Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 14 (31.3.1845)
- Date
- 1845-03-31
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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204 so bedeutenden Raum gestattet —wie er auch gewiß dessen würdig — fo können wir jetzt: 1) Petitionen, welche allein von unseren Glaubensgenossen ausgegangen sind, nicht mehr in den Textaufnehmen, sondern sie nur als Beilagen geben; 2) Petitionen unsrer christlichen Mitbürger oder hoher Behörden in der Angelegenheit der Israeliten nehmen wir fortgesetzt in den Text der Zeitung auf, da dieselben noch ein besonderes Interesse haben. Die Redaktion. Trier, 16. März. (Privatmitth.) Als die Nachricht hier eintraf, daß die rheinischen Stände abermals die Emanzipation der Juden mit großer Majorität votirt haben, so wurde von der.hiesigen Gemeinde sofort eine Quantität Steinkohlen unter die Stadtarmen vertheilt, und vom israelit. Konsistorium eine Dankaddresse an die hohen Stande gerichtet. — Die Gemeinde zu Koblenz hat, auf dieselbe Veranlassung 400 Thaler an das Blinveninstitut gesandt. — Essen, 19. März. (Privatmitth.) Auch unser Stadtrath und. an dessen Spitze der für jeden Fortschritt begeisterte Bürgermeister, haben sich der Zahl jener hochherzigen Männer angeschlossen, welche bei dem hohen rheinischen Landtage um Gleichstellung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern petitionirten. Folgendes aus der Petition entnommene Zeugniß dürfte den hiesigen Juden ebenso ehrenvoll als erfreulich sein. Es lautet wörtlich so: „Wenn die Genossen der Judenschaft andrer Orten sich ebensosehr einer Gleichstellung mit den christlichen Religionsverwandten würdig machen, wie hier: so dürfen denselben überall- und unbedenklich auch dieselben Rechte eingeraumt werden."") Berlin, im März. (Privatmitth.) UnKer sehr glücklichen Umständen wird jetzt hier eine neue jüdische Unterrichtsanstält gegründet, an der es jetzt hier gänzlich fehlt. Herr Horwitz ist ein.ästhetisch und pädagogisch gebildeter Mann, der nicht blos in *) Herrn Dr. H.'s Zusendungen sind uns auch unfrankirt willkommen. Redakr. Paris gewesen ist, um es gesehen zu haben, und daspädagogische Examen nicht blps gemacht .hat, um es gemacht zu haben; der ferner die gute Eigenschaft hat, neben dem Lehrer auch ein Mensch zu sein und offen zu stehen allen großartigen Einflüssen der Wissenschaft und des Lebens. Herr Horwitz ist kxin fanatischer Orthodoxer, aber er sieht ein, daß has Judenthum sich auf anderen Basen gründen müsse, als auf oberflächliches Raisonement, daß das Wissen allein vom Judenthum auch das Judenthum in seinen Jüngern retten kann. Fünf der tüchtigsten Männer Berlin's, Dr. Michael Sachs, B. S. Berend, I. Löwenherz, Hennoch Simion, Dr. M. Veit bilden eine Art Komit«; auch sie geben in einer Nachschrift zum Plane Zeugniß davon, wie eine solche Schule von Juden mit jüdischem Geiste und Gewissen geleitet eine Lücke ausfüllen müsse im berliner Leben der Juden. Es ist auch mit der Schule' ein Pensionat verbunden und man kann denjenigen dieses aus denselben Händen empfehlen, die der höhern Ausbildung halber ihre Kinder nach der Residenz zu schicken beabsichtigen. Daß sich das Institut erhalten wird, scheint mir ohne Zweifel; wenigstens spricht der Anklang, den es jetzt schon findet und der lebendige frische Geist des Vorstehers, der mit unermüdlichem Eifer für sein Institut arbeitet, für ein längeres Bestehen als seine Vorgänger gehabt haben. Den Religionsunterricht, diesen wichtigsten und schwierigsten Theil des Elementarunterrrichts überhaupt, hat Dr. Sachs übernommen. Silesius. Berlin, 23. Marz. (Privatmitth.) Herr Dr. Stern hat gestern seine Vorlesungen über die Aufgabe. des Judenthums und der Juden in' unserer Zeit, geschlossen. Es waren ursprünglich neun Vorlesungen von ihm angekündigt, von denen er eine, und zwar die über die Stellung der Juden in der bürgerlichen Gesellschaft, nicht gehalten, da das, was er in dieser Beziehung zu sagen hatte, wol schon in der mit besonderm Fleiß und Takt von ihm behandelten Vorlesung über das Judenthum im christlichen Staate und über die Emanzipation der Juden erschöpft worden war. Der letztgedachte war jedenfalls der am besten verarbeitete seiner Vorträge, obwol. er bei öffentlicher Wiederholung zum Besten christlicher Holzbedürftigen, nicht mehr den Eindruck^