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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Berliner Erinnerungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 139 (sequence 28)
Language
German
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139 predigt nichts weniger als vielversprechend ausfiel. Nach beendigtem Gottesdienst hörte man nur, wie man sich zuries: „Der soll der Nachfolger von Michael Sachs sein?" Der Fehlschlag dieser Wahl konnte nicht im Mindesten bezweifelt werden, und der Mißmut in der Gemeinde war ebenso allgemein wie berechtigt. Wie war es nur möglich, so fragte man weiter, daß die ausgesandten Meraglim just auf diesen Mann verfallen konnten? Man rühmte in den Kreisen der Verwaltung seine guten talmudischen Kenntnisse, man Pries seinen friedliebenden, geradsinnigen Charakter, seine pädagogische Begabung. Das alles verschlug indessen nicht viel. Vielmehr blieb man bei der einmal gefaßten Ansicht, Aub sei nicht der geeignete Rabbiner für Berlin- Später konnte denn auch wirklich festgestellt werden, daß keiner der ausgesandten Kundschafter Aub in Mainz hatte predigen hören. Sie waren in der dortigen Synagoge erschienen, als bereits der Prediger die Kanzel verlassen hatte.- Vorstand wie Repräsentanten befanden sich dem allgemeinen Unwillen der Gemeindemitglieder gegenüber in ärgster Verlegenheit. Was tun, war die unausgesprochene Frage, auf die es zunächst keine Antwort gab. Aber so konnte die Lage auf die Dauer doch nicht bleiben. Selbst die unbedingten Anhänger der Verwaltungskörperschaften wurden nachgerade ungeduldig und bestanden darauf, daß man mit allen Mitteln versuchen müßte, aus der Sackgasse herauszukommen, in die man durch die Wahl Aubs geraten war. Noch einmal Meraglim auf eine Rabbinerschau auszusenden, davon konnte freilich keine Rede mehr sein. Und so kam man denn nach langen, hitzigen Kämpfen innerhalb der Gemeindeverwaltung auf den freilich sehr kühnen Gedanken, sich an den Mann zu wenden, der wohl in jeder Beziehung als der Geeignetste für einen Rabbinatsposten in Berlin gelten konnte. Man wandte sich nach Frankfurt a. Main an Dr. Abraham Geiger, und dieser erklärte sich nach Niederkämpfung schwerer sachlicher und persönlicher Bedenken — hing er doch mit allen Gefühlsbanden an seiner Vaterstadt — zur Annahme des Berliner Postens bereit. Die Verhandlungen wurden so geheim»

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