Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 12 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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|r|rv Rabbiner Dr. Max Dienemann : Unsterblichkeit Hieß auf dje schmachtenden Seelen? >,Das - Verborgene ist Gottes Sache." Zweierlei ist möglich, es kann sein, /daß mit Absicht davon nicht geredeh wurde. Israel kam aus Aegvpten, ddnr A' Lande, wo man den Glauben an -das Fortleben. des Menschen so verzerrt ' Hatte, daß man aus der Fürsorge für die J: Toten einen Kultus machte, daß man die Religion mehr zu einer Sorge für die Toten -als für die Lebenden werden ließ. Davor sollte Israel bewahrt werden. Jedes Reden r»on dem wunderbaren Geheimnis, das um Has Leben nach dem Tode webt, muß es vergröbern und entweihen. Besser gar nicht ' ^davon reden, als einen Ausgangspunkt geben für Götzendienst und Aberglauben. Das Sann der Grund gewesen sein. Es kann aber auch das Schweigen amen anderen Grund gehabt haben, nämlich den, daß^man in den alten -Tagen von jenem Glauben noch nichts Rechtes wußte, daß er erst allmählich Reifte und sich bildete. Das anzunehmen hat . i nichts Ketzerisches an sich. Wird denn der \ u Größe und Erhabenheit einer" religiösen Idee ^Eintrag getan, wenn man erkennt, daß sie dr^rstzu einem bestimmten Zeitpunkt auf- „myämmerte, daß die Menschen erst vorbereitet werden mußten, ehe ihr inneres Sein ge- Mi bieterisch nach ihr verlangte? In jenen walten Zeiten lebte der Mensch so ganz und gar in seinem Volke, hatte er noch so wenig Einzelleben, daß das Volk den Einzelnen verschlang. Man tauchte, unter im Volke und das Volk galt als unsterblich. 2lber es kam ein Tag, da mußte man für das Leben des Volkes fürchten, da sah. man, auch ein Volk steht Vor der Gefahr - des Unterganges, und nun ließ das vertrauen zum Leben, den. -Glauben äufleuchten an den Wert jeder einzelnen Menschenseele, und dieser Tag war die Geburtsstunde des Glaubens an. unsere Rnsterblichkeit. Wenn das so ist — kein Mensch kann es wissen, aber ich glaube, so iß es — dann sinkt nicht etwa unsere Ehrfürcht vor unseren Ahnen, weil sie jene köstliche Lehre noch nicht rn aller Deutlichkeit Saunten) nein im Gegenteil, unsere Ehrfurcht vor den Ahnen steigt, denn dann haben sie das Gewaltige geleistet,, daß sie eine Sitt- Kchkeit aufgebaut haben ohne die Krücke des Jenseits. Man schaue sich nur einmal in der Welt um und sehe, bei wie vielen der Glaube an das Jenseits und die Strafe, die ihrer dort wartet, oder die Belohnungdie dort für sie aufgespeichert ist, das Mittel ist durch das sie in Zucht gehalten werden, und wie ohne diesen Glauben alles sittliche Sem sich auflösen würde und ins Nichts der Zucht-" losigkeit sänke, und man wird eine Ahnung verspüren von der sittlichen Kraft, die in unseren Ahnen war, dank der ein Mose, ein Iesaia, ein Ieremia ihre sittliche Forderung aufstellen konnten, ohne mit der peitsche und dem Zuckerbrot des Jenseits zu spielen, »nfc verstanden wurden. -Gb nun deutlich ausgesprochen in der Bibel oder nicht, der Keim zu dem Unsterblichkeitsglauben war gelegt mit 'dem Augenblick, als das kühne Wort geprägt war, daH der Mensch im Ebenbilde Gottes erschaffen ist. Im Ebenbilde Gottes, dann ist ein Für»- ken von dem Geiste Gottes in ihm, und was Gottes Spur an sich trägt, kann nicht unter» gehen. So wächst aus unserem Gefühl des Verbundenseins mit Gott, aus unserem inneren Bedürfnis heraus, aus der Sehnsucht des Gemütes die Gewißheit, daß mit diesem^ Leben hienieden nicht das letzte Wort gesprochen ist. In uns ist soviel Hoheit und Würde, so viel Kraft und innere Schönheit, so viel vom Göttlichen, daß' es undenkbar ist, daß das alles ins Nichts, ins Bodenlose versinken sollte. . . Aber dannt ist . auch schon all-s gesagt, was gesagt werden kann. Mehr zu sagen ist vom Uebel, nicht einmal denken darf man darüber, denn wir Menschen können nür in unserer groben stofflichen Art denken, und das Stoffliche vergröbert den Gedanken, und macht ihn heidnisch. Kern Wort, wie man sich das Leben der Seele dann denke, Geheimnis waltet darüber, und „das verborgene ist Gottes Sache".' Kein Wort davon, wo die Seele sich aufhalten mag-' nichts von Himmel Und' Hölle, das ist alles sinnliche Vorstellung, nur eins sei in uns, Hi Sehnsucht nach dem Ueberirdischen unV Ewigen und die aus ihr geschöpfte Gewißheitdaß ' es über dies Leben hinaus ein Mehi^ ein Höheres gibt. Ja, es muß sogar sowE kommen, daß wir von hem Glauben an miser Fortleben unser persönliches; abstreifen. 0 b Unsere Seele in der Prägung, die dgs mHaasÄs» JpawME rnur m ■ nwiwrrmii