Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 16 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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K. Kahler: Zam hundertjährigen Geburtstag Asvid Einhsrn's 375 Selbstvertrauen, die Selbstachtung wiedergeben, die jahrhundertelange Rnechtung und Mißachtung geknickt und gebrochen haben. Ls wird den Juden demütige Bescheidenheit und mannhaften Stolz zugleich einflößen, sich als einzige Bannerträger der edelsten und höchsten Idee der Menschheit zu fühlen, für sie zu kämpfen und — für sie zu leiden! Denn nicht um ihrer selbst willen ist die Iudenheit auf der Welt, sondern um die „jüdische Idee" zu tragen und zu pflegen, zu erhalten und kommenden Geschlechtern zu vererben, bis sie dermaleinst Gemeingut Aller auf Erden geworden. Das ist der Juden uralte, heilige Mission, die lange, lange noch nicht erfüllt ist, an die wir aber glauben sollen und müssen, um den starken Willen und die innere Rraft zu gewinnen, den äußeren Unbilden des Geschickes zu trotzen! Die „jüdische Idee", die „jüdische Mission", unter diesem Zeichen werden wir siegen! Entfaltet das Banner dieses Judentums, laßt es weithin wehen über alle Lande, die Scheuen und Zagen anzufeuern, die Schwachen und kauen zu stählen, die Zerstreuten zu sammeln und die Fliehenden zurückzuhalten! Und weit über die Grenzen des eigenen Lagers hinaus wird sich der Wirkungskreis dieser Fahne wahrhaft liberalen Judentums erstrecken. Als helleuchtendes Wahrzeichen, als hochragender Wegweiser wird sie Allen dienen, die erdrückt und erstickt im Wust des im Laufe der Jahrhunderte von ihrer Rirche angehäuften Schuttes und Staubes sich zurücksehnen ans Licht, an die reine, freie, befreiende Luft wahrer, ächter Religiosität! Ich bin zu Ende! Gar wohl bin ich mir bewußt, wie so garnichts Fertiges, Abgeschlossenes, Sicheres und Allgemeingiltiges ich gegeben habe und geben konnte. Nur persönliche, subjektive Gedanken und Empfindungen suche man in meinen Ausführungen; nur Andeutungen, Fingerzeige, Aufmunterung und Anregung sollen sie anderen bieten. Der Mensch allein vermag nichts, vereint sind Menschengeist, Menschenkraft und Menschenwille unüberwindlich! Unsere von tiefer Sehnsucht nach innerer Beseelung und Erhöhung durchglühte Zeit harrt der Befreiung! wohlan, ihr Männer alle, die ihr euch liberale Juden nennt, und ihr, unsere Führer, ihr liberalen Rabbiner, vereinigt euch und richtet es auf: stark undfest, schlichtundklar, daswahre Judentum, die Idee des ein- und einzigen Gottes, der geheiliget wird durch der Menschen Sittlichkeit: Die Religion der Zukunft! Düüid €inhorn. Zu feinem hundertjährigen Geburtstag. Von K. Kohler-Cincinnati. ie jüdischen Reformgemeinden und -Rabbinen Amerikas haben dieser Tage den hundertjährigen Geburtstag eines Mannes gefeiert, dessen ganzes Leben ein großes Geistesheldentum war. In dem bayrischen Dorfe Dispeck in der Nähe Fürth's am ^0. November \809 geboren, erweckte der frühreife David Einhorn als zehnjähriger Junger der rabbinischen Hochschule zu Fürch die Bewunderung seiner Lehrer, und zu siebzehn Jahren sah er sich bereits mit einem Rabbinats - Diplome geschmückt, das von seiner seltenen Begabung ausdrücklich Zeugnis gab. Seine Leidensgeschichte begann mit dem Augenblick, da er von der verbotenen Frucht vom Baume der Erkenntnis verstohlener weise aß, und, dem so erweckten Wissensdrange folgend, die. Uni-