Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 3 (1911)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 146 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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146 O O o o Prof. G. Neutsch: Neformjudentum und Taufe ungetanste Sohn eines ultraorthodoxen Rabbiners. In seinen biographischen Noten in „Wer ist's"? Ablage) sagt er, daß sein Vater „jüdische r Theologe" war, während Ion (geb. Jonas) Lehmann, der Sohn des orthodoxen Vorkämpfers Markus Lehmann, des Begründers des „Israelit" von seinem Vater als „bekannter Gelehrter und Schriftsteller" spricht. Endlich gegenüber Theodor Treizenach, George Iellinek, den Kindern (nicht allen) von Aaron Thorin und Hermann Jacobson, haben wir, wie ich teilweise schon oben ausgeführt habe, einen Julius Maria Lowe, Lnkel von Mordechai Benet, Urenkel von Akiba Eger, k)eimann Tiktin, Urenkel von Abraham, Enkel von Salomon, Sohn von Gedaliah Tiktin, Abkömmlinge derer, die den Hamburger Tempel verurteilten. Michael Sohn von Isaac Bernays, der (8H( den Bann gegen das Hamburger Reform-Gebetbuch aussprach. Selig (Paulus) Tassel, der (8^5 gegen den Frankfurter Reformverein schrieb, die Nachkommen von phineas Mendel Heilprin, eines anderen Gegners des Frankfurter Reformvereins, die sich vollständig vom Judentum abwandten, während Felicia von Kuh, geb. Rappaport von porada, Enkelin von Salomon Loew Raxoport, eines anderen Gegners des Frankfurter Reformvereins, zur römisch-katholischen Kirche übcrtrat. Ist es nun Uebertreibung, wenn ich sage, ich könnte ein Buch füllen mit den Beweisen, daß die Orthodoxie direkt zum Uebertritte führt? pauline Wengeroff hat in ihren reizenden Memoiren.einer Großmutter (2 Bd. Berlin (9(0) dies ausgeführt. Hier lesen wir, daß ihr Bruder, der in einer Umgebung auferzogen war, in der es als „gojisch" galt, daß ein Mann mit seiner Frau spazieren geht, zum Thristentum übertrat, und wie ihr Gatte ein Thasid, der in seinen jungen Jahren kabbalistischen Mitternachtsgottesdienst abgehalten hat, sich später aus Prinzip weigerte. eine Synagoge zu betreten und seine Kinder taufen ließ. Meine Behauptung würde schon bewiesen sein durch einen einzigen Fall des Festhaltens am Judentum von Seiten von Reformern und durch einen Fall der Taufe auf Seiten der Orthodoxen. Will ich doch nur beweisen, daß schwache Charaktere materielle Vorteile den sittlichen Verpflichtungen vorziehen. U)ie viel Königsthrone sind durch Glaubenswechsel erkauft worden? Ls handelt sich nicht um eine Gpportunitätsfrage, sondern um eine Frage des Festhaltens am hergebrachten, und die Verhältnisse in England liefern den besten Beweis. hierfür. Die aus dem Osten stammenden englischen Rabbiner verlangen, daß die Frauen einen Scheitel tragen. Die andere englische Orthodoxie ist darüber entsetzt. Aber haben die Rabbis aus dem Osten nicht recht? die Mischna (Kethuboth VII, 6) verlangt es und der Schulchan Aruch (Eben-Ha-Ezer 2(. 2) schreibt es als Gesetz vor. Die gus dem Osten stammenden orthodoxen Rabbiner verurteilen den Besuch der Theater. Wieder ist die englische Iudenheit entsetzt. Aber der Talmud sagt (Abodah Zarah (8 b), daß das Theater der Sitz der Spötter ist und die hervorragendensten Erklärer des Schulchan Aruch bestätigen diese Ansicht. (Grach Thajim 22^. (; 307, (6.) Die aus dem Osten stammenden Rabbiner behaupten, das Tanzen sei -verboten und konservative englische Juden meinen, daß diejenigen, die so etwas erklären, in's Ghetto gehören. Im (8. Jahrhundert gab es einen liberalen Rabbiner Joseph Steinharter in Fürth, der rühmte sich 'damit, daß er das Tanzen verboten habe, trotz des Widerspruchs eines Regierungsbeamten, der ihm mit Entlassung gedroht habe. (Zikron Joseph, Grach Lhajum Nr. (7, Fürth (775.) Diese Ansicht wird auch von vielen anderen