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Zion · 1937-07-01 · 3 (7.1937) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
3 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 9 (sequence 10)
Language
German
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naleGedanke, wenn wir von der nationalen Idee bei Zwi Hirsch Kalischer, die auf thoratreuer Grundlage aufgebaut ist, absehen, entdeckte den bis dahin unbekannten Begriff des nationalen Judentums, frei von jeder Verbindung mit der jüdischen Religion und dem jüdischen Gesetz. Er schuf eine neue Ideologie, die dem nationalen Moment im Judentum zu einer selbständ i ig e n, lebensfähigen Form verhalf. Er zeigte einen neuen Wirkungs- und Lebensbereich außerhalb des Beth-Hamidrasch. Er brachte neue Ideale und setzte neue Ziele. Und doch vermochte auch der nationale Gedanke nicht eine vollständige Trennung zwischen der jüdischen Nation und ihrer Lehre herbeizufuhren. Die historische Einheit zwischen Israel und seiner Thora ließ sich nicht durch eine neue Ideologie unwirksam machen. Ja, es schien sogar dem nationalen Gedanken selbst erforderlich, diese Einheit in sich aufzunehmen und sie auf eine neue Grundlage zu stellen. Der jüdisch-nationale Gedanke lehnte sich an die in Europa herrschende Auffassung vom Wesen der Nation an. Krochmal sah in dem im Judentum sich offenbarenden „absoluten Geist" das, was der jüdischen Geschichte ein besonderes Gepräge verleiht und Israel zum ewigen Volke macht. L u z a 11 o fand in der Lehre des ..Abrahamismus" die Eigenart des jüdisch-nationalen Geistes im Gegensatz zum Geiste der Griechen. Moses Heß gründete seine nationalen Anschauungen auf die innerliche Verbundenheit zwischen der jüdischen Idee, oder in seinem Sprachgebrauch dem jüdisch-nationalen Kultus und der jüdischen Nation. Lilienblum, der Sprecher der Chibat-Zion-Bewegung, forderte Treue zum nationalen Geist, weil wie jede Nation, so auch die jüdische an einen bestimmten Geist gebunden ist, der ihr einen eigenen Platz in der Weltgeschichte zuweist. Auch Perez Smolensikin, der seine nationalen Gedanken bewußt von jeglicher religiösen Färbung fernzuhalten suchte, wollte doch nicht auf den Zusammenhang zwischen Israel und seiner Thora verzichten und legte dem nationalen Juden die Pflicht auf, sich an gewisse religiöse Anschauungen und Religionsgesetze gebunden zu fühlen. Der jüdisch-nationale Gedanke sah auch in der Verbundenheit zwischen Volk und Lehre ein Mittel zur Erhaltung der jüdischen Nation. S m o - 1 e n s k i n , der zuerst die Existenzfrage des jüdischen Volkes mit dem nationalen Gedanken verband, glaubte, daß nur eine national-religiöse Reform die Nation vor dem Untergang retten könnte. Die nationale Eltkenntnis allein vermag die ganz oder halb assimilierte Jugend dem Judentum wieder zurückzuführen. Aber die Thora bleibt für alle Zukunft die alleinige Grundlage für das Leben der Nation. Auch die Lehre Achad Haams, die in ihren Anfängen das nationale Sein auf einen biologischen Grund, wie Erhaltungstrieb, Kampf ums Dasein zurückgeführt hatte, gelangte doch allmählich zur Anerkennung der innerlichen Verbundenheit .zwischen Israel und seiner Lehre. Der Erhaltungsdrang wirkte zwar im Volke als ein natürlicher Trieb, aber als Mittel ftir die Erhaltung Israels in der Gola bediente er sich der jüdischen Kultur. In der biologisch orientierten Lehre Achad Haams findet die Lehre vom „nationalen Geist' ihren eigenartigen Platz. Der nationale Geist, das kulturelle Schaffen der jüdischen Nation übte im Leben des Volkes eine zwar ausgesprochen biologische aber doch entscheidende Funktion aus. Nur weil der Erhaltungstrieb die jüdische Lehre als Verteidigungswaffe in dem Vernichtungskampf der Gola benutzt hatte, vermochte er als Sieger aus diesem Kampf hervorzugehen. Denn andere Völker konnte er vor ihrem Untergang nicht retten. Das Judentum als selbständige geistige Kraft hat also den Geschichtslauf des jüdischen VoJkes bestimmt Achad Haam fühlte darum immer stärker die Notwendigkeit, den jüdischen Nationalismus mit dem historischen Judentum zu verbinden. 9

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