Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 13 (1849)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1849)
- Date
- 1849-07-09
- Page
- Seite 391 (sequence 15)
- Language
- German
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391 Konrektor, Subrektor und Kantor mit resp. 360, 300 und 250 Thlr. jährlichen Einkommens, waren auf Seminarien gebildete und geprüfte jüdische Lehrer. Die Schule war von der Regierung mit den Privilegien einer öffentlichen Schule als Solche anerkannt und den Lehrern die Rechte von Staatsbeamten beigelegt. Die Eintheilung in 7 Klaffen, die außerordentlich sachgemäße Einrichtung des Lektionsplans und die Distribution der verschiedenen Lehrer für die betreffenden Lehrgegenstände, in denen sie vorzugsweise gern und mit Erfolg arbeiteten, die sofortige Kreirung einer entsprechenden Menge von Freiheiten, namentlich und vorzugsweise einerseits die Tüchtigkeit der Lehrer, wie das Interesse der Besten der Gemeinde für die Anstalt andrerseits, ließen diese mit Liebe und Aufopferung gegründete Anstalt auch segensreich erblühen. Sie ward eine Pflanzstätte deutscher Bildung, nicht blos für die Stadt, sondern für eine weitere Umgegend. Eigenthümlich wirkte der indirekte Einfluß der Anstalt durch die Jugend hindurch auf die bereits der Schule entwachsene Generation der Alten. Die deutsche Sprache wurde geschätzt und gepflegt, die noch vor Kurzem geächtete Mendelssohnsche Bibelübersetzung ward allgemein mit Eifer studirt und befand sich in Jedermanns Händen. Es würde uns zu weit führen, die Geschichte der Schule bis auf unsere Zeit in allen Nüancen zu verfolgen, wie sie zum Theil einen recht interessanten Abglanz der Kämpfe des Judenthums in unserm Vaterlande, im Kleinen darstellt. Erwähnen wollen wir nur, daß der Sinn für einen zeitgemäßem Kultus durch einen, dem viel später in der Gemeinde-Schule zu Berlin durch Hr. Dir. Auerbach so erfolgreich geleiteten, ähnlichen Sonnabens-Gottesdienst in so hohem Grade geweckt wurde, daß dieser, für die Schuljugend zunächst bestimmt, fremde Marktleute nicht nur, sondern auch Gemeindemitglieder in so hohem Grade anzog, daß im Interesse des regelmäßigen Synagogendienstes, Maßregeln zu treffen für nöthig erachtet wurde. Religion und hebräische Sprache durch Exegese und Grammatik geübt, wurden nicht vernachlässigt neben der deutschen Sprache, der Naturgeschichte, Mathemathik, Geographie, Geschichte,kaufmännischen Buchführung, Rechnen und Geschäftsaufsätzen, Zeichnen und Schreiben. So mochte man es dem hochstrebenden Sinn der Begründer nicht verargen, wenn sie sogar daran dachten, aus der hohem Bürgerschule ein Progymnasium zu machen, was freilich nimmer gelang. Reichliche Dotationen trugen zur äußern Blüte bei. Aber bald änderte sich leider die Szene. Die Wohlhabenderen zogen von hier weg, das rege Interesse für die Schule schwand, für die von Jahr zu Jahr an Reichthum und Zahl hinschmelzende Gemeinde wurde. Für dem Kantor B otki, der im Jahre 1825 verstorben war, wurde ein Jahr später ein gewisser Stenzel, jetzt Rektor zu Lissa, engagirt; als dieser im Jahre 1829 abging, wurde ein vierter Lehrer nicht ferner angestellt. Der Rektor Dessau, der mit dem Konrekter im steten Hader lebte, wurde bald ein unerschwingliches Onus für die mehr und mehr verarmende Gemeinde und diese war glücklich, als sie sich mit demselben durch eine namhafte Summe im Jahre 1838 abfand. Der Konrektor Friedländer, der seinen Bestrebungen zur Hebung des jüdischen Kultus immer mehr Hindernisse in den Weg gelegt hat, wandte sich mehr und mehr der christlichen Religion zu; Anfangs im Stillen, später als er seine Kinder hatte taufen (affen, immer offenkundiger. Streit und Zwist endete zur Zeit sein Tod, Anfangs 1844. So blieb nur noch der im Schreiben und Zeichnen namentlich tüchtige Subrektor Kohn als Stamm der ursprünglichen Viere. Die Zahl der Schüler war von 200 auf 80 heruntergegangen. Nach kurzem Provisorium ward im Lehrer Lindenberg, einem Seminaristen, ein tüchtiger Mitarbeiter gefunden. Dennoch konnte bei der Zweiklasseneintheilung der Unterricht den höher strebenden Wohlhabenden nicht genügen. Durch nur zu geneigte Unterstützung des Schulinspektors (Superintendenten), der gern die jüdische Schule mit der noch viel mehr zurückstehenden christlichen verbunden haben mochte, drohte unter Begünstigung von Privat- und Winkelschulen, eine modemisirte Cheidecwirthschaft unserer so schon schwachen Schule den letzten Rest zu geben. Da gelang es der redlichen Bemühung der Einsichtigen in angemessener Berücksichtigung der gegebenen Mittel, durch Akquisition eines studicten Rabbinen, der sich verpflichtete, außer dem Religionsunterricht, den Unterricht im Hebräischen, Deutschen, Mathematik und Latein zu übernehmen, dem allseitig gefühlten Bedürfniß abzuhelfen. Herr Dr. Eoßmann, seit 1847 hier Rabbiner, rst als der eigentliche Wiederhersteller unserer Schule mit Recht zu bezeichnen. Moralisch wie materiell ist seine Wirksamkeit eine unberechenbar segensreiche. Mag sie es noch recht lange bleiben! Wenn hier und da die Thätigkeit der neueren Rabbinen keine so allseitig vorgeschriebene und darum Leichte