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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1926-01-01 · 27 (1926) · p. Seite 140

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
27 (1926)
Article
Berliner Erinnerungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 140 (sequence 29)
Language
German
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140 gehalten, daß vorerst nichts davon in der Oeffentlichkeit bekannt wurde. Um so gewaltiger war das Erstaunen, als die vollendete Tatsache vorlag. Man befürchtete tiefaufwühlende Stürme innerhalb des Berliner Jüdischen Gemeinwesens. So gestalten sich zuweilen die Verflechtungen der Geschicke: Der Mißerfolg mit der Berufung Aubs wurde zur mittelbaren Ursache für die Berufung -eines Mannes von der Bedeutung Abraham Geigers. Im Lager der Liberalen herrschte Heller Jubel. Die Anhänger des altherkömmlich Ueberlieferten waren bestürzt -darüber, den Breslauer Reformer nunmehr in Berlin seine Wirksamkeit entfalten zu sehen. Die Erregung in diesen Kreisen wuchs von Tag zu Tag. Und als Abraham Geiger endlich auf der Kanzel in der Heidereutergasfe erschien, machte sich eine höchst unliebsame Störung bemerkbar, die von einigen Hitzköpfen hervorgerüfen wurde, einige Shnagogenbesucher verließen sogar demonstrativ das dichtgedrängte Gotteshaus. Die Ruhe wurde indessen bald wieder hergestellt. Die zündende Beredsamkeit des großen Gelehrten, die Art und Weise seines Vortrags fesselte, je länger je mehr, die Aufmerksamkeit der Zuhörer, und nach Beendigung der Predigt konnte man unschwer an den Mienen und mehr noch durch die lebhaften Auseinandersetzungen bemerken, daß sie sich von dem vielangegriffenen, ja sogar vielgeschmähten Manne doch keine ganz zutreffende Vorstellung gemacht hatten. Im Großen und Ganzen durfte man die Vermutung aussprechen, daß Geiger der Schwierigkeiten seiner Lage Herr werden würde. Und so geschah es denn auch. Geigers Predigten erfreuten sich auch in der Heidereutergasfe eines stets wachsenden Zuspruchs. An der gottesdienstlichen Ordnung selbst wurde ja in der Alten Synagoge nichts geändert. Es kann als ein Glück für Geiger angesehen werden, daß sich hier in Berlin keine so tiefaufwühlenden Streitigkeiten wie in Breslau durch die Einführung eines neuen Gebetbuches zu erheben drohten. Allerdings regten sich unter den Besuchern der Alten Synagoge Bestrebungen auf eine Art Don Parochialabgrenzung innerhalb der Gemeinde. Das -hieße dann in der Praxis nichts anderes, als den aus

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