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Liberales Judentum · 1911-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1911) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
3 (1911)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 145 (sequence 25)
Language
German
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Prof. G. Deutsch: Neformzndentum und Taufe 145 Union - Rollege und kenne alle seine Schüler. Daher kann ich mit Bestimmtheit erklären, daß nicht mehr als 3 Zöglinge sich haben taufen lassen. Der erste: Samuel Freuder kehrte zum Judentum zurück und erklärte das ganze Missionswesen für einen Betrug. Er lebt fetzt zurückgezogen in sehr bescheidenen Verhältnissen. Der zweite: Max Wertheimer erlitt Schiffbruch als Mann der christlichen Wissenschaft und wurde Geistlicher der Baptisten. Der dritte: Jerusalem Moses, eigentlich Moses Jerusalemski, war ein fähiger und meiner Meinung nach ein ganz ehrenwerter junger Mann, der infolge seines anstößigen fremden Akzents keine Stellung als jüdischer Rabbiner bekommen konnte. Aus reiner Verzweiflung trat er zum Christentum über, was er, wie mir gesagt wurde, tief bedauert. Alle diese drei Männer kamen bereits erwachsen aus orthodoxer Umgebung' nach Amerika, Wertheimer aus Deutschland (Baden), . Freuder aus Ungarn und Moses aus Suwalki in polen. Ihre frühere orthodoxe Umgebung kann ebenso viel schuld haben an Ihrem Uebertritt, wie ihr Unterricht in Amerika. polen und andere orthodoxe Gegenden im Osten liefern die meisten Missionare, die eine Schande für das Judentum sind. Alexander, der protestantische Bischof in Jerusalem, war ein Schochet in der Provinz Posen. Der Vater von Lord Zerschell kam von eben daher. Thr. D. Ginsburg stammt aus Polen, Margoliouth und Schereschewsky sind seine Landsleute, wenn jemand die Listen der englischen Missions- Gesellschaften durchstudieren würde, wird er sicherlich finden, daß mehr als 90 Prozent der Täuflinge, die aus dem Judentum gegen Bezahlung ausgetreten sind, direkt aus dem Beth - Hamidrasch kamen und durch die Missionäre zur Taufe gelangten. Die modernen Pfefferkorns stammen nicht aus den Schulen der Reform. Paulus Meyer, der Erfinder einer Erzählung vom Ritualmord,, war der Sohn eines Sofers in Brest (Lithauen), Aaron Brimann war ein Thasid aus Rumänien. Daniel Thwolson, der Professor eines geistlichen Seminars einer griechischkatholischen Rirche und Julian Rlaczko, der Führer der polnisch klerikalen Partei in Oesterreich, stammen aus Wilna und waren beide Wunderkinder im Beth-Hamidrasch. Darf ich darum nicht mit Recht sagen, daß ich Bände füllen könnte mit den Aufzählungen der Uebergetretenen, die direkt von der Orthodoxie zu der Rirche gingen und Feinde ihrer frühreren Religion geworden sind? Wo sind die Abkömmlinge der Abudientes, d'Aguilars, Ricardos und d'Jsraelis, die die Stützen der Spanisch-Portugiesischen Gemeinde in London im \6. und \7. Jahrhundert waren? lind singen sie nicht Pitum, haktores noch jetzt in ihrer Bevis- Marks- Synagoge? Hat nicht Wien jährlich 300 bis 600 Uebertritte? und doch gibt es in keiner der zahlreichen Synagogen daselbst einen Reformritus. Die Synagogen, die unter dev Aufsicht der offiziellen Gemeinde stehen, haben nicht einmal eine Orgel und auch keinen gemischten Thor. Unter denen, die sich den im Jahre (87^ beabsichtigten geringfügigen Reformen, widersetzten, befand sich auch Baron Moritz von Roenigswarter. Er gaj> sein Amt in der Verwaltung auf, weil er nicht zugeben wollte, daß ein deutsches Lied bei einer Gedächtsnisfeier gesungen werde. Und doch ließ sich sein Sohn Hermann taufen und ging einer Million Gulden verlustig, die sein Vater als Strafe für einen solchen Schritt in seinem Testament festgesetzt hat. Allerdings Wien hatte einen liberalen, nicht einen Reform-Rabbiner in Adolf Jellinek, dessen Sohn, der kürzlich verstorbene Professor Georg Jellinek, zum Thristentum übergetreten war. Ich habe keine Entschuldigung für ihn — aber er bewies seiner Vergangenheit gegenüber mehr Respekt als der

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