Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 27 (1926)
- Article
- Berliner Erinnerungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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135 vom Vorstande bereits angenommen war, mit der Begründung ablehnte, es seien keine genügenden Räume zur Aufstellung derselben verfügbar! Das Protokoll dieser Repräsentanten-Sitzung trägt den Namen des hochangesehenen Justizrats Mako wer an der Spitze. Es ist daher unseres Dafürhaltens kein bloßer Zufall, wenn unter so bewandten Umständen eine Persönlichkeit wie der aus Ungarn herübergewechselte Rabbinats-Aspirant Nascher — er Pflegte stets den Ton auf die zweite Silbe seines Namens zu legen — zeitweilig eine nicht unbeträchtliche Schar um sich zu versammeln vermochte, die seiner zungengewandten Beredsamkeit mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte. Es ist aber noch weniger einem bloßen Zufälle beizumessen, wenn gerade während der sechziger Jahre eine Persönlichkeit von ganz anderem Format hier in Berlin auftreten und eine tiefeingreifende Wirksamkeit entfalten konnte, nämlich vr. Esriel Hildesheimer. Man mag über diesen Mann, wie immer, denken, das ist nicht zu leugnen: seinem unermüdlichen Eifer und seinen weithinreichenden persönlichen Beziehungen ist es gelungen, der den Bildungsbedürfnissen unserer Zeit angepaßten jüdischen Orthodoxie in Berlin, in dem 1873 eröffneten Rabbiner- Seminar eine festbegründete Stätte zu bereiten. Bereits im Jahre 1872 war die auf liberalen Grundlagen aufgebaute Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ins Leben gerufen worden. Auch die Gemeindeverwaltung wurde allmählich aus ihrer Lethargie aufgerüttelt, und als ihre glänzendste Tat auf ideellem Gebiete muß die 1901 erfolgte Errichtung einer jüdischen Bibliothek rühmend hervorgehoben werden, die sich in verhältnismäßig kurzer Zeit zu einer der bedeutendsten Bücher-Sammlungen auf diesem Gebiete herausentwickelt hat. Nach diesen Abschweifungen in das rein Persönliche, die schon weit über den Zeitraum hinausgreifen, mit dessen Zustands-Schilderungen sich diese Blätter hauptsächlich beschäftigen sollen, nehmen wir den abgebrochenen Faden der Erzählung nunmehr wieder auf. Schon oben hatten wir darauf hingewiesen, daß das innere Gemeindeleben während der sogenannten „Aera Magnus-Wertheim" völlig