Schulen sich noch nicht in dem Maaße wie gegenwärtig der Gunst der hohen Regierung zu erfreuen hatten, so scheiterte leider seine löbliche Absicht an der Theilnahmlosigkeit der dasigen Gemeinde, und diese Schule löste sich schon im Jahre 1826 auf. VI. Ahron Hurwitz, welcher Rabbiner zu Hasenpoth in Kurland, so wie auch zu Skud war. Derselbe war in Lithauen geboren, lebte aber eine Zeit lang in Königsberg, und ftequentirte auch die Jeschiba zu Prag. Er galt weit und breit als nicht unbedeutende Autorität. So korrespondirten mit ihm in religiösen Angelegenheiten der Rabbiner zu Königsberg, zu Danzig und viele andere mehr. (Bergt, die von ihm herausgegebene löahtt rvn:nö3 D^iavin p. 7 und 16.) Die erste Ausgabe der Moses Mendelssohn'schen Bibel, so wie die bekannte Pesach-Haggada mit dem Kommentar •ptin roa und viele andere sind mit seiner Approbation, die als Autorität galt, versehen, und ist dieselbe den gedachten Werken vorgedruckt worden. Außer seinen Ehiduschim, welche er nebst einem Anhang, welcher diverse Diskussionen über Ehescheidung enthalt, zu Frankfurt herausgab, hat er Nichts veröffentlicht; doch soll er mehre Novellas über verschiedene Talmudtraktate hinterlaffen haben. In späterer Zeit wurde er von Hasenpoth aus nach Berlin als Rabbinatsassessor berufen, welches Amt er bis zu seinem Lebensende bekleidete. Er starb daselbst im Jahre 1778 (n^n). Bemerkenswerth ist die in seinen gedachten Chiduschim vorkommende Notiz, wo es sich darum handelt, wie der Name einer zu Hasenpoth die Scheidung nehmenden Frau, welche Adelheide (hrnnbaN) hieß, im Hebräischen im zu schreiben sei; da meines Wissens dieser Name als jüdischer nirgends in nibd-M m:m8m vorkommt. VII. Simon Blumenseldt, genannt SimonSopher, geboren zu Mitau 1760 und daselbst gestorben 1826, zeichnete sich als Talmudist sowol, als auch vorzüglich wegen seiner besessenen seltenen Kunst im Feinschreiben aus. Er besaß die Fertigkeit, in allen möglichen Sprachen in so sehr kleinen Schriftzügen zu schreiben, daß man sie nur mittelst eines Vergrößerungsglases zu lesen im Stande war; so schrieb er einst auf ein Papierchen von der Größe eines Quadratzolles 9 Mal das „Vaterunser" in lateinischer Sprache; ja er war im Stande, auf eine mittelmäßige Velinpapierkante, etwa auf den Raum eines Haares, lesbare Buchstaben und Wörter zu schreiben. Ferner verstand er auch so ziemlich die Zeichnenkunst und war im Stande die Grundzüge einer Person ohne Schwierigkeit mit Bleifeder zu skizziren, welche er dann mit Versen und Sentenzen zu überziehen und auf diese Weise die wunderbarsten Schcif- Silhouetten zu liefern pflegte. Er durchreiste zu diesem Zwecke fast ganz Europa und hatte das Glück, selbst von gekrönten Häuptern berücksichtigt und belohnt zu werden. Für Se. Maj. den hochseligen russischen Kaiser Alexander schrieb er mehre solche künstliche Schrift- Silhouetten und dem Papste Pius VII. schrieb er eine min 1-)öD von der Größe und Dicke eines mittelmäßigen Fingers, so daß es vollständig zusammengerollt, durch einen goldenen Fingerring geführt werden konnte. Seine noch jetzt zu Mitau lebenden Kinder besitzen von ihm ein sehr interessantes Tagebuch, welches ec auf seinen Reisen durch Europa geführt hatte; ferner ein von demselben verfaßtes und bereits lange zum Drucke vorbereitetes Manuskript, betitelt 1122W ^2, welches einen Kommentar zur Bibel enthalt. Außerdem hat derselbe bereits veröffentlicht: nwrnab d. i. eine in hebräischer Sprache gedichtete Parodie der Ehepakten, am Wochen- und Hamansfeste zu rezitiren. Israel und das Judenthum wird hier als Bräutigam, die Tora und die Tugend als Braut und Gott als väterlicher Versorger derselben bezeichnet. VIII. Behr Klein, gestorben zu Mitau im Jahre 1827. Derselbe stand als Faktor Ihrer Maj. der russischen Kaiserin-Mutter, während dieselbe das Bad Kemmern in Kurland besuchte, in großem Ansehen. Bei einer Anwesenheit der Letztern in Mitau, erhielt ec die Erlaubniß, als Kahalsmann in Gemeinschaft mit dem damaligen greisen und frommen Rabbiner David Ezechiel,, derselben in einer Audienz im Ritterschaftshause persönlich aufwarten zu dürfen. Der Rabbiner erschien in einem auf Kosten des gedachten Behr Klein geschmackvoll angesertigten weißatlasnen Kaftan, worin derselbe mit seinem schneeweißen Barte und Hanptlocken einen seltenen Eindruck am Hofe der Kaiserin machte. Als sie vor dieselbe traten, betete der Rabbi in patriar-

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