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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 16 (1909) · p. Seite 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
16 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 376 (sequence 16)
Language
German
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376 K. Köhler: Zuw hrmdrrtKhrrgrrr Geburtstag Aavid Einhornes versttäten Erlangen, Würzburg und München besuchte, um an der Philosophie Schelling's und seiner Schule zur modernen Weltanschauung sich emporzuringen. Er ward, sobald er von dort heimgekehrt war, als ein „Neuerer" geachtet, von seinem Lehrer R. Wolf Hamburger mit einem Uriasbrief an die Gemeinde geschickt, bei der er als Kandidat auftrat, und bei der Negierung als Neologe denunziert, damit diese seine Wahl als Rabbiner nicht bestätige. Nach zehn Jahren bangen Harrens nahm er im Jahre die Rabbinatsftelle im Fürstentum Birkenfeld an, die vor ihm Abraham Wechsler und Elias Grünebaum bekleidet hatten. Hier tat er sich alsbald als ein entschiedener Kämpfer für Wahrheitsliebe und Fortschritt hervor. Alle eingenistete Mißbräuche wie die morgenländische Unsitte früher Beerdigungen und dergleichen wichen vor seinen wuchtigen Schlägen. Bald lernten Jude und Lhrist den Mann von hohem sittlichen Ernst und feurigem Tatenmut verehren. Der Geiger-Tiktinsche Streit lockte auch ihn in das Lager der Geffentlichkeit, und er schleuderte mit der Siegeszuversicht eines, allen Bannbullen und aller Buchstabenvergötterung trotzenden Gottesglaubens seine Pfeile gegen die ganze heilige Allianz der Feinde der freien Forschung. Aber mit demselben Freimute, mit dem er für die Grundsätze der geschichtlichen Prüfung des Althergebrachten und der Abschaffung des veralteten und Entseelten im Judentum eintrat, bestritt er dem Frankfurter Reformverern das Recht, in Verkennung der ewigen Grundlagen des geschichtlich gewordenen Judentums einen nagelneuen Mosaismus auf bloßer Verneinung aufzubauen und die prresterheiligkeit des jüdischen Volkes, wie sie in seinen Religionsformen zum Ausdruck kam, ganz und gar zu verwerfen. In der Frankfurter und Breslauer Rabbinerverfammlung stand er in den vordersten Reihen der Fortschrittskämpfer, immer aber auf die Geltendmachung des Prinzips dringend. Er bestand auf Verständlichkeit der G e b e t s spräche, auf Ebenbürtigkeit des Weibes im Gottesdienst wie im gesamten modernen Judentum, auf Geltungslosigkeit aller mit dem Gpferkultus und dem Priestertum in Zusammenhang stehenden Gesetze und der an ihre Wiederherstellung geknüpften Hoffnungen. Um so fester dagegen wollte er die Priestermission Israels und das messianifche Ziel der Gesamtmenschheit im Kultus betont sehen. Alle Erörterungen Einhorns bekunden den in der talmudischen Dialektik geübten scharfsinnigen Denker, der jedoch zu wahrheitsliebend war, uni je die alten Meister des Talmuds verunglimpfen zu lassen. Eine höchst charakteristische Episode in seinem Leben bildet seine Kontroverse mit Holdheim, der im „Israelit des Neunzehnten Jahrhunderts" eine talmudfeindliche Behauptung aufgestellt hatte. Einhorn zieh Holdheim desIrrtums, und als dieser fortfuhr den Talmud anzuklagen, richtete Einhorn einen seiner schonungslosesten Angriffe gegen den „Lästerer des Talmuds", wie er ihn nannte, und die Folge davon war eines der schönsten Freundschaftsbündnisse in der Geschichte des modernen Judentums, die lebenslange Freundschaft zwischen Holdheim und Einhorn. Beide liebten einander, ohne auch nur das Geringste ihrer Individualität aufzugeben; sie kritisierten einander und lernten von einander, und das weite Meer, ja selbst der Tod lockerte das innige Band der Freundschaft nicht. Der kühnere Holdheim beugte sich vor dem Lieferen Ernst des wie aus einem Guß gefertigten Geisteshelden Einhorn. Er schlug ihn, als er an die Spitze der Berliner Reform- Gemeinde trat, zu seinem Nachfolger als Landesrabbiner von Mecklenburg-Schwerin vor. Doch noch ehe dieser sein Amt im Jahre

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