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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 34

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 34 (sequence 14)
Language
German
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34 Gotthard Deutsch: Der Glaube an Hobrlspänr Wer sie verfaßt, abschreibt oder übersetzt, und besonders wer sie drucken läßt, ist ein Volksoerführer wie Ierobeum."^) Das läßt wohl an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Nach den Grundsätzen dieses von der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. Main als Norm ihres Glaubens anerkannten Werkes war es eine schwere Sünde, bei einer Schillerfeier in der Realschule die Glocke deklamieren zu lassen, wie das (88^60) geschah, denn wer die Morte sprechen ließ: „Errötend folgt er ihren Spuren" hatte Satan bereits den kleinen Finger gegeben und war ein Miniatur-Ierobeam Leworden. In früheren Zeiten hat man das sehr ernst ° genommen. Der Märtyrer Thajim Reizes, der mit seinem Bruder Iosua am 5. Juni \728 unter teuflischen Folterqualen auf eine erdichtete Anklage hin in Lemberg hingerichtet wurde, soll vor seinem Tode gestanden haben, daß er sein furchtbares Ende verdient habe, weil er Latein und andere Sprachen gelernt habe. So erzählt uns wenigstens fern Zeitgenosse, Moses Lhagis.^) Moses Sofer schreibt noch im Jahre 1(838 an die Gemeinde Deutsch-Rreuz, die er mahnt, einen Rabbiner anzustellen: „Leider ist jetzt die Zuchtlosigkeit eingerissen, daß man sich mit nicht-jüdischen Büchern befaßt. Darum habe ich unter Strafe des Bannes und mit oinem göttlichen Eide verboten, daß man nicht-jüdische Bücher lese, denn das Volk, das heilig ist dem Herrn, unserem Gotte, soll sich in den Mußestunden mit der Bibel und dem Talmud beschäftigen. Ihr, meine Freunde, nehmt meine Morte nicht gleichgütig auf. Wählet einen Rabbiner, der die Morte der Torah ernstlich erfüllt; nur sei er, Gott behüte, nicht einer von den 59) Orach Chajim, 307, 16. e°) Allg. Zeitg. d. Judt. 1885, S. 24. 61), Mischnas chachamim, Wandsbeck, 1733, S. 85. Buber Ansche schem 1895, S. 66, Krakau. Schwindelschriftstellern,62) die nicht-jüdische Bücher in fremden Sprachen lesen, von einem solchen darf,man keine Belehrung annehmen, und seine Mahl wäre der Pflanzung eines Götzenhaines im Tempel des Herrn gleichzuhalten?^) Ls lohnt zu bemerken, daß die Gemeinde bald nachher den würdigen MenachemMatz Krostitz (aus Drößnitz) als Rabbiner anstellte, der am 25. Februar H89l im Alter von neunzig Jahren starb und bis an sein Lebensende den Traditionen seines großen Lehrers treu blieb.^) Der Vorsteher von Deutsch-Rreuz — oder Zehlim, wie Moses Sofer aus religiösen Gründen schreibt —, hieß Salman Dukes, und war wohl der Vater, jedenfalls ein naher Verwandter des aus diesem Orte gebürtigen Staatsmannes und Dichters, Ludwig Freiherr von Doczi, den der weise Rat Rabbi Moses Sofers nicht dem Judentum zu erhalten vermochte. Mer sich für die Stellung der ungeschminkten, selbstbewußten Orthodoxie zu weltlicher Bildung interessiert, kann eine sehr wertvolle Zusammenstellung bezüglicher Aeußerungen in dem höchst interessanten, anonymen Schriftchen Naar ibri finden.^) Moderne, d. h. zeitgenössische Ver- 62) Hirsch's Chaurew war in demselben Jahre erschienen. e») Choschen Mischpat, Nr. 197. «9 Ms Beispiel der übertreibenden Tradition, von der ich im Anfänge bei dem Hinweise auf den Hohenpriester Johanan sprach, sei bemerkt, daß die Blätter dem Rabbi Menachem Katz ein Wer von nahezu hundert Jahren gaben. Allg. Zeitg. d. Judt. 1891, S. 111; Der Israelit, 1891, Nr. 10. Nach meinen im Proßnitz angestellten archivalischen Untersuchungen war er am 22. Januar 1801 geboren. 6Ö) Das Schriftchen, angeblich in Stettin, nach den Lettern zu urteilen, in Preßburg gedruckt, ist das Werk Akiba Josef Schlesingers, der sich durch die Chiffre Ibri-Akiba Josef ben Rabbi Jechiel verrät. Dem Werke geht das bekannte Testament Moses Sofers im hebräischen Texte mit jiddischer Uebersetzung voran. Derselbe Autor hat schon vorher das Testament Moses Sofers mit einer aus-

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