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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-31 · Heft 14 (31.3.1845) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 14 (31.3.1845)
Date
1845-03-31
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
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205 machte, den er das erste Mal hervorrief. In beiden Vorlesungen über Emanzipation, waren mehrere Mitglieder unseres Provinziallandtages anwesend, von denen besonders der als freisinnig gerühmte Fürst Lynar (auf dessen Besitzung Drehna Herr Dr. Löwenstein, der Verfasser der bekannten Emanzipations- und Antibekehrungsschrift, als Pastor angestellt ist) dem Vortragenden viel Freundliches und Anerkennendes gesagt hat. Es ist dieser Vortrag seitdem auch im Druck erschienen, so daß eine aufmerksamere Beurtheilung möglich ist, die allerdings minder nachsichtig .sein dürfte, als die der Zuhörer, obwol neben vielem schon oft Gesagten, auch manches Neue in ansprechender Form uns begegnet. Dagegen möchten die übrigen Vorlesungen des Hrn. Stern — wenn sie ebenfalls gedruckt werden — einer ernsten wissenschaftlichen Kritik gegenüber, kaum bestehen. Es ist wahr, sie haben die Erwartungen, die man davon gehegt, in mancher Hinsicht übertroffen; sie haben anregend auf die Menge gewirkt und werden vielleicht bei Einzelnen auch noch nachwirken , aber weder das Ziel, das Herrn Stern vorschwebte, ist ihm so deutlich gewesen, daß er es auch den Zuhörern entschieden hinstellen konnte, noch hatte er die Mittel, um überhaupt zu, einem Ziele zu gelangen, reiflich und allseitig erwogen, so daß er sogar von einem gewissen Leichtsinn in seinen Urtheilen über Personen und Zustände der Gegenwart nicht freizusprechen ist. Als eine Wirkung der Stern'schen Vorlesung ist es zunächst zu betrachten, daß kürzlich eine Berathung von den zwanzig Männern über einen Schritt stattfand, den. man vorhat, um sich als sogenannter Reformverein zu konstituiren. Es wurden in dieser vorbereitenden Versammlung Punktationen vorgelegt, durch deren Unterschreibung man sich vom Talmud und von der Autorität der Rabbinen lossagen will. Aber es scheint in der Versammlung selbst schon auf das Nichtbedeutende und Zwecklose solcher Punktationen aufmerksam gemacht worden zu sein; man scheint erkannt zu haben, daß wir Juden uns weder von geistlicher' Autorität — heiße - diese nun Papst oder Kirche — noch von bestimmten Glaubensbekenntnissen — wie sie etwa in den symbolischen Büchern des Lutherthums oder in den 39 Artikel der englischen Kirche enthalten sind — uns loszufagen bedürfen und daß selbst der Talmud uns immer noch als Juden erkennt, auch wenn wir alle seine Vorschriften unbeachtet lassen. Darum begnügte man sich wol einstweilen ein Konnte niederzusetzen, um zu berathen und vorzuschlagen, was eigentlich unterschrieben werden müsse, wenn man nicht etwas ganz Nichtiges und UeberflüssigeS unterschreiben wolle. In derselben Woche fanden Berathungen der sogenannten „Kommission der Siebenunzdwanzig" statt, welches die Finanzkommission der Gemeinde ist, die von drei zu drei Jahren durch das Loos gewählt wird und ohne deren-Zustimmung keine neuen Ausgaben und folglich auch keine neuen Anstellungen stattsinden dürfen. Auch in dieser Versammlung hat sich der gesunde Sinn unserer Gemeinde bewährt, obwol man auf dieselbe im Geiste jener angeblichen Reformen einzuwirken gesucht hatte. Die große Mehrzahl sprach sich entschieden dafür aus, daß man allerdings den Fortschritt zu erstreben habe, aber sie erkannte auch an, daß der dermalige Gemeindevorstand diesen Fortschritt wolle, und zwar auf naturgemäßem Wege, indem er mit der Achtung der Gewissensfreiheit der Alten Achtung vor den Anforderungen der Zeit verbinde, die freilich nicht im Sturmschritte zu befriedigen sind. Vergessen wir nicht, daß es erst seit der Thronbesteigung des regierenden Königs der hiesigen Gemeinde überhaupt verstattet ist, an einen Fortschritt im Kultuswesen zu denken. Und daß er diesen ernstlich wolle, soll auch Herr Dr. Sachs, das geistige Moment des hiesigen Rabbinates, -in den Vorschlägen dargethan haben, die er zur Verbesserung des Gottesdienstes gemacht hat. Im Vertrauen auf diese Vorschläge hat auch die Kommission der Siebenundzwanzig die geforderten Gelder, sowol zur Herstellung eines zahlreichen Synagogenchors, als zur Anstellung eines zweiten Vorsängers bewilligt. Auch ist von derselben ein Zuschuß bewilligt worden, um das unter-Leitung des Herrn Dr. Zunz stehende Schullehrerseminar mit einer zweiten Klasse auszustatten, die es bisher nur provisorisch besessen hatte, wie denn auch' diesem Gelehrten selbst außer dem (nicht sehr bedeutenden) Gehalte, den er bereits als Seminardirektor bezieht, ein außerordentlicher Jahrgehalt von 300 Thaler bewilligt worden, wofür er die Verpflichtung hat, Gutachten in wissenschaftlichen und in Kultusangelegenheiten abzugeben, die die Gemeinde ihm aufträgt. 14»

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