Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 117 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9 Z l 0 N Seite 117 Die Gefahr, die uns von einer Uebersteigerung der Bedeutung der nationalen Momente droht, scheint heute wesentlich größer zu sein als die an Bedeutung immer mehr abnehmende Konfessionalisierung des Judentums. Die Besorgnis, daß das eigentlich Jüdische in diesem Normalisierungsprozeß verloren geht, muß jeden Juden erfüllen, dem es nicht nur um die Ersetzung der individuellen Assimilation durch eine solche der Gesamtheit zu tun ist. Historisch gesehen, würde die heutige Situation korrespondieren mit der Entwicklung, die nach Ufcberwindung des Hellenismus bei Begründung des unabhängigen jüdischen Staates (entsprechend der Dubnowschen Darstellung) zur Partei der Sadduzäer, die die Frage nach dem Sinn dieses Staates ganz anders beantworteten als die Pharisäer, geführt hat. Eine solche Einstellung, wie sie Dr. Leibowitz fordert, bei der die Religiosität erst als Produkt der Beziehung zum jüdischen Volkstum entsteht, muß ein ganz äußerliches Verhältnis zur Tradition und zu den Mizwoth zur Folge haben. Auch mit der Ideologie miayi min und den Schriften eines R. Zwi Hirsch Kalischer oder R. Schmuel Mohilewer allein ist eine jüdische Erziehung noch nicht möglich. Was man von ihnen lernen kann, ist eben gerade ihre Einheitlichkeit und ihre Begründung des Aufbaus aus ihrer jüdisch-traditionellen Einstellung heraus. Um dazu;mstande zu sein, muß man aber nach derselben tiefen Verwurzelung im Jüdischen, die ihnen noch eigen war und manchen älteren Misrachiführern von heute noch eigen ist, streben. Von einer Propagierung der rta'w, lie allein das erreichen kann, hört man nichts, im Gegenteil, ihr wird die fundamentale Bedeutung für den jüdischen Erziehungsweg abgesprochen, weil nur die Arbeit und die Alijah nach E. J. als die für die Erziehung entscheidenden Faktoren angesehen werden. Wieso diese Arbeit ein Zurücksetzen der jüdischen Lernarbeit bedingt, ist mir nicht klar, ebenso wenig, wie eine wirklich jüdische Einstellung bei einer Jugend möglich ist, der auch — um mit Ernst Simon zu reden — das Jüdische (im Sinne der Jeschiwohbildung) zum Teil schon nur noch ncn' nrn»n ja ist. Noch bedenklicher aber ist die Heraufbeschwörung gefährlicher Illusionen, indem man nämlich die entscheidenden Grundlagen seiner eigenen religiösen Einstellung von E. J. erwartet, ohne zu wissen, ob es uns diese wird geben können. Ferner aber, falls uns rn die Möglichkeit genommen wird, in größerer Anzahl nach E. J. zu gelangen — eine Möglichkeit, so unwahrscheinlich sie auch heute noch sein mag — die wir aber doch nicht b?i dieser Frage völlig außeracht. lassen können, worauf basiert dann das Judentum, die Thoraerfüllung dieser hier bleibenden Menschen? Muß nicht die Resignation, die bei einer so ganz nur nach E. J. tendierten Einstellung unweigerlich eintreten muß, zu einer völligen Preisgabe des Judentums führen? Schon das Bewußtsein der Verantwortung dafür müßte zu einer grundsätzlich anderen, eindeutig jüdisch-religiös begründeten E. J. Einstellung führen, auf Grund welcher wir das Wesentliche unseres zionistischen Zieles auch dort erfüllt sehen würden, wo es für Andere nicht mehr lohnt, eine zionistische Arbeit zu leisten. Möge die augenblicklich für den Zionismus so schwere Zeit uns wenigstens zu einer neuen, inneren Prüfung in diesen Fragen veranlassen! Es ist durchaus nicht meine Absicht, die Bedeutung Erez-Israels für uns geringer einzuschätzen. Auch hier sei ein historischer Vergleich gestattet: Das trnpen war für die Pharisäer wahrlich nicht nur „ein Experiment", der pnn traf sie nicht weniger furchtbar!ads die Sadduzäer, und doch vermochten sie ihn zu überleben, weil sie au ß e rd e m noch Möglichkeiten kannten, jüdisch wertvolle Lebensformen zu errichten. Bemerkungein zu den Bemerkungen Dr. Oskar Wolfsbergs zum Artikel „Für Magnes".*) von N. P e r 1 m a n n, Petach Tikwah. .rtrynn »hat -p>vn emen «S in freier Uebersetzung deutsch: Grau, teuerer Freund, ist alle Theorie. Zunächst, ich gehöre nicht dem Brith Schalom an und schreibe daher nicht „für Magnes". Zur Einleitung: Es scheint mir ein sehr gewagtes Ding, über derartig aktuelle Dinge, die auf das eigentliche Leben Erez-Israels von so einschneidender Wirkung sind, wie unsere Beziehungen zu den Arabern, seine Stellung auf Grund von mehr oder weniger im Auslande assimilierten Wunschideen zu fixieren und aus dieser Stellung heraus, die nichts zu tun hat mit den täglichen Sorgen in Palästina selbst, Forderungen zu stellen und Ideen zu entwickeln, die teilweise sogar an der Weiterexistenz des Judentums zweifeln. „Es scheint mir beinahe trivial und unerlaubt" in einer religiösen Zeitung Gedanken zu entwickeln, die das Weiterbestehen des jüdischen Volkes von der Verwirklichung des Zionismus im jetzigen Stadium abhängig machen. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, daß die Zionisten im Auslande, wenigstens in der Theorie, vielfach chauvinistischer sind, als wir hier in Erez-Israel: etwa in dem Maße, wie Mitglieder des „Verein für das Deutschtum * „Zion" Nr. 6/7, Juni/Juli 1930.