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Zion · 1937-07-01 · 3 (7.1937) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zion
Volume
9 (1937)
Issue
3 (7.1937)
Date
1937-07-01
Page
Seite 8 (sequence 9)
Language
German
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Überhaupt schrumpfen für mich die Glossen gegenüber der Annahme? von Marti usw. auf ein Minimum zusammen. Mit dem Faktum einer Glossierung mancher Stellen infolge späteren praktischen Gebrauches werden, wir wie bei jeder sonstigen religiösen Schrift auch bei prophetischen immer, rechnen müssen ... Aber mit einem gewissen Erschrecken muß ich feststellen, wieoberflächlich man vielfach das, was man nicht verstand einfach für Glosse erklärte, und wie leicht man durch etwa ein halbes Jahrhundert wertvolles prophetisches Gut als wertlose Zutat betrachtet hat, nur weil man mit fälschen wissenschaftlichen Maßstäben an die prophetischen Schriften herantrat". Diese so scharfe, leider bei ihm selbst nicht zur völligen Konsequenzführende Beurteilung einer über hundert Jahr« dominierenden Schule der modernen ßibelexegese, deren Wege, Greßmann wenn auch nur zum Teil als „Irrwege" bezeichnet, zeigt uns zur Genüge, welche ungeheure Gefahr diese Schule für uns bildet. Umso wehmütiger berührt es uns, wenn wir sehen, daß die wenigen modernen „jüdischen" Bibelforscher und Erklärer noch immer jenen Weg wandeln und einem wissenschaftlich wenig oder gar nicht orientierten Leser jene bereits erschütterten Theorien als letzte wissenschaftliche Wahrheiten vortragen. (Fortsetzung folgt.) Das religiöse Momenf in den jUdtisch^naficna^ leii Strömungen des 19. Jalivhundcrls. Von Rabb. Dr. ßombach, Berlin. Mit dem Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts begann innerhalb des europäischen Judentums ein Prozeß tiefer geistiger Umwandlung. Die seit Jahrtausenden bestehende Verbindung zwischen der jüdischen Nation und der jüdischen Religion -begann sich zu lockern und zu lösen. Israel und seine Thora galt nicht mehr in allen Schichten des Volkes als eine untrennbare Einheit. Es entstand ein neuer Typ des Juden, der Typ des Maskil. Der Maskil, der jüdische Aufgeklärte, glaubte, mit seinem Volke eng verbunden sein zu können, ohne jedoch nach dessen Gesetzesvorschriften leben zu müssen. Er betrachtete sich als vollwertiges Glied der jüdisch-ethnischen und auch der jüdisch-kulturellen Gemeinschaft, lehnte es aber entschieden ab, an dem religionsgesetzlich gebundenen Leben seines Volkes teilzunehmen. Diese Trennung zwischen dem religiösen und nationalen Moment innerhalb des Judentums blieb aber in der Zeit der Haskala ohne wirksame ideologische Begründung und für die Maskilim selbst höchst unbefriedigend. Es zeigte sich, daß Israel und seine Thora zu einer organisch und historisch gewordenen Einheit verwachsen sind. Der Versuch, die jüdische Religion auf ein Minimum von Glaubensartikeln zu reduzieren und sich nur an dieses Minimum von Judentum gebunden zu fühlen, schlug fehl. Der Maskil konnte sich nicht vom alten, überlieferten Judentum lösen, ohne die Bande, die ihn mit seinem Volke verknüpfen, in Stücke zu reißen. Die jüdische Gemeinschaft blieb letzten Endes auch für den Maskil vor allem eine religiöse Gemeinschaft. Seine Zugehörigkeit zur jüdischen Nation konnte der Maskil doch nur in seiner, wenn auch nur lockeren Verbundenheit mit der jüdischen Religion erblicken. Erst mit dem Erwachen des nationalen Gedanikens trat eine Änderung der Auffassung über das Wesen der jüdischen Gemeinschaft ein, und damit erhielt der in der Haskalaperiode einsetzende Trennungsprozeß zwischen Israel und seiner Thora eine neue ideologische Basis. Der jüdisch-natio- 8

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