Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 116 Z I 0 N Nr. 9 der Mandatarmacht und der internationalen Welt fordern, ist unser Recht aus der Balfour-Deklaration, dem Mandat und unseren auf Grund dieser Verpflichtungen im Lande geschaffenen Leistungen. Von den Arabern Palästinas dürfen wir verlangen, daß sie unter Würdigung der Faktoren w i e wir den Willen zu freundschaftlichem Zusammenarbeiten zeigen; von den Juden, daß sie eingedenk sind der historischen Rolle, die ihnen für den Aufbau einer stolzen Zukunft unseres Volkes zugefallen ist und zu Opfern an Geld und Arbeit bereit bleiben. Und welchen "Namen spätere Generationen für das Gemeinwesen in Erez-Israel finden — diese Frage sollte wirklich jetzt die Geister nicht scheiden, wenn wir einig sind, daß das was entsteht, durch friedliche Arbeit, brüderliche Gesinnung und nicht durch Gewalt und Vergewaltigung geschaffen werden wird. Zur Erwiderung. Von Erich Rosenblüth, Berlin. Statt auf die im Anschluß an meinen Artikel im Heft 5 des „Zion" im einzelnen zu erwidern, was ich natürlich an dieser Stelle nicht tun kann, seien hier einige grundsätzliche Bemerkungen hinzugefügt, die nur den eigentlichen Gegensatz klarer herausstellen sollen. Zunächst möchte ich mich gegen die Methode der gegen mich gerichteten Artikel wenden. Weil sich meine Darstellung mit den Einwänden der nichtzionistischen Orthodoxie berührt (oder vielmehr weil ich deren an sich berechtigte Kritik verarbeitet aufnehme) glaubt man, nun auch die: ihnen gegenüber übliche Argumentation hier anwenden zu müssen. Dieselben Einwände, die gegen eine vornationale Orthodoxie erhoben werden, d. h. gegen eine solche, die nicht E. J. als wesentlichen Punkt in ihre Arbeit einbezieht, werden auch geltend gemacht gegen eine orthodoxe Anschauung, die bewußt von der entscheidenden Bedeutung E. Js. ausgeht, aber an seiner Einordnung in Idee und Praxis des heutigen Misrachi Kritik anlegt. Daß im mSa eine jüdische Pflichterfüllung auch in ihren Grundzügen unvollkommen bleiben muß, war unbestritten. Auch war weder von einer Idealisierung des Ghettos noch des Ostens in meinem Aufsatz die Rede. Die Erkenntnis von der entscheidenden Bedeutung der „natürlichen"' Faktoren, die erst die Voraussetzung für eine wirkliche Erfassung des ganzen Lebens von dci rnin liefern, führte uns ja gerade zum Zionismus. Wogegen ich mich aber — und gerade nach den Entgegnungen — wenden muß, ist die ganze unberechtigte Hervorlhebung nur dieser einen Seite des Judentums und die absolute Verneinung der Möglichkeit, jüdisch wertvolle Lebensformen auch ohne Rücksicht auf die Beschaffenheit ihrer soziologischen Bedingungen errichten zu können. Bei dieser einseitigen Betrachtungsweise — wie sie in dem Artikel von Dr. Leibowitz angewandt wird — fehlt last jedes Verständnis für das Vorhandensein noch ganz anderer Faktoren ,religiös-individueller Art, der rein persönlichen Bindungen jedes Menschen an seinen Gott, die doch den Kern jeder religiösen und damit auch jüdischen Lebensform bilden. Vom Standpunkte des betrachtenden Historikers aus kann ich eine solche Einstellung als Reaktion auf die solange übliche, übersteigerte Konfessionalisierung und Individualisierung unseres Judentums seitens vieler Kreise auch der Orthodoxie verstehen. Als ein Mensch, der unmittelbar an diesen Fragen teilnimmt, muß ich eine derartige, völlige „Umwertung aller jüdischen Werte", die mit ihren umwälzenden Konsequenzen, ihrer Zeitbedingtheit und ihrer Uebernahme von außen her durchaus mit dem Liberalismus des vergangenen Jahrhunderts zu vergleichen ist, nachdrücklichst bekämpfen. Zu jeder Zeit lebten viele Tausende von Juden, die sich jüdisch in allen Sphären ihres Lebens verhalten haben, d. h. die die Forderungen der Thora, die an s i e, wo sie auch seien, gestellt waren, erfüllt hatten so gut sie es konnten. Und dabei sind uns viele, viele Persönlichkeiten entstanden, die, auch wenn sie bestimmten modernen Theorien nicht Geniige leisteten, uns immer und nicht zuletzt in E. J. fast unerreichbare Vorbilder in der Vollendung der persönlichen Lebensgestaltung sein werden. E. J. oder die Einheit des jüdischen Volkes bilddn für uns nicht ganz selbständige, in sich wertvolle Begriffe neben dei nun, sondern Land und Volk haben für uns nur Sinn als von Anfang an in Beziehung zur mn gebrachte Faktoren, auf deren Aufnahme eine jede jüdische Pflichterfüllung von sich aus drängen muß*. Durch das Land sollen uns die unnatürlichen Spannungen in unserer heutigen religiösen Lebensweise genommen und die Voraussetzungen für eine Gesamterfüllung der min gegeben werden. Dabei bleibt entscheidend die metaphysisch begründete jüdische Basis, die .r'echte Einordnung E. Js. in die Gesamtanschauung des Judentums. Wenn sich heute viele ganz von der nun erfüllte Menschen gegen den Zionismus wenden, so geschieht es (abgesehen von — oft unbewußten — Resten einer Assimilationshaltung im Westen) aus eben der Reaktion gegen die durchaus richtig gefühlten Gefahren dieser Einstellung. * Xur in diesem Sinne kann man von einer Synthese religiöser und nationaler Momente im Judentume reden.