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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-08 · Heft 14 (8.4.1843) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 14 (8.4.1843)
Date
1843-04-08
Page
Seite 216 (sequence 8)
Language
German
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216 Bildung nichts anders ist, als Entwickelung der Kräfte, so erscheint es wohl als ein harter Widerspruch, wenn der Staat auf der einen Seite die Entwickelung der Kräfte durch Schulen befördert und die hohem und edlem Bedürfnisse des Menschengeistes weckt, auf der andern Seite jenen durch Gesetze jeden Spielraum für ihre Anwendung verschließt und diesen alle Möglichkeit ihrer Befriedigung benimmt und so dem Hungernden und Durstenden die Qualleben des Tartarus bereitet. Ueberall tritt unftrm besserm Wollen das von Ihnen, hochgeehrte Herren, nicht geschaffne sondern Vorgefundene Gesetz hemmend entgegen, überall kömmt der Geist der alten-unsere Zustande niederschlagenden Gesetze mit dem Geiste der neuen, Ihrem humanen und gerechten Sinn entsprossenen Gesetze in Streit und verhindert die Realisirung ihrer edlen Bestrebungen. —" „Beinahe wie Hohn klingt es, wenn das neue Schulgesetz uns zu nützlichen Menschen befähigen will und unfern Iugendlehrern den Eid abnimmt, ihre Wichten so zu erfüllen, daß sie es auch vor dem Vaterland verantworten können — und dagegen im unnatürlichen Widerspruch der Hemmgeist der alten unaufgehobenen Gesetze laut genug uns zu herrscht: Ihr Söhne Israel's, leget sie wieder zu ewigem Schlummer nieder, eure erwachten' Fähigkeiten und Kenntnisse, schlaget euren Ehrtrieb und euren Patriotismus zu Tod, ersterbet in euerm Thatendurst! Wir wollen euere Kräfte, euere Dienste nicht, wir begehren euer als Vertheidiger des Vaterlandes nicht; als Schacherer könnt ihr unter uns vegetiren, wie es seit Jahrhunderten gehalten ward, aber die menschlicher Lhäftgfeit würdigen Felder seien euch verschlossen. — WLHr dus Schulgesetz unsere Jugend hinführt in die (lauen und Thäler unseres schönen Schweizerlandes, soll es etwa darum geschehen, daß wir sie frühe schon zu ihrer bittern Schmach mit jenen; Orten und Gegenden bekannt machen, deren Boden dereinst, wenn sie in das Alter der Erwachsenen getreten, ihr Fuß nicht betreten darf? — Daß dergleichen Orte es in der Schweiz giebt ist notorisch. Die Waldstädte Luzern und Chur verschließen uns ihre Märkte; Zürich uyd St. Gallen haben für uns Juden eine ganz andere Behandlungsweise, welcher sie den tiefverletzenden Vorwurf beifügen, daß wir keine Schweizerbürger seien, und uns erst als argauische. Kantonsbürger zu legitimiren hätten, bevor wir mit ihnen in gewerbliche Verbindung zu treten suchen. Wie schmerzend ist für uns Landeingebornen die faktische Unbilligkeit, daß Ausländer, selbst französischen Juden gestattet ist die Schweiz zu bereisen,' in ihr, Gewerbe zu treiben, sich da häuslich niederzulassen, während wir in unfern Dörfern zusammengedrängt leben müssen, ein Zustand, in welchem weder Gewerbe noch Kunst noch irgend ein edlerer das Beste des Staats fördernder Erwerbszweig gedeihen kann. Welcher Unbefangene möchte bei solchen.Verhältnissen uns zurufen: Treibet Ackerbau und Handwerke und Künste! Das ist in so engem Raum nicht möglich für uns Alle — wenn auch einige Israeliten sowol zu Endingen als Lengnau wirklich den Ackerbau betreiben, andere sich dem Handwerke gewidmet haben. '— Unter solchen Umständen müssen wir systematisch zum Nothhandel, zum Schacher getrieben werden, . während wir mit raschen Schritten unserm ökonomischen Ruine zum fühlbaren wesentlichen Nachtheil des Staates entgegen eilen." . Perfonalnachrichten. Amsterdam, 1. März. (Privatmitth.) Der Komponist A. Berlim, (derselbe, der unser Oratorium „Mo-' ses auf Nebo" komponirt hat,) hat vom Kön. v. Holland Maj. den Ritterorden der Eichenkrone erhalten. Derselbe ist israelitischer Religion. Stettin, 19. März. (Privatmitth.) Am 11. b. M. hat der Rabbiner Herr Dr. Meise! seine Antrittspredigt auf treffliche Weise gehalten. Derselbe errichtet in'Verbindung mit jüd. und christl. Lehrern eine Schule. Konn, 3. März. (Privatmitth.) Der Israelit, Herr vr. Wetzlar in Aachen, Verf. mehrer rühmlich anerkannter medizinischer Schriften ist zum korresp. Mitglieds der Akad. der Med. und Naturw. in Brüssel ernannt worden. Aordeaur, im Februar. (Arch, isr. de Fr.) Der Dchrffskah-rtän Jules Julian, israel. Religion, ist ertrunken, und ab: 22. Jan. bei großem Gefolge beerdigt worden. Mehre Reden wurden am Grabe gehalten. In seinem fünfzehnten Jahre ging er zu Schiffe; 1833, im achtzehnten Jahre, wurde er Kapitän; 1838 befehligte er die Fregatte Courrier - de-la* Vera- Cruz, die an den Küsten von Florida Schiffbruch litt. Seine Geistesgegenwart rettete 18 Menschen das Leben. Seitdem befehligte er viele Schiffe, die nach Martinique, dem Senegal- Havanna, Montevideo, Buenos AyreS ff. gingen.

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