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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-31 · Heft 14 (31.3.1845) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 14 (31.3.1845)
Date
1845-03-31
Page
Seite 203 (sequence 7)
Language
German
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2W Vergessen seines Kummers zu suchen. Madame Lerquem hatte dem Judenthume abgeschworen und so das heilige Band zerrissen, welche sie an das Gedächlniß eines Vaters kettete, der das Muster der Israeliten Frankreichs gewesen. Ihr Mann war davon tief niedergebeugt; aber seine edlen Grundsätze der Duldung, seine Neigung als Vater und Gatte, gestatteten ihm. nicht eine Verbindung zu brechen, die ihm so viele Leiden bereitete und die ihn in seinem eigenem Hause fremd machte. De. Lerquem kam nach Paris und obgleich ihn hierher die Absicht, sich auszuruhen führte, so suchte doch sein gefühlvolles Herz noch immer Kranke zu heilen und Arme zu trösten. Man sah ihn zu Fuß von der euo de lest in die elendesten Viertel l!u Marais gehen, um Len Unglücklichen die Hülfe seines Talents und seiner Erfahrung zu. bringen. Er vernachlässigte vor Allem keine Gelegenheit, um die Festigkeit seines israelitischen Glaubens darzulegen und um so gegen die beklagenswerthe Verirrung seiner Frau und einiger Glieder seiner Familie zu protestiren. Endlich griff in der Mitte seiner liebreichen Beschäftigung ihn eine fürchterliche Krankheit in den ersten Tagen des Februarsan, eine Krankheit, welche sofort seine Geisteskräfte schwächte und ihm Vernunft und Urtheil benahmen. Daließ Madame Lerquem, ich weiß nicht,-durch, welchen traurigen Einfluß bestimmt, den Pfareer des Sprengels kommen-, um ihrem bewußtlosen Manne die Taufe zu geben. Aber dieser würdige Diener der Religion verweigerte diesen Akt, da er den Kranken ohne Bewußtsein sah. Dies hielt aberdie Machinationen der Proselytenmacherei nicht auf. Ein andrer Priester, ein jüdischer Renegat, war weniger gewissenhaft. Er applizirte dem röchelnd Sterbenden die Taufe. Man weiß, daß derselbe: Priester dem Leichnam seines Vaters dasselbe hat thun wollen^ aber durch seine ergrimmten Brüder daran verhindert wurde. Glücklicher war er in dem Zimmer des Di-. Lerquem, hier fand er nur Helfershelfer. Jeder Christ ruft wol mit uns aus: Schande einem Priester, der seine eigene Religion mit. Füßen tritt, indem er auf unfern Todtenbetten Anhänger sammeln will! Und jetzt, daungeachtet der Schritte seiner Familie und des Großrabbinen von Paris, der Körper, des De. Lerquem nicht in jüdischem: Boden ruhet, ruht doch seine reine und israelitische Seele in dem Schooße des Gottes unsrer Väter, die Synagoge betet für ihn, als für einen ihrer würdigsten Söhne und alle seine Glaubensgenossen Frankreichs trauern um ihn. Preußen. ' Berlin, 23. März. (Privatmitth.) Wenn die Absicht sehr würdiger Männer in Ausführung kommt, so soll in der hiesigen Gemeinde sich bald ein Tempel, wie der hamburgisch.e ist, erheben, um für die Mitglieder, welche dem streng auf altem Fuße beharrenden Gottesdienste in der Synagoge entfremdet sind, einen Mittelpunkt zu schaffen.. Es wäre wahrlich zu viel gefordert, wenn man von der Synagoge auf einmal verlangte, sie solle, ohne Betracht der Masse, die seit Jugend an dem alten Gottesdienste sich angewöhnt und ihn liebt, den Wünschen und Bedürfnissen der Neuzeit nachgeben. Aber eben so wenig kann sie die Jünger unsrer Zeit zwingen wollen, alles Gottesdienstes zu entbehren, um nur: die alten Formen zu erhalten. Daher kann es auch nicht der Zweck des Ausschusses vom Gemeindevorstande, dem auch der De. Sachs beigesellt ist, sein, wesentliche Aenderungen im Gottesdienste vorzunehmen, außer was Unordnung und Mißbrauch ist. Aber desto mehr muß man die Männer unterstützen, welche, dem verjüngten Ritus in Berlin, eine. Stätte, schaffen wollen. Man ist wol jetzt darüber klar,, welcher Segen für das Iudenthum hieraus erwächst, wie erhaltend es für dasselbe wirkt. Möge daher nicht wieder eine starre, in der Opposition nur ihre Befriedigung., ihrem Kitzel findende Partei sich der Errichtung des Tempels entgegenstemmen, und. etwa die Gewalt zur Unterdrückung desselben anrufen. Möge vor Allem der Gemeindevorstand seine- Stellung begreifen, und. darum, weil der Tempel nicht geradezu von ihm ausgeht, sich ihm nicht entgegenstellen. Ja, wenn der Gemeindevorstand auch nicht die Initiative ergreifen kann, so würde er doch einen herrlichen Beweis seiner Einsichten geben:, wenn er dem sich bildenden Institute unter die Arme griffe! Magdeburg, 23. März. (Privatmitth.) Es sind uns in diesen Tagen noch die Petitionen des israelit. Konsistoriums zu Trier, der israelit. Gemeinde zu Bromberg und. zu Gnesen zugekommen. Da wir diesem Gegenstände schon einen-

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