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Liberales Judentum · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 6

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Journal
Liberales Judentum
Volume
12 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Rabbiner Dr. Max Dienemann.Unsterblichkeit ' als den Begründern des einen Menschengeschlechtes durch den einen-Gott, i.n der Sprache jener Zeit eindrucksvoll hervortritt und der in der Lehre unserer großen Propheten von der sittlich geeinten Menschheit als dem Ziel j£! und Sinn aller Weltgeschichte, nunmehr von - aller mythisch-poetischen Verhüllung befreit, seinen für alle Zeiten mustergiltigen Ausdruck gefunden hat. Wenn wir dann7 um die Jahrtausende zu überspringen, bei Her- - Mann (Lohen lesen, wie dieser Gedarrte, daß jeder Mensch sein eigenes, gleiches Daseinsrecht hat, daß also jeder Mensch in gleicher Weise Selbstzweck, ist, mit der klassischen Formulierung de-, sittlichen 'Imperativs durch Immanuel Rant im Rern identisch ist, ja wie er hier nur aus« der Sprache der Religion in die der Philosophie, also der -Wissenschaft, übertragen erscheint, und wie er trotz der wissenschaftlich unzulänglich nt, weil rein religiösen Denkrichtung jener Tage in dem Sabbath, an dem noch der letzte Arbeiter zu seinem vollen Menschenrechte gelangt, seine bis auf die Gegenwart nachwirkende Verwirklichung gefunden hat, so wird uns nicht nur die höchste Bewunderung vor der Gedankenwelt jener großen Propheten, sondern auch das innigste und erhebenste Gefühl von der Einheit aller Juden als der geschichtlichen Träger dieses Menschheitsgedankens erfüllen müssen. Und wir werden .nunmehr verstehen, wie Hillel dazu geführt ' wurde, gerade in jener schlichten sittlichen Mahnung das Ganze des Judentums beschlossen zu finden. Um aber so weit zu gelangen, müssen wir vorerst das ganze weite Feld unserer Lehre ' und ihrer Geschichte durchwandert - haben. Wenn wir einen einzelnen Satz aus unserer Lehre, und wäre es selbst der-bedeutendste. auf ein Stück Pergament schreiben, so kamt er uns wohl als Mesusah an der Eingangspforte unseres Hauses begrüßen und zum Eintritte einladen. Haben wir aber erst einmal dieses Haus in allen seinen Teilen durchschritten, ja mehr, haben wir uns darin heimisch gemacht, dann sollen uns freilich, so oft wir aus ihm in das Leben hinaustreten, jene Worte der Mesusah auch wieder am Ausgange grüßen, und uns auf allen unseren Wegen im Geiste begleiten. Aber ihr gedrängter Inhalt wird uns nunmehr eine 'ganze Welt von Gedanken, dre ganze, große jüdische Gedankenwelt, um-- schließen. So aber, als erste Probe und als ersten Anreiz für das wertere Studium hat sich Hillel der Alte jenen einen Satz j* schließlich auch nur gedacht. Darum hat ihm auch noch die Worte beigefügt: „Dieses ist das Gesetz, alles übrige ist nur der Rommentar dazu." Aber das Gesetz ist ohne Kommentar nicht zu verstehen. Und so ist HilletS' Ausspruch nur als ein erster Anreiz, als eim erste Kostprobe von der reichen Tafel des Judentums zu verstehen. Wer einmal von dieser genossen hat, der wird immer wieder zu ihr zurückkehren. Und wenn er später im Leben auch noch so beschäftigt ist, er wird immer wieder einmal eine freie Stunde haben oder sich sie verschaffen, in der er sich wieder^ an jener froh erfrischt. Und so wird er aus seiner AneigmnzA jüdischen Wissens nicht nur jene Freude schöpfen, die jede geistige Arbeit als ihren natürlichen Lohn von selbst mit sich bringt, sondern auch jene andere Freude, die uns vor allem nottut, die uns aber auch vor allen anderen beglückt: die Freude am Judentum! IMfarblidikeit. Von Rabbiner Dr. Max Dienemann-Dffenbach €ines ist ganz seltsam bei der Lehre von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele, der Unzerstörbarkeit des Geistes im Mensch m. Man kann die Bibel durchlesen von Anfang an, und nichts ist davon in ihr zu finden. Man muß schon hinabsteigen bis in die allerjüngsten Bücher, ehe man . etwas davon liest. Gb man in den fünf Büchern Mose blättert, a.M. ob in den Propheten, vb in den Psalmennichts ist gesagt von .dieser so gewaltige.«) so unentbehrlichen, so tief von uns geforderten Lehre. Woher das kommt, wer wiV das enträtseln? Wer kann sagenich weißden Grund? Wer stand ,im Rate Gottesals er feine Dffenbarung ausgehen ließ un> von dem Tau dieses Trostes nichts träufeln

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