Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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pr. Fange: Liberale Bereinigung und Fibernir^rrns 5 propagandistische Rlittel werden uns instand setzen, die 500 000 außerhalb unserer Vereinigung stehenden sogenannten liberalen Zuden zu gewinnen, einzig und allein eine von Grund auf veränderte Methode! ~ Herr Dr. Seligmann hat sie in Uebereinstimmung mit den Rabbinern angedeutet, die sich am Abend vorher zur Besprechung versammelt hatten. Er will nicht das Trennende der jüdischen Parteiungen, soweit sie sich nicht völlig abseits der religiösen Heerstraße lagern, sondern das Einigen de! Dieser Grundsatz unserer Zeit, der Friede und Wohlsein an die gesamte Menschheit zuruckzugeben berufen ist, wird auch unsere Sache in ein neues. Lebensalter führen, Ausbreitung und Vertiefung bewerkstelligen, wenn wir ihn ganz beherzigen. Wenn wir der Zeiten gedenken, in denen die Vereinigung sich konstituierte, so fallen uns jene unerfreulichen Wortgefechte ein, die wir mit Zionismus und Orthodoxie in gleicher Weise auszufechten hätten. Wer den Schaden trug, waren wir allein, da wir einer bereits festgeschlossenen Machtgruppe einerseits und einer durch die Tradition zweier Jahrtausende festverbündeten und überzeugten Gemeinde andererseits als junge, wenn auch begeisterte kleine Schar gegenüberstanden. Ts bleibt nicht zu leugnen, daß sowohl liberaldenkende Fachgenossen auf Ranzel und Lehrstuhl wie auch große Massen freireligiöser Laien mit dieser Methode sich nicht befreunden konnten und es vorzogen, ohne Zugehörigkeit zu einer Sondergemeinschaft. als „einfache" Juden weiterzuleben. es kam vor, daß sogar gerade die Kreise, deren Einschluß uns hätte gewiß fein inüsfen, durch die Verkennung unserer Ziele sich gegen uns wandten oder gar in ein gegnerisches Lager hiueinpropagiert wurden. Tin Stürmen und Drängen steht allein dem an, der Neues verkünden will! Das haben Erfinder, Reformatoren und Verkünder zu allen Zeiten wahrgemacht. Auch Abraham Geiger, der Mann des eifrigen Wortes, dessen — wie Philipp Bloch gesagt — „erstes Auftreten auf.dem rabbinischen Schauplatze sofort Sturm ankündigte", ist nur durch seine Kühnheit und Kampflust zum Verkünder des Reformwillens im vorigen Jahrhundert geworden! So wie Geiger ging es auch uns zuerst. Wir mußten uns zu viel verteidigen. Der Liberalismus, mb. er vor dem Kriege an der Arbeit war, nur zu. sehr ein Kampf-' liberalismus, der. sich erschöpfte in Angriffen oder Abwehrinitteln grgen seine vermeintlichen Hauptgegner, Zionisnus und Orthodoxie. Gr betonte zu stark die ihm innewohnende Negation. Jetzt aber bMirfen wir der ruhigen Konzentration, der zielsicheren Vereinigurig aller vorhandenen Kräfte, deren wir habhaft werden können. Unser Liberalismus möge — seinen wahren Wesen getreu — seine.po sitiiv e Grundlage hervorkehren und aufgeheu in der Heranziehung der religiös Zndiifferenten, die größere Feinde sind als Zionisten und Konservative. Bisher sind Sir Richtlinien des Liberalismus, soweit sie vor ihrer Aufstellung von dem erdrückenden Uebermaß unserer Glaubensbrüder nickst schon befolgt wurden, hinsichtlich des wahrsnZieles, Verinnerlichung des religiösen Lebers, derselbe Zukunftstraum, wie wir es mit Recht vom zionistischen Programm behaupten. Wie Jene, die Zionisten, in der stärkeren Betonung des neueren Kulturzionismus (AckM Haam) bekunden, daß unser Geschlecht sich noch für ideale Güter begeistern kann, die lfgrt an der Grenze unseres Weges verlausten oder gar zum Teil mit ihnen sich decken (was Herr Dr. Seligmann so schön hervXvhob), so müssen auch wir endlich beginnen Anschluß zu suchen und solche Laienelemrnte für uns zu gewinnen, die erglüht vrn unseren Idealen, Begeisterung zu wecken vermögen. Sowohl im Wesen des Kulturzvnismus, dessen Benennung nur den übereilig Urteilenden abschrecken kann, der die Gegenstände nicht erkannt hat, als anch iin Wesen unserer heutigen Orthodoxie sind viel inehr Eigenschaften vorhanden, die sie mit uns befreunden können, als Gegensätze, die uns für immer zu trennen scheinen. wenn diese Erkerntnis uns beherrscht, so werden wir nach Znnm Ruhe gewinnen und neue Mittel und Ware finden, vorwärts zu konnnen. Die MethoLe wird nicht bestinunt weder durch das Zist noch durch die kleinlichen M.ittel, sondern durch die Erkenntnis und den willen! wir), die wir vieles wollen, müssen auch vieles Äerwinden lernen. Das j heißt unserer heiligen Sache dienen mit ganzer Kraft, wie sie es von uns fordern darf!