Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 95 (26.10.1839)
- Date
- 1839-10-26
- Page
- Seite 550 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 so wie in allen jüdischen Schulen in Ungarn, täglich sieben bis acht Stunden dauert, ist ein Uebelstand, dessen Ursprung in , der ältern Tendenz der Erziehung, in der das Fleisch tödtenden Richtung früherer Tage zu suchen ist, in denen man, nicht nur in jüdischen Schulen, den Körper schon in der Jugend durch Stillsitzen und Hocken über den Büchern abzuschwächen bemüht. Der jüdische Knabe, welcher nur zum Dulden und Ertragen eines doppelten Joches erzogen werden mußte, wurde für diesen seinen Leidensberuf in finstern Winkeln, hr denen er unbarmherzig gequält wurde, von zartester Kindheit an vorbereitet. In neuerer Zeit hat sich die gleiche Berechtigung des Körpers und des Geistes an eine harmonische Bildung Beider freilich immer mehr herausgestellt, aber die Wichtigkeit der physischen Erziehung wird noch immer nicht gehörig erkannt, und die Eitelkeit vieler Eltern und Pädagogen, die liebe Jugend omnia et quodam alia zu lehren, trägt das Ihrige zu dem Mißbrauche bei, daß in unserer an pädagogischen Theorien so reichen Zeit noch immer Kinder vom .fünften bis zum vierzehnten Jahre täglich acht Stunden in den Schulmauern gefangey gehalten werden. Dieser Gegenstand sollte von Hausvätern und Schulmännern reiflich erwogen werden. Zu dem vielen Erfreulichen, das ich Ihnen über Pesth zu berichten habe, ist die erhöhte Theilnahme für den Verein zur Beförderung der sogenannten schweren Handwerke, welcher seit mehreren Jahren unter der Aegide des Gemeindevorsteheramtes besteht. Au bedauern ist es jedoch, daß sich christliche Meister noch immer nicht entschließen wollen, jüdische Lehrlinge aufzunehmen-, wiewol diese Aufnahme schon im Jahre 1783 durch das Toleranz-Edict gesetzlich gerechtfertigt ist. In letzter Zeit wurden von dem Vereine einige Zöglinge nach Arad zu jüdischen Meistern in die Lehre geschickt. Dieses Streben wird sicherlich zu den schönsten und segenreichsten Erfolgen führen, da zufolge der hohen Stadthalterei-Resolution vom 5. Febr. 1805 Z. 3104 der Betreibung der Gewerbe mit jüdischen Gesellen kein gesetzliches Hinderniß entgegensteht, und die Regierung schon bei meh^ reren Gelegenheiten die jüdischen Unterthanen in Ungarn aufgemuntert, sich der Gewerbsbettiebsamkeit zu befleißen. So reifen die Israeliten Ungarns immer mehr zu ihrer bürgerlichen Bestimmung, und Jeder, der die Verhältnisse kennt, kann ihnen eine schöne Zukunft prophezeihen. Deutschland. Burghasbach, 13. Sept. (Privatmitth.) Durch eine in der, allerhöchsten Orts bestätigten Synagogen-Ordnung für den Kreis Mittel franken in Baiern, nach der sämmtliche Stände in der Synagoge gegen Morgen zu richten seien, bewogen, sah die hiesige Gemeinde sich bewogen, ganz neue Subsellken, so wie auch eine schöne Kanzel aufzustellen. Die außerdem noch mit manchem neuen Schmucke versehene Synagoge wurde nun am ersten Abend des Neu- Jahrs mit Gesängen und einer trefflichen Predigt des Distriktsrabbinen Herrn Selz zu Uhlfeld, von Neuem feierlich ekngeweiht. Der hierdurch gewonnene Eindruck auf die Gemüther der Zuhörer wurde dann am folgenden Tage durch eine begeisternde Festpredigt desselben Redners noch erhöht, so daß der Nachklang dieser erhebenden Feier uns diese kurze, aber innige Anerkennung im Namen unsrer Gemeinde, gern abnöthigte. Literarische Nachrichten. Metz, 5. Okt. (Privatmitth.) Hier ist der Prospektuö zu einem Werke auSge'geben worden, das binnen Kurzem erscheint, und folgenden Titel hat: Precis de l'histoire des hebreux, depuis le patriarche Abraham jusqifa nos jours, avec un grand nombre de reÜexions morales, critiques et philosophiques; l’exposition des principes de la religion judaique, ainsi que des eclaircissemens sur la tradition et le Talmud, par L, — M. Lambert, Grand-Kabbin de la circo nscription de Metz. ES wird in einem Bande 8. von ungefähr 500 Druckseiten erscheinen, zu einem Preise von 6 Franks (1 Thlr. 14£ gGr.) Magdeburg, 13. Okt. Angekonnnen: La Bible, trad. nouy. par Callen, Tom. XVIII. et Tome X. Paris. 1839. — Precis elementaire d’instruction religieuse et morale. Nouv. edit. Strasbourg 1838.— Dasselbe deutsch.— Briefe über „2-ilN von Hirsch." Herausgegeben durch Charbonah. Leipz. 1839. — Museum für die israelitische Jugend, Lief. II. Brieg. 1839. — Denkmal der Liebe und Weihe, in sieben Vorträgen. Von Leviseur. Kassel 1839. — Straß bürg, 20. Sept. (Privatmitth.) Die Bücherschau in No. 81.'der Allg. Zeit. des Jud. S. 360 enthält eine Beurtheilung des Precis element. d’instruction religieuse et morale, in welcher Sie, nach Anerkennung der Nützlichkeit dieses Merkchens, hinzufügen: „eine deutsche Bearbeitung wäre nicht überflüssig."— Um Ihnen zu beweisen, Herr Redakteur, daß wir Ihrem Wunsche zuvorgekommen, beehre ich mich. Ihnen zwei Exemplare einer neuen Ausgabe, das eine französisch, das andere deutsch, vorzulegen. DaS dringende Bedürfnis für die Israeliten des Elsaß bewog den Groß-Rabbinen des hiesigen Konsistoriums, Herrn Ä/ Aron, cS selbst in'S Deutsche zu übertragen» Das Konsistorium erließ zugleich am I. Jan. 1838 ein neues Circulair, um diesen Katechismus zur Benutzung zu empfehlen; besonders dringt cs auf Erfüllung des sechsten Art. des dcsfallsigen Beschlusses des Central-Consistoriums, nach welchem jeder Knabe vor der Zulassung zum Toraleftn an seinem Bar - mizwa - Tage nach diesem Katechismus vom Groß-Rabbinen oder seinem Delegirten geprüft werden solle. (Es wäre zu wünschen, daß dafür gesorgt würde, daß dieser deutsche Katechismus in den Buchhandel für Deutschland käme. — Redakt.j « e Met t i st i k. E s t e r k a. Trauerspiel in fünf Akten. Zweiter Akt. - Personen: Die im vorigen Akte. Ein Kammerherc. Pater Martin. Jakol, ein Jude. Mehrere Juden.