Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 9/10 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 o e Oo Ar. Fange: Liberale Vereinigung nnd Liberalismus tätigung schwer verwickelten Zeit zur Befreiung zu verhelfen. Dies wird Zeder einsehen, selbst wenn er mit den Richtlinien sich nicht einverstanden erklären wollte. <£me kommende Zeit wird das Werk besser zu würdigen verstehen, wenn nur der Wille erhalten bleibt, der sich bisher so unzweideutig bekundete. - "Die idealen Ziele, die die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland sich gestellt hat, wären vielleicht eher erreicht worden, als es jetzt möglich erscheint, wenn sie sich einige Jahrzehnt früher konstituiert hätte, als starke Strömungen unser religiöses und bürgerliches Leben erschwert hatten und eine innere Festigung sowohl notwendiger 'im Einblick auf die.entstandenen starken Schädigungen als' mich leichter gewesen wäre. — Auch würde es, wohl kaum ' zu einer solch mächtigen Abschweifung geführt haben, daß lausende zum Nationalzionismus einkehren konnten. Diese Tatsache bleibt - als unwiderlegbarer Ausdruck für die religiöse Unlust bestehen, welche nicht das Judentum an sich, wohl aber die damals noch überwiegend .betonte traditionelle Form des Judentums herbeigeführt hatte. Hiervon jedoch nachher! Seien wir nun gewarnt. Weg und Mittel der Weiterarbeit sehr ernst zu überlegeii. Die Arbeit ist nicht nur schwer, sie ist im höchsten Sinne verantwortungsvoll, indem sie den höchsten Besitz der Menschheit nach Außen wie -nach Innen zu neuen? Dasein zu' verhelfen sich bestrebt. Die Ueberlegungen der letzten Sitzung betrafen die Weiterführung der Propaganda Die Ergebnisse zeigen, daß bisher nicht genng geschehen ist, um die Anzahl der Mitglieder der Vereinigung auf die der Anzahl der liberalen Juden in Deutschland nur annähernd - entsprechende Höhe zu bringen. Nachträglich sahen wir ein, daß der Glaube schädigend war, wir hatten in der Rriegszeil mit wichtigeren Dingen uns zu befassen. Es kann gewiß eifrigste Tätigkeit für das religiöse Ideal Misere Bürgerpflicht nicht beeinträchtige,!. Das haben die Separatbestrebungen aller religiöser, christlicher wie jüdischer Parteiungen a u ß e r . u n s erwogen und befolgt. Die Freie Vereinigung zu Frankfurt a. M. hat den stärksten Einfluß auf die krieg sniinnteriellen Verfügungen betreffend Regelung von Festtagsbenrlaubungen und ritueller Beköstigung fiir Angehörige des Heeres gewonnen, die Zionisten halten propagandistische Soldatenverscnnmlungen hinter der.Front ab, begründen Zeitschriften und arbeiten mit ungewöhnlichen! Eifer. Ss wollen auch wir mit frischem Mute ans werk . gehen und im Ausblick auf die Zukunft, die an alle Teile der Reichsbürgerschaft mit neuen Worten sich wenden wird, alle Rräfte 'zusammenholen! Was in Berlin in der erwähnten Sitzung . für eine wirkungsvolle Propaganda in Vorschlag gebracht wurde, erscheint mir teils unanwendbar, teils schädigend, teils auch unwirksam. Die beachtenswerten Aeußerungen des Herrn Dr. Seligmann drangen im Verlaufe der Aussprache nicht so durch, als es bei stärkerer Ronzentrierung hätte geschehen können.. Sie, waren einer reiferen Prüfung wert nnd enthielten Dinge, die Gutes nach sich ziehen würden. Es wurde zu wiederholten Malen auf die Notwendigkeit der Gründung liberaler Iugendvereine hingewiesen, die als Gegengewicht derer wirken sollen, die unter der Maske der Neutralität anderen, den religiösen Liberalismus störenden Zwecken dienen, überhaupt auf eine verstärkte Beeinflussung der Jugend im religiös-liberalen Sinn, auf Gründungen neuer .Ortsgruppen, auf, eine Stärkung des Einflusses des Rabbiners im Vorstände der Genieinde aus 'Gründen einer strafferen Reforniierung .kultischer nnd unterrichtlicher Institutionen usw. Alle diese Punkte, denen gewiß keine unerhebliche Bedeutung zukommt, erbringen nichts Neues und Ersprießliches, versprechen nur eine erst im Laufe der Jahre mögliche Wirkung und können zudem nicht so durchschlagend sein, als sie ja mehr'oder weniger auch heute schon in Wirkung stehen! wir haben Iugendvereine, wenn auch nicht genug, aber sie betätigen sich nicht alle oder können es infolge 'des Arieges nicht, wir haben Ortsgruppen, deren Wirkung "durch Vervielfältigung rächt gehoben wird, wenn sie so wenig arbeiten wie bisher, und nicht zuletzt viele liberale Rabbiner, die kraft ihrer Persönlichkeit genug Einfluß auf den Vorstand ihrer Gemeinde ausüben. Es wird nichts Neues gesagt, das fühlbar und bald weiterhilft, nichts, das aus der allgemeinen Erschlaffung heraus führt. Nicht äußere Handhabungen und keine