Zion
- Journal
- Zion
- Volume
- 2 (1930)
- Issue
- 9 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 118 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 118 Z I 0 N Nr. 9 im Auslande" prozentual,. wohl weil auch theoretisch, viel größere Chauvinisten sind, als die Deutschen in Deutschland. Aber trotzdem wird es wohl selbstverständlich sein, daß niemand in Deutschland irgendeine Einmischung seitens des Vereins der Auslandsdeutschen betreffs Führung der inneren deutschen Politik für zulässig halten wird. Es ist das doch wohl mehr oder weniger deshalb, weil ihre praktischen Interessen mit der neuen Heimat verbunden sind und weil diese Auslandsdeutschen nach wenigen Generationen in ihrem neuen Wirtsvolk aufgehen, wenn sie nicht vorher zur Erhaltung ihres Deutschtums nach Deutschland selbst zurückgehen. Jetzt an Einzelheiten: i) Wolfsberg bemängelt die Unterschätzung der Bedeutung der Balfourdeklaration und des Mandats. Auch dieses ist eine Merkwürdigkeit unserer Auslandsjuden. Wir hier in Erez-Israel sehen heute für uns in der Balfourdeklaration und dem Mandat nichts anderes, als den Stecken, der die Araber auf uns hetzt. Es erübrigen sich diesbezüglich weitere Bemerkungen. Die Tatsachen des letzten Jahres sprechen eine zu deutliche Sprache über den wirklichen Wert dieser Deklaration. Redet sich Wolfsberg wirklich ein, daß durch das Mandat unsere Ansprüche auf unsere Heimat Gemeingut der Staaten und Völker geworden sind, oder daß sie gar als internationale Verpflichtung empfunden werden? Gerade über diesen Punkt müßte doch eigentlich Wolfsberg bei seinen Verbindungen wirklich etwas realer denken, als sein Ideal es erfordert. Hat doch sogar das große Amerika trotz vieler amerikanischer Todesopfer im Vorjahre im Gegensatz zu seiner Stellungnahme im Jahre 1904 nicht aufgemuckt. Gewiß glaubten auch wir einmal, daß in der Balfourdeklaration etwas politisch Zuverlässiges für uns liege. Bei den jetzigen Verhältnissen aber immer wieder auf dieses historische Dokument hinzuweisen und auf Grund dieses Dokumentes immer wieder Forderungen zu stellen, treibt uns in die, in der Welt nicht sehr beliebte Rolle des Shylok. Es ist vielleicht in diesem Zusammenhang kein Zufall, daß gerade diese Rolle in England geschrieben wurde. Entspricht doch diese Rolle in ihrem tiefsten Kern ganz und gar der Art, wie mjan im Hetzten Jahr fortdauernd und auch heute noch unser ganzes Menschentum mißhandelt. Die eigentliche Bedeutung der Balfourdeklaration liegt in 3, einander mehr oder weniger conträren Dingen. 1) Für die Engländer ist sie das Mittel, in Palästina die herrschende Gewalt auszuüben. 2) Den Arabern dient sie als Mittel, ihre nationale Einheit wieder herzustellen. 3) Uns Juden gibt sie offiziell die Möglichkeit, durch Einwanderung unser verfallenes Haus wiederaufzurichten. Engländer und Araber machen weitcstens von der ihnen zusagenden Bedeutung der Balfourdeklaration Gebrauch. Wir Juden aber haben uns in noch nie dagewesener Weise mit Reden und Halbheiten, mit halben und noch kleineren Aktionen von großen und kleinen Gruppen und Grüppchen begnügt, was im Ganzen gesehen eine Farce auf die Regeneration eines Volkes darstellt; von Einheit gar nicht zu sprechen. Hierin allein liegt der eigentliche Grund zu den Ereig'nissen, die wir seit Looks Erscheinen haben durchmachen müssen. Wolfsberg will ,.gegenüber allen Anfeindungen auf ein historisches Dokument hinweisen". Kaiser Wilhelm hat doch sicher auch historische Dokumente aufzuweisen, die ihm seinen Thron „sichern", und trotzdem findet es die ganze Welt für richtig, daß er seinen Thron verloren hat. Historische Dokumente haben mitunter einen sehr interessanten Wert für Museen und Bibliotheken. Für die Entwicklung von Völkern spielen Dokumente als solche letzten Endes nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist 'immer das, was die Einzelnen, für die ein derartiges Dokument geschrieben wird, hieraus machen. Genau so wie ein Kontrakt zwischen Kaufleuten beide Teile zufrieden stellen, unter Umständen aber auch ein langjähriger Prozeß aus ihm entstehen kann, bei dem beide Parteien verlieren. Wolfsberg fragt, „wie man glaubt, das zionistische Streben realisieren zu können". In der Möglichkeit dieser Frage eines zionistischen Führers allein liegt das Urteil über den gesamten Zionismus. Wenn man die Verwirklichung des Zionismus de facto will, gibt es hierauf eine ganz einfache Formel: lvspTai unu-aa D^inn >ai »a nrSji isS und dazu gehört noch die Formel die Abraham veranlaßte, nach Erez-Israel zu gehen: -p-iNa "]S -\b T=n n»:ai imSiaa. Alle Schwierigkeiten, die einer Uebersiedlung nach Erez-Israel im Wege stehen, sind in diesen Worten enthalten. So einfach es klingt, es gibt keinen anderen Weg, auf keine andere Weise wird der Zionismus verwirklicht werden. Antworten wie: es können doch nicht alle 15000000 Juden in Palästina Platz haben, sind abwegig. Eist sollen einmal soviel Juden hierher kommen, wie hier Platz ist und dann werden wir weiter sehen. Politisieren in London und Berlin bringt uns letzten Endes nicht weiter und ist darum wertlose Kraftverschwendung. Gerade das letzte Jahr beweist, daß die Tat im Lande, wie überall, das Entscheidende ist. Da die Araber diejenigen sind,