Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1843)
- Date
- 1843-09-25
- Page
- Seite 582 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Hindernisse vorzubereiten und allmälig die Gleichstellung u. f. w. zu bewirken." Endlich einigte man sich in der folgenden Fassung des zweiten Ehestes des Antrags: . - „die Wegräumung aller noch bestehenden Hindermsse zur völligen Gleichstellung der Juden in bürgerlicher und politischer Hinsicht mit Seinen christlichen Unterthanen vorzubereiten und deren Beseitigung herbeiführen zu wollen." Die namentliche Abstimmung ergiebt 54 bejahende gegen 19 verneinende Stimmen für den amendirten Antrag, welcher daher,von der Plenarversammlung angenommen worden ist. Literarische Nachrichten. Aus Ungarn. (R. Moses Sofer rabbinische Gutachten. Fortsetzung.) Auf die Spezialitäten unseres Buches übergehend, fassen wir zuerst das letzte, in demselben enthaltene, Gutachten (No. 356) in's Auge, welches einen dogmatischen Gegenstand betrifft, der in neuerer Zeit vielfältig besprochen wurde, und erst bei Gelegenheit, des Hamburger Gebetbuchsireites zu manchen wissenschaftlichen und unwissenschaftlichen Erörterungen Veranlassung gab. Es ist nämlich die künftige Erlösung {'F&ifcu) und die Messiashoffnung, über welche der Vers, in dem erwähnten Gutachten seine Meinung ausspricht. Veranlassung hierzu gkebt ihm die Bemerkung seines Schülers Maier, Rabbiners zu Unghvür, der ihn darauf aufmerksam macht, daß die dreizehn Glaubensartikel des Maimonides in einer alten, von R. Jesaia Hurwitz im Sn'bm I 60, a angeführten Tradition ihre Bestätigung finden. Dem Kritischen Leser braucht indeß nicht bemerkt zu werden, daß jenes im Si'brc erwähnte, angeblich uralte Gebet des LaHuwe, — Sofer zitirt fälschlich Rab Tabjume, — die Merkmale seiner tiefen Jugend an der Stirne trage, und nichts weniger als geeignet sei, eine Gewährleistung des vor-maimonidischen Ursprungs der dreizehn Glaubensartikel darzuthun. An jene dogmengeschichtliche Unghvarer Notiz knüpft nun unser Verf. folgendes Raisonnement: “’b *>'<228 ns "fN •ünbi*» 'w® pmrtb 121« r "WKinöi — ftb^bn nvinn bis>n biö*1 ünüi übn? wpa lima ttwas in w -brr •»2&53rt:bbi^b niwa /nb sjö 'Ssi nwab IN , nibbtt bi» pi-ibb dn L^NiL-, bw Nb idNdN! Nb^bn *»w» '^sn bw iLip r->iMb —, i-mi2n d>i2wbi )>^N-7 ^2 bi2Nb 'ii ^L2N •’HbN 121^. „Ich kann in keinem Falle glau- .„ben, daß die Erwartung unserer künftigen Erlösung zu „den Religionsprinzipien gehöre, und daß beim Einstürze „dieser Stütze das ganze Glaubensgebaude einstürzm „müsse. Gesetzt, unsere Sünden wären Ursache unserer „ewigen Zerstreuung, — wie dies R. Akiba rücksichtlich „der zehn Stämme behauptet, — wäre es deswegen ge- „stattet, das „Joch des Himmelreiches" abzuwerfen, oder „auch nur von den Worten der Rabbinen die Spitze „eines Iota zu andern? -— Fern fei dies von uns! „Wir dienen Gott nicht, um die Früchte der Erde zu „genießen, und uns von ihren Gütern zu sättigen, — „Deinen Willen zu thun, mein Gott, ist mein „Verlangen!"*) Niemand wird in diesen Worten dm Geist einer innigen, unbedingten Hingebung in den Willen Gottes verkennen, einer Hingebung, die, frei von allem Eudamonism, kein anderes Verlangen hat, als, sich dem göttlichen Willen unterzuördnen. Es kann diese Lebensansicht bei Sofer Niemanden befremden, der den Geist des Judenthums kennet, die schriftlichen Urkunden desselben mit unbefangenem Sinne und Gemüthe betrachtet, und zu denselben nicht das Vorurthekl mitbringt, es seien in und von ihnen nur vorbereitende, daher schwache und beschränkte Anfänge einer spätem, vollendetem Lehre zu erwarten. Nein, nicht der Blick auf die „einstmalige, weltliche Herrlichkeit" erleichtert dem orthodoxen Juden den Kampf, der mit der Treue gegen der Väter Glauben und Sitte verbunden ist; nur. der Aufblick zu Gott thut es, und die Bereitwilligkeit, nach Seinem Willen zu leben und zu sterben. Was jedoch an Sofer's Ansicht aussallen dürste, ist die Geneigtheit derselben, die Meffiaserwartung aus den Glaubensartikeln zu streichen. Wenn vor nicht langer Zeit ein orthodox fein wollender Rabbiner seinem, mit allen Waffen der rabbinischen Kasuistik gerüsteten Gutachten über die Breslauer Wirren eine Enumeration der jüdischen Glaubensprknziplen voranschickte, und tzleichwot über „Erlösung und Auferstehung" mit gewohnter Leichtfertigkeit hinübergleitete; so liegt hierin nur eine natürliche Konsequenz seiner Inkonsequenz. So sagt er Geiger die größten Verbindlichkeiten, während ihm doch nur >) Psalm 40, 9.