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Liberales Judentum · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
6 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 33 (sequence 13)
Language
German
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Gstthard Deutsch: Der binischen Auslegung eines Schriftwortes?H Dasselbe gilt für die Speisegesetze, z. B. für das verbot des Genusses erkrankter Tiere (trefah)?2) Ist die rabbinische Auslegung in dem letzteren Falle unabhängig von allen späteren Erfahrungen und Lebensverhältnissen, so sollte sie es auch in dem ersteren Falle sein. Derselben Inkonsequenz begegnen wir in der Stellung zu weltlicher Bildung. Der rabbinische Standpunkt ist klar in der Auslegung von Lev. XVIII, ausgedrückt. Ts heißt dort: „In Gottes Geboten sollt ihr wandeln, d. h. du sollst dich ausschließlich mit ihnen beschäftigen und nichts anderes damit vermischen; du sollst nicht etwa sagen: Ich habe die Weisheit Israels erlernt, ich will nun auch die Weisheit anderer Völker erlernen; nein, darum heißt es in ihnen sollst du wandeln; du darfst dich niemals von ihnen lossagen." Allerdings haben S. N. Hirsche) und sogar I. Ls. weiß^) allerlei apologetische Kunststücke versucht, um dieses klare Verbot mit der modernen Praxis seiner Nichtbeachtung zu harmonisieren, aber alle älteren Autoritäten haben es richtig als ein absolutes verbot aufgefaßt, wenn auch die spanische Philosophenschule des Mittelalters und die spätere italienische Schule mit der naiven Inkonsequenz, die das glückliche Erbe der fortschreitenden Menschheit ist, sich stillschweigend darüber hinweggesetzt haben. Isaak ben Scheschet, c. 1,330—WO sagt deutlich, indem er sich aus Lsas Gaon (gest. 1(038) beruft: „Das Ideal des Israeliten in der Leitung zu physischer und moralischer Wohlfahrt ist das Studium der Torah. wer sich davon lossagt und sich mit weltlichen Wissenschaften beschäftigt, wird an seiner Gläubigkeit ewigen 51) Ex. XXI, 1; Mechilta zur Stelle; Gittin, 88, d. 52) Ex. XXII, 80; Chullin, 42, a. 53) In seinem Pentateuchkommentar z. St. 54) In seiner Ausgabe des Sifra, S. 86, a. Glaube an Kabrlspäne 3;i Schaden erleiden. Wenn man dir vorschwatzt, daß gerade wissenschaftliche Bildung, den Menschen im Glauben stärke, glaube solchen Verführern nicht, denn wahre Gottesfurcht, Sündenreinheit, aufrichtige Neligiosität, Demut, Herzensreinheit und Heiligkeit findet man nur bei denen, die sich ausschließlich mit Mischnah und Talmud beschäftigen."^) Diese Anschauung ist auch in die autoritativen Gesetzesbücher übergegangen. Josef Taro scheint es nicht einmal für nötig gehaltert zu haben, ein ausdrückliches Verbot bei der Behandlung der Gesetze über das Studium der Torah in den Schulchan Aruch auszunehmen. Sein Glossator, Moses Isserls, hat die Lücke empfunden und hält es für notwendig, zu erklären: „Wenn man auch das zukünftige Leben nur durchdas Studium der heiligen Bücher erwirbt, ist es doch gestattet, sich gelegentlich mit anderen Wissenschaften zu beschäftigen, was die alten Rabbinen einen Erholungsspaziergang genannt haben."^) Ls gäbe ja keine Kasuistik, wenn jüngere Glossatoren dieser Anschauung nicht widersprochen hätten. Joses Taro hat das versäumte an anderer Stelle reichlich nachgeholt. In den Sabbatgesetzen sagt er ausdrücklich: „weltliche Dichtungen, besonders solche erotischer Natur, wie die Werke Immanuels^) und historische Werke darf man am Sabbat nicht lesen, und selbst an Werktagen ist es als frivol verboten, und wer es tut, Übertritt das verbot: „Kehret euch nicht an die Abgötter", d. h., entfernet Gott nicht aus euerem Herzen?«) Ganz besonders gilt das von Liebesgeschichten, die eine Ermunterung verbotener Leidenschaften sind. ««) Resp. Ribasch, Nr. 45. Joreh Deah, 244, 4. 57) Immanuel aus Rom, angeblich ein Freund Dantes, dessen Diwan in der Tat ziemlich schlüpf» rig ist. 58) Lev. XIX, 4. Ein schwer übersetzbares Wortspiel, etwa so viel als: Kehret Gott nicht aus Euerem Herzen aus, um Abgöttern Platz zu machen.

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