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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-10-26 · Heft 95 (26.10.1839) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 95 (26.10.1839)
Date
1839-10-26
Page
Seite 549 (sequence 5)
Language
German
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549 neuen Verordnung zufolge stehen alle jetzt existkrende oder noch zu gründende jüdischen Kolonien, die auf Kronlgndern in Cherson'schen und andern Neu-Ruffischen Gubernien angelegt worden, unter Aufsicht der Gubernial-Behörde und des Generalgouverneurs von Neu-Rußland und Beßarabien. Die unmittelbare Verwaltung aber ist in jedem Orte verdienten, aus dem Dienste entlassenen oder verurlaubten Militairpersonen übergeben, die in der Stufe von Unter-, Ober¬ und Staabsossizieren gegenseitig einer über den andern die Controle führen. So ist in jeder Kolonie als besonderer Aufseher ein Unteroffizier, über diesen ein Staabsofsizier, dem zwei Oberoffiziere als Gehülfen beigegeben sind, gesetzt. Als Anleitung in ihrem Dienste gelten die besondern Instructionen, welche die Verwaltung in den Kolonien betreffen. Der Kourker .vom 4. d. M. enthält einen mit. der Unterschrift: M. Goldring gezeichneten Nekrolog des Nabbinen in Lenschycz (Lescvce). Er hieß Joachim Auerbach, wurde über 80 Jahre alt, und starb am 28. v. M. Sein Amt als Rabbkne verwaltete er 40 Jahre. Er' gehörte zu den hier zu Lande seltenen Männern, die mit umfasiender rabbinischer Gelehrsamkeit eine acht humane, sociale Ausbildung verbinden; dadurch wußte er sich die Anhänglichkeit aller Stande und Parteien zu erwerben; und die allgemeine Achtung, in der dieser fromme, gebildete und äußerst wohlthätkge Mann selbst bei den christlichen Bewohnern der Stadt stand, sprach sich bei seinem Leichenbegängnisse deutlich aus, bei welchem selbst, die höhern christlichen Beamten der Stadt und der Umgegend zugegen waren. Die jüdische Gemeinde selbst, die er wahrend seines langen segenreichen Wirkens'geistig und physisch zu verbessern strebte, beweint in ihrem dahingeschkedenen Nabbinen einen ihrer größten Wohlthater. Vr. J. 13. Desterreich. Wien, 3. Okt. (Privatmitth.) Die ungarischen Israeliten haben den größten Koryphäen tatmudischer- Gelehrsamkeit und rabbinischer Frömmigkeit verloren. R. Moses Sofer, geb. zu Frankfurt am-Main im Jahre 1762, verschied gestern, um halb zehn Uhr des Morgens nach fünftägiger Krankheit. Ec verwaltete das 9?abbinat in Preßburg durch fünf und dreißig Jahre. Neben seinen Berufsgeschäften als Rabbine war die Erforschung der Tora seine Lieblingsbeschäftigung. In frühem Jahren lag er fast einzig und allein-'dem Pilpul ob; spater sah er, wie er selbst zu sagen pflegte, das Unstatthafte und Unpraktische dieser Richtung immer mehr ein, und in seinen letzten Lebensjahren vermied er sorgfältig die Spitzfindigkeiten der frühem Epoche. Seiner Wirksamkeit als Lehrer einer zahlreichen Jeschiba ist bereits in diesen Blattern Erwähnung geschehen. Er hatte eine ungemein ausgebreitete Correspondenz mit vielen Nabbinen in Deutschland, Italien, Polen, Rußland und der Türkei. Die Palästinenser pffegten ihn Naßi zu tituliren. Es wäre lieblos, diesen ehrwürdigen Rabbi von dem modernen, einseitigen Standpunkte aus zu beurtheilen, und hier das „de mortuis nil nisi bene“ aus den Augen zu lassen, wie neuerlich ein Korrespondent in diesen Blättern bei ähnlicher Gelegenheit gethan. Die unbeschreibliche Theilnahme seiner Gemeinde wahrend seiner Krankheit, die tiefe Trauer mit welcher so Viele seinen Tod beweinen, beweisen hinlänglich, wie tief man den Verlust dieses Mannes empfindet, der von keiner ähnlichen Eelebrität ersetzt werden kann. . Wien, 4. Okt. (Privatmitth.) Die Angst, welche nach der ungeheuren Ueberschwemmung des vorigen Jahres so Viele für das Fortgedeihen und die Entwickelung der Pesthcr Jscaelitengemeinde zittern ließ, Mtssich, Gott sei Dank, grundlos gezeigt, und ich. kaM Ihnen mit.Vergnügen mittheilen, daß ich mich bei meinem letzten, mehrtägigen Aufenthalte in Pesth überzeugte,, daß diese Gemeinde, welche für die jüdischen Gemeinden in Ungarn Ton angebend geworden, mit tiefer Einsicht, mit wohlberechneten Maßregeln und wahrhaft israelitischer Frömmigkeit über die ansehnlichen Mittel gebietet, welche ihr zu Gebots stehen. Die Gemeindestatuten bewähren sich immer mehr und zeigen ihren segenreichen Einfluß bei jeglicher Gelegenheit. Der Eorrespondent, welcher diese, wohlocganisirte Gemeinde einen Aggregat nannte, urtheilte wol zu vorschnell, vielleicht auch nicht ohne Nebenabsicht. Manches geht dieser jungen, aber herrlich sich entwickelnden Gemeinde freisich noch ab; aber der jetzige Vorstand ist eben bemüht, da^ Fehlende zu ergänzen, die Lücken auszufüllen. So hatte, sich die Gemeinde bis vor nicht langer Zeit keines Grundbesitzes zu erfreuen, es ist derselben aber bereits gelungen, die gesetzlichen Bewilligungen von unserer humanen, alles Gute und Schöne befördernden Negierung zu erlangen, und die entsprechenden Grundstücke käuflich an sich zu bringen. Namentlich ist unter dem 30. November 1838 höchsten Orts die Bewilligung zum Ankäufe eines Grundes ectheilt worden,, auf welchem schon im nächsten Frühjahre der Bau des Spitals beginnen wird.- Ich bedaure sehr. Ihnen von dem pxojectirten Bau der Synagoge nicht dasselbe berichten zu können. Jndeß steht auch dieser in nächster Zukunft zu erwarten, da das Bedürfniß eines, einer solchen Gemeinde würdigen Gotteshauses immer fühlbarer wird. - In früher» Jahren .war man nicht ganz darüber, einig, ob die zu ecbauenpe-Synagoge dem ältern ober.: neuern Ritus .gemäß zu - bauen, se.ii; jetzt ist für Erbauung eines zeitgemäßen Tempels-nur eine Stimme, und in dieser Beziehung würde wol dem.: gottgefälligen Unternehmen nicht das geringste.Hinderm.ß in. den Weg treten. ” Daß die kräftigen Kanzclreden des allgemein geehrten und geliebten' -Nabbinen Schwab zu dieser Richtung der öffentlichen. Meinung: nicht'wenig beigetragen, ist nicht zu bezweifeln. Es ist diesem würdigen Geistlichen wirklich zu gratuliren, daß er seine Gemeinde und deren ehrenwerthe Vorsteher die H. H. I. L. Boskowitz, D. Oesterreicher, Herrmann Löwy, Adolph Pinkas, Samuel Ullmann, stets bereit findet, ihm bei jeder vorzunehmenden Verbesserung die Hand zu bieten. Dies ist namentlich bei der Lehrschule der Fall, welche sich mit jedem Semester eines gcößern Vertrauens, eines großem Schulbesuches zu erfreuen hat. Die Schulcommission ist rastlos bemüht, immer.mehr Ordnung und praktische Zweckmäßigkeit in den Unterricht zu bringen, und es gehört diese Lehranstalt, welcher die Creirung zur königl. Hauptschule bevorsteht, unstreitig zu den besten Volksschulen Ungarns. Daß der Unterricht in' dieser,

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