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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-08 · Heft 14 (8.4.1843) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 14 (8.4.1843)
Date
1843-04-08
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 Dayonne, Lm Februar. (Arch. is. de kr.) Herr Marx ist hiesiger Rabbine gewyrden, Herr CharlevLlle in Dijon; die Bestätigung vom .Ministerium ist eingelaufen. Literarische Nachrichten. . Aus Ungarn, l'm März. (Halachische Literatur.) -!S12 pnn Rabbknische Gutachten von dem sei. Rabbi Moses Sofer. Erster Theil, den dore- I)ea betreffend. Preßburg, 1841. Bei Anton Edlen von Schmid. 153 Folio-Blatter. Im jer'usalemischen Talmud (Sabb. VII, 2) wird berichtet, Jochanan und Reschlakisch, zwei Rabbinen des dritten Jahrhunderts, seien mit dem Studium Eines Abschnitts im Sabbat-Traktate viertehalb Jahre beschäftigt gewesen, so daß es ihnen gelungen, jedel: verbotenen Hauptthatigkeit 2dr) eine, der Totalsumme jener Thätigkeiten gleichkommende, Anzahl, nämlich neununddceißkg, — analoge Thätigkeiten, (nnVin) zu subsumicen. Welch eine mikrologische Richtung hatte also schon damals das Studium des göttlichen Gesetzes genommen; wie weit hatte man sich in den drei Jahrhunderten, welche zwischen Schammak und Hillel und den genannten Rabbinen liegen, verloren! Denn in den Disputationen der Schammajaner und Hillelianer, denen der Talmud selbst Mangel an Reife und gehöriger ^Ausbildung vorwirft, sind, die Uranfange des Pilpuls zu suchen, . des Haarspaltenden und nimmer zu Ende kommenden Pilpuls, welcher seitdem die besten Kräfte in Israel nbsorbirte, Und noch heut zu Tage in einem bedeutenden Theile der Iudenheit die Alleinherrschaft zu behaupten, und jeden wiffenschaftlichen Aufschwung zu unterdrücken strebt. So schärfte der Verfasser des anzuzeigenden Buches noch in seinem Testamente die väterliche Warnung ein, nicht einmal von einer deutschen Bibelübersetzung Gebrauch zu machen. So unbefangen man aber über den Werth des Pilpuls auch immer uctheilen mag; so wenig man in unserer Zeit auch geneigt sein kann darin den Mittelpunkt der jüdischen Theologie zu erblicken, und so gegründet auch die Ueberzeugung isthaß dieser Mittelpunkt einzig, und allein in einer gelehrten und. gestnnungsvollen Forschung und Bearbeitung der Schrift zu suchen sei: so wenig ist es doch zu leugnen, daß auch die Pilpul-Richtung Iren Nutzen hatte. Wie dieselbe aus dem Geiste ihrer Entstehungszeit hervorging, und von dem Geiste der darauf folgenden Jahrhunderte weiter verfolgt wurde; so wirkte, sie wieder auf diese Weise zurück, weckte die Geister zur Vergleichung und Trennung auf halachkschem Gebiete,, und, ließ die Bedrängten in diesem nationellen Elemente die Entschädigung für so Vieles finden, das sie-schmerzlich entbehren mußten. Außerdem hatte die Beschäftigung mit dem Gesetze, mit dessen Verständnisse und praktischer Anwendung , den negativen Nutzen, daß sie in jenen Zeiten kirchlicher Streitigkeiten und Zerwürfnisse der Synagoge den. inner» Frieden bewahrte, und jeden dogmatischen Zankapfel eben so fern von derselben hielt als jedes unbedingt zwingende Symbolum. Denn, daß der heftige, dogmatische Streit über den b/.iovaiog ganz andere Folgen hatte, als die friedlichen Diskussionen der Rabbinen über NLpiu , und ähnliche Fragen, — weiß Jedermann. Ja, selbst in unseren Tagen kam die Pilpul-Rüstigkert manchem Gelehrten wohl zu Statten, und ließ ihn schätzbare, historische Resultate finden. So hat die Wissenschaft auch den Alchymisten manche nützliche Erfindung und Entdeckung zu verdanken. Und wenn eine, von verschiedenen Seiten in Anregung gebrachte Entwickelungsgeschichte der Halacha zu Stande kommen soll, so kann dies offenbar, nur durch solche Gelehrte geschehen, welche den Talmud auch 111016 judaico seil, pilpulico zu behandeln verstehen, und der rabbinischen Methode vollkommen mächtig.sind. Diese Methode auch nicht-talmudrsch-gebkldeten Lesern durch Beschreibung anschaulich zu machen, — dürfte kaum möglich sein — das Eigenthümliche des Verfahrens kann weder durch eine viel versprechende philosophische Terminologie, noch durch mathematische Formeln befriedigend dargestellt werden. Aber selbst manchem Talmudisien ist es vielleicht nicht ganz klat geworden, daß der Pilpul vorzüglich in den letzten drei Jahrhunderten, sich in zwei verschiedenen Richtungen entwickelte. Während man sich auf der einen Seite in luftigen Schwindeleien und künstlichen Sekltanzecsprüngen gefiel, strebte man auf der andern Seite sich einer größeren Einfachheit zu befleißen, und es bei den Produktionen des Pilpul tiefer anzulegen als auf eitlen Witzesflitter. Je gefährlicher das wissenschaftliche Streben der neueren Zeit dem Pilpul wurde; je unverhüllter die Blößen jener spitzfindigen Methode in die Angen sprangen: desto mehr wurde die zuerst genannte Richtung in dm, Hintergrund zurückgedrangt, und sie blieb, namentlich unter den renommirteren Rabbinen, nur noch auf einen kleinen Kreis von Liebhabern beschränkt. Zu diesen wenigen Liebhabern gehörte, den bei wei- 14*

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